Pilotprojekt „Respekt – Mach dein Ding“
„Denn wir dürfen keinen zurücklassen“

Nottuln/Havixbeck -

Johanna Frenk, Doris Schmitz und Jan Wegeng haben sich in der A&QUA gGmbH eingerichtet. Die drei Sozialarbeiter bilden das Team des Projektes „Respekt – Mach dein Ding“ am Standort Nottuln. Sie kümmern sich um Jugendliche in Nottuln, Havixbeck und Billerbeck, die durchs soziale Netz gerutscht sind.

Dienstag, 21.06.2016, 16:06 Uhr

Beim offiziellen Startschuss für das „Respekt“-Projekt am Standort Nottuln waren dabei (v.l.): Fachbereichsleiter Benedikt Gellenbeck (Gemeinde Nottuln), Andrea Arndt (Projektleiterin beim Kolping-Bildungswerk), Uwe Slüter (Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes), Bürgermeisterin Manuela Mahnke, Sozialarbeiterin Doris Schmitz, Sozialarbeiter Jan Wegeng, Sozialarbeiterin Johanna Frenk und Christoph Irzik (Geschäftsführer der A&QUA).
Beim offiziellen Startschuss für das „Respekt“-Projekt am Standort Nottuln waren dabei (v.l.): Fachbereichsleiter Benedikt Gellenbeck (Gemeinde Nottuln), Andrea Arndt (Projektleiterin beim Kolping-Bildungswerk), Uwe Slüter (Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes), Bürgermeisterin Manuela Mahnke, Sozialarbeiterin Doris Schmitz, Sozialarbeiter Jan Wegeng, Sozialarbeiterin Johanna Frenk und Christoph Irzik (Geschäftsführer der A&QUA). Foto: Frank Vogel

Uwe Slüter war ehrlich: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir den Zuschlag bekommen würden. Und wir haben vor dieser Aufgabe wirklich Respekt. Genau wie vor unserer Zielgruppe.“ Die Zielgruppe, die der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Diözesanverband Münster GmbH anspricht, sind 15- bis 25-jährige Jugendliche, die aus dem Raster des Bildungs- und Ausbildungssystem herausgefallen sind, die ohne Beschäftigung und unter Umständen sogar obdachlos sind. Jugendliche, die abtauchen und schwer erreichbar sind. Um diese jungen Menschen zurück in Schule, Ausbildung oder Arbeit zu bringen, ihnen eine (neue) Chance zu geben, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt „Respekt – Mach dein Ding“ ins Leben gerufen. Das Kolping-Bildungswerk ist Träger im Kreis Coesfeld. Hier findet das einzige der bundesweit 18 Einzelprojekte statt, das im ländlichen Bereich angesiedelt ist.

Der Startschuss fiel im Januar, im Februar wurde die Konzeption für den Standort Nottuln entwickelt. Die Sozialarbeiter Johanna Frenk (25), Doris Schmitz (55) und Jan Wegeng (31) richteten sich in der A&QUA gGmbH an der Oststraße 5 ein. Dort stehen jetzt ein Büro und ein Begegnungsraum zur Verfügung. Seit Mitte März ist das Team montags und donnerstags jeweils von 8 bis 12 Uhr regelmäßig anzutreffen – montags gibt es zusätzlich das Angebot des „Frühstücks zum Wochenstart – Frühstart“ (von 11 bis 13 Uhr). Ansonsten sind die drei Sozialarbeiter unter ✆ 0 25 02/ 23 18 45 erreichbar und machen Termine nach Absprache.

Zwei konzeptionelle Schwerpunkte gibt es für die Arbeit: Das Projekt-Team versucht, sich mit Partnern zu vernetzen, um über diese auch Kontakte zu den Jugendlichen zu bekommen und die Einrichtungen und Vereine kennenzulernen, die den Jugendlichen helfen können. „Da ist Nottuln hervorragend aufgestellt, mit den Partnern vor Ort läuft die Zusammenarbeit ganz toll“, schwärmt Johanna Frenk. Seien es die Gemeinde, der Treffpunkt Jugendarbeit, die Schulen, die Schulsozialarbeiter oder Jugendgruppen und Vereine – das soziale Netz ist eng gestrickt, „ein hervorragendes System“, wie Andrea Arndt, beim Kolping-Bildungswerk Projektleiterin für den Kreis Coesfeld, betont. Dennoch gibt es Jugendliche, die durch die Maschen fallen. „Ja, wir haben sogar Jugendliche, die von Obdachlosigkeit bedroht sind“, weiß Johanna Frenk inzwischen.

Das zweite Standbein der Konzeption ist die mobile Arbeit. Ein silberfarbenes Wohnmobil steht seit einiger Zeit an Schulen, am Jugendzentrum, am Rhodepark oder bei Veranstaltungen. In dem Fahrzeug kann das „Respekt“-Team Gespräche mit Interessierten und Betroffenen führen, hier gibt es aber auch die Möglichkeit für die Jugendlichen, sich einmal zu duschen oder ins Bett zu legen. „Wir werden wahrgenommen“, freut sich Doris Schmitz über die Resonanz auf das Angebot. Und das nicht nur in Nottuln, sondern auch in den Nachbarorten Havixbeck und in Billerbeck. Diese gehören ebenfalls zum Einzugsbereich des Nottulner „Respekt“-Teams.

„Wir hatten schon sehr viele Erstkontakte“, erklärt Jan Wegeng. Inzwischen gebe es auch die ersten Jugendlichen, die vom „Respekt“-Team begleitet werden. „Wir sind Anlaufstelle für die Jugendlichen, bauen Vertrauen auf und suchen mit ihnen individuelle Wege“, erklärt Johanna Frenk. „Und auch danach ziehen wir uns nicht zurück, sondern bleiben langfristig da.“

Wichtig ist dem Kolping-Bildungswerk, so Uwe Slüter, dass man nicht Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten ist, sondern Ergänzung. „Und genau so werden Sie auch wahrgenommen“, bestätigt Bürgermeisterin Manuela Mahnke. Sie freut sich über das neue Angebot: „Ein tolles Projekt, ein super Programm. Sie nehmen damit viel Druck raus, denn wir als Gemeinde können manchmal nur sanktionieren, zum Beispiel kein Geld mehr auszahlen. Da haben Sie ganz andere Möglichkeiten.“ Die Arbeit des Respekt-Teams finde sie ausgesprochen wichtig: „Denn wir dürfen keinen zurücklassen. Jeder, der aufgefangen wird, ist ein Gewonnener für die Gemeinschaft.“

Offene Ohren und offene Türen bot die Bürgermeisterin dem Team an und wünschte ihm nicht nur Erfolg, sondern auch viel Spaß bei der Arbeit. „Aber so hoch motiviert, wie ich Sie hier erlebe, haben Sie das ja ganz offensichtlich.“

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