Kunst
Interpretation des Gehirns

Havixbeck -

Mit der Kunst im Allgemeinen setzte sich Prof. Dr. Josef-Erwin Speckmann im Rahmen des Kirchenprojekts „Heute ist Freitag“ auseinander.

Donnerstag, 19.05.2016, 18:05 Uhr

Im Rahmen von „Heute ist Freitag“ war Prof. Dr. Josef-Erwin Speckmann zu Gast in der St.-Dionysius-Kirche. Der emeritierte Professor für Neurophysiologie erklärte die Kunst im Allgemeinen aus seiner Sicht.
Im Rahmen von „Heute ist Freitag“ war Prof. Dr. Josef-Erwin Speckmann zu Gast in der St.-Dionysius-Kirche. Der emeritierte Professor für Neurophysiologie erklärte die Kunst im Allgemeinen aus seiner Sicht. Foto: Maxi Krähling

„Was Sie hier sehen, ist nicht Kunst“, schätzt Dr. Josef-Erwin Speckmann das Kunstwerk von Ludwig Maria Vongries ein. Im ersten Moment klingt das nach einer negativen Interpretation , was Speckmann beim Projekt „Heute ist Freitag“ zur Kunst und der Arbeit des Havixbecker Künstlers vom Stapel lassen will. Aber dann zäumt er das Pferd von der anderen Seite auf. Er lässt das fünf Meter hohe Werk aus Stahl und Holz links liegen und nimmt die Kunst an sich von der medizinischen, wissenschaftlichen Warte unter die Lupe.

„Das ist keine Kunst. Denn Kunst ist nicht die Eigenschaft irgendeines Gegenstandes, sondern geschieht in unserem Kopf“, erklärt Speckmann. Der emeritierte Professor für Neurophysiologie der Uni Münster und selber Bildhauer und Maler, weiß das schwierige Thema der Kunstanalyse und -interpretation zu nehmen.

„Ich sage immer, die Kunst ist der ‚Last Exit’“, erklärt Speckmann. Der letzte Ausstieg aus einem zwanghaften Leben in der Welt. Zwanghaft deshalb, weil das Gehirn von der ersten Sekunde dazu gezwungen sei, zu lernen und zu erinnern, um Dinge, Formen oder Farben voneinander unterscheiden und richtig einordnen zu können. Dafür müsse es rund um die Uhr Energie erzeugen.

„Das Gehirn ist zur Energieproduktion auf die Umwelt angewiesen. Es muss erst lernen, was ein Frühstücksbrötchen ist und das dieses die nötige Energie liefert“, erklärt Speckmann an einem einfachen Beispiel. Wegen des ständigen Lernprozesses sei die Welt, wie der Mensch sie wahrnimmt, eine rein konstruierte. „Das ist alles nur Interpretation des Gehirns. Eine ursprünglich Empfindung ist nicht mehr möglich“, so Speckmann.

Und hier kommt die Kunst ins Spiel. Denn Kunst ist nach Speckmann eine spezielle Hirnfunktion, die diese ursprünglichen Gefühle noch zulasse. „Das gefesselt sein von einem Kunstwerk, die Begeisterung für einen Gegenstand – das ist Kunstempfinden.“ Ein Indiz dafür sei, dass viele Menschen auf der ganzen Welt beim Anblick bestimmter Gegenstände ein ähnliches Empfinden hätten. „Vorsicht! Glauben Sie nicht, was andere sagen, was Kunst ist. Sonst werden Sie nie dieses Aha-Erlebnis haben“, sagt Speckmann. Den Bogen zurück zur Arbeit von Ludwig Maria von Gries: „Mich hat es beeindruckt. Für mich ist es ein Kunstwerk.“

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