Unterstützte Kommunikation
Tablet als Sprachrohr

Havixbeck -

Durch „Unterstützte Kommunikation“ können sich Menschen mit Behinderung gegenüber ihren Mitmenschen verständlich machen.

Mittwoch, 29.03.2017, 06:03 Uhr

Mit Hilfe eines Tablets kommuniziert Stefan mit seiner Umwelt. Cornelia Döhling schaut ihm dabei über die Schulter.
Mit Hilfe eines Tablets kommuniziert Stefan mit seiner Umwelt. Cornelia Döhling schaut ihm dabei über die Schulter. Foto: Julius Schwerdt

„Ich bin BVB-Fan“, sagt eine männliche Computerstimme. Doch eigentlich hat soeben Stefan seine Vereinsliebe zum Ausdruck gebracht, die auch unschwer an den Radkappen seines Rollstuhls zu erkennen ist. Ebenfalls gut sichtbar ist der „Talker“, der mit einer Halterung am Rollstuhl befestigt wurde. Und in dem modifizierten Tablet in der Halterung findet sich auch die Lösung zum Rätsel um die Computerstimme.

Denn in der Stift Tilbeck GmbH setzt man schon seit einiger Zeit auf Unterstützte Kommunikation . „Mit unterschiedlichen technischen Hilfsmitteln können wir Menschen mit Behinderungen die Kommunikation mit ihrer Umwelt möglich machen“, erklärt Marcus Hopp , der für das Projekt „Technische Assistenz“ im Stift zuständig ist. „Manche Bewohner können sich mit Hilfsmitteln das erste Mal seit Jahren konkret sprachlich verständlich machen.“

„Die Lebensqualität der Bewohner steigt und unsere Mitarbeitenden verstehen sie schneller“, bringt es Cornelia Döhling , die in Tilbeck für die Unterstützte Kommunikation zuständig ist, auf eine einfache Formel. Schon kurz nach der Einführung bemerkten die Fachkräfte, dass sich frühere Konflikte deutlich entschärften oder sogar gar nicht mehr auftraten. „Die Bewohner äußeren ihre Wünsche und Bedürfnisse gezielter, sodass es zu weniger Frustrationen kommt“, erklärt Döhling.

„Unterstützte Kommunikation“ beginnt nicht erst bei Stefans Tablet, sondern oft schon mit einfachen Mitteln. Ein kleiner Korb mit Spielzeug-Lebensmitteln kann bereits eine Hilfe sein, wenn es um den regelmäßigen Einkauf geht. „Die Bewohner können so beispielsweise auf die gewünschten Artikel zeigen und damit ihre Wünsche deutlich machen“, so Cornelia Döhling.

Gemeinsam mit anderen Trägern der Behindertenhilfe im Münsterland hat man sich außerdem auf ein einheitliches Farbschema geeinigt, das unter anderem bei der Strukturierung der Woche helfen kann, heißt es in einer Pressemitteilung des Diözesan-Caritasverbandes. Dieses Schema wird auch in sprechende Bilderrahmen integriert, die viele Bewohner als eine Art Wochenkalender nutzen. Wird auf einen Wochentag gedrückt, kommen aus dem Speicher des Rahmens einige Basisinformationen: Name des Wochentages, Arbeit oder die Nachmittagsgestaltung. „Das sind immer ganz individuelle Informationen, die für den Bewohner von Bedeutung sind“, so Döhling.

Der Weg zu diesen Informationen ist nicht immer leicht. „Im Grunde muss das Umfeld eine gänzlich neue Sprache lernen“, sagt Ruth Meyerink, Geschäftsführerin des Stiftes. Man müsse sich viel Zeit nehmen und sich auf ein deutlich langsameres Gesprächstempo einlassen. Angehörige und Mitarbeiter, die sich ja bereits eine Kommunikation mit dem Bewohner erarbeitet haben, müssten sich umstellen

Damit dies gut gelingt, werden die Mitarbeiter fortlaufend geschult. In allen Lebensbereichen sind mittlerweile Mentoren tätig, denn einen Trick, wie man die neuen Kommunikationsmuster einübt, gibt es nicht. „Jeder Mensch entwickelt seine eigene Art der Kommunikation. Egal, ob er eine Behinderung hat oder nicht“, meint Cornelia Döhling. Dementsprechend individuell erfolgt die Erarbeitung mit den Bewohnern.

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