Luther im Sandsteinmuseum
Keine Heldenverehrung

Havixbeck -

Die Luther-Ausstellung „#Here I stand“ ist ungewöhnlich – und spannend. Pfarrer Dr. Oliver Kösters führte das interessierte Publikum ein. Und erzählte dabei auch sehr Persönliches.

Sonntag, 07.05.2017, 21:05 Uhr

Dr. Oliver Kösters (r.) führte in die Ausstellung ein. Mit ungewöhnlichen Mitteln ist das Leben und Wirken Luthers, aber auch die Geschichte der Reformation und ihre Folgen aufgearbeitet worden.
Dr. Oliver Kösters (r.) führte in die Ausstellung ein. Mit ungewöhnlichen Mitteln ist das Leben und Wirken Luthers, aber auch die Geschichte der Reformation und ihre Folgen aufgearbeitet worden. Foto: Dieter Klein

„Man kommt in dieser Zeit nur schlecht an ihm vorbei“, verwies Pfarrer Dr. Oliver Kösters zur Eröffnung der Ausstellung „#Here I stand“ zum Reformationsjubiläum auf die Großfigur Luthers , die seit Freitag am Baumberger-Sandstein-Museum steht.

Schon Museumsdirektor Dr. Joachim Eichler hatte in der Begrüßung von seiner ersten „Begegnung“ mit dem Reformator hingewiesen, die er während seines Studiums im Zuge der Beschäftigung mit der Kirchengeschichte und den damit verbundenen Bauernaufstände anfangs des 16. Jahrhunderts gemacht hatte.

Dr. Kösters, Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Havixbeck , öffnete sich noch weiter: „Ich bin katholisch geboren und habe während meiner Jugend lange damit gerungen, was ich tun sollte, bevor ich im Alter von 20 Jahren konvertierte, um später Pfarrer zu werden. Mit ausschlaggebend: Dass die evangelische Kirche die Familie zuließ. Denn ich wollte gerne eine Familie haben.“

Später, bei der Führung durch die Luther-Ausstellung ging Dr. Kösters noch einmal auf das Thema „Luther und die Frauen“ ein, zu denen Katharina von Bora (eine Nonne, die Luther heiratete), Walpurga Bugenhagen oder Argula von Grumbach gehörten: „Ein wichtiger Aspekt. Im Zuge der Reformation fanden willensstarke, eigenständig denkende Frauen Gehör – auch wenn damals noch lange keine Rede von Gleichberechtigung sein konnte. Doch so ist der Grundstein dafür gelegt worden, dass heute ganz selbstverständlich Pfarrerinnen in unserer evangelischen Kirche tätig sind und Frauen unterschiedslos jedes Leitungsamt bekleiden können.“

Die kunstvoll gestaltete Plakatausstellung zu Luther, der Reformation und den damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen weltweiten Entwicklungen birgt eine Menge an Informationen. Zum Beispiel erfährt man, dass sich aus der Reformation zahlreiche unterschiedliche Glaubensströmungen manifestiert haben.

Die Ausstellung lobt Martin Luther nicht einseitig über den grünen Klee. Dr. Oliver Kösters erklärte: „Dies hier ist keine Begegnung mit einer toten Figur. Niemand muss heute Martin Luther zum Helden machen. Er war auch kein Heiliger. Eher eine schillernde, vielschichtige Figur, die zu Krisen, Konflikten und Kriegen führte. So muss sich jeder selbst fragen, was ihn an ihm berührt oder abstößt.“

Die Ausstellung ist noch bis Anfang Juli geöffnet. Eine Besonderheit: „#Here I stand“ steht auch als kostenlose App zur Verfügung, mit der zum Beispiel Kinder und Jugendliche spielerisch eine Rallye durch die Poster-Ausstellung machen können.

 

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