Bildkamin
Baumberger Sandstein am Rhein

Havixbeck -

Weite Verbreitung fand der Baumberger Sandstein in früheren Zeiten. Auch ein Bildkamin auf der Burg Rheinstein bei Trechtinghausen ist aus diesem Material gefertigt.

Samstag, 23.07.2016, 17:07 Uhr

Einer der einst neun Bildkamine des Schlosses Horst bei Gelsenkirchen wurde nach Burg Rheinstein bei Trechtingshausen verkauft. Er schmückt dort den Rittersaal.
Einer der einst neun Bildkamine des Schlosses Horst bei Gelsenkirchen wurde nach Burg Rheinstein bei Trechtingshausen verkauft. Er schmückt dort den Rittersaal. Foto: Baumberger-Sandstein-Museum

Die Teitekerlken hausten der Sage nach in den Spalten der Steinbrüche auf den Höhen der Baumberge und trieben ihren Schabernack. Da wundert es nicht, dass diese kleinen Erdgeister viel über den Baumberger Sandstein wissen. Einige ihrer Geheimnisse geben die Teitekerlken in dieser Serie unserer Zeitung preis, die in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Baumberger-Sandstein-Museums, Dr. Joachim Eichler, entstanden ist.

Trechtingshausen kennen wohl nicht allzu viele Menschen in Deutschland. Zwar ist der Ort schön am Rhein gelegen, aber es fehlt ihm eine malerische Altstadt, wie sie das nahe gelegene Bacharach aufzuweisen hat. Dafür liegt am Ortsrand eine der schönsten Ritterburgen des Mittelrheintals: Burg Rheinstein .

Der Name ist noch recht jung. Die Burg, die der Mainzer Erzbischof 1316/1317 erbauen ließ, hieß Fautsburg oder Faitsberg. Über drei Jahrhunderte sicherte sie das Mainzer Territorium und war natürlich auch eine Zollburg – wie fast jede Burg direkt am Rhein. Im 17. Jahrhundert dann verfiel die Burg zur Ruine.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel auf die Burg aufmerksam und entwarf Pläne für ihren Wiederaufbau, der dann auch bis 1829 verwirklicht wurde. Das war eine Art „romantisches Mittelalter“, was man dort baute und auch in der Folgezeit in anderen Burgen verwirklicht wurde. „Rheinromantik“ nennt man das. Mit dem Ende der Bauzeit erhielt die Burg den Namen „Rheinstein“.

Die Burg gekauft hatte Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, und für die Ausstattung der Burg im romantischen Stil kaufte er sich im Kölner Kunsthandel allerlei zusammen. Rheinstein ist also auch von der Ausstattung her sehenswert.

Im Jahr 2009 verbrachte ein Havixbecker Sandsteinfachmann mit seiner Frau einen Wanderurlaub am Mittelrhein und besichtigte auch Rheinstein. Der Prinz hatte es sich seinerzeit natürlich nicht nehmen lassen, auch einen „Rittersaal“ einzurichten, und der mit bildhauerischen Reliefs geschmückte Kamin in diesem Saal fiel dem Experten doch sehr ins Auge. Man durfte nicht nahe heran an den Kamin und das Taschenmikroskop war im Urlaub sowieso nicht zur Hand, aber das sah doch sehr nach Bildhauerei in Baumberger Sandstein aus! Und der Stil: Renaissance.

Nach dem Urlaub gingen dann Nachfragen an das Landesdenkmalamt in Mainz und die Burgverwaltung, aber es gab keine Antwort. Jahre später beschäftigte sich der Havixbecker Museumsleiter einmal mehr mit dem Schloss Horst im heutigen Gelsenkirchen – und da fand sich der Hinweis! Von den ursprünglich neun Horster „Bildkaminen“, also großen Feuerstellen mit Bildhauerarbeit, aus der Renaissance ist nur einer im Schloss verblieben. Und einer wurde nach Burg Rheinstein bei Trechtingshausen verkauft.

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