Berufungsverfahren
Tränen der Erleichterung

Havixbeck/Münster -

Das Berufungsverfahren zum Streit am Rande einer Abiturfeier vor zwei Jahren in Havixbeck endete mit einem Freispruch für den heute 22 Jahre alten Angeklagten.

Freitag, 26.05.2017, 19:05 Uhr

Das Landgericht in Münster.
Das Landgericht in Münster. Foto: dpa

Der Angeklagte ließ vor Erleichterung seinen Tränen freien Lauf. Soeben hatte das Gericht das von dem 22-jährigen Mann angefochtene Urteil aufgehoben und ihn vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Das Amtsgericht in Coesfeld hatte den zur Tatzeit in Havixbeck wohnenden Mann im März des Vorjahres zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 55 Euro verurteilt.

Wie berichtet, hatte sich der Konflikt zwischen Jugendlichen im Juni 2015 am Rande einer Abiturfeier an der Anne-Frank-Gesamtschule abgespielt. Für einen ortsansässigen, ebenfalls 22 Jahre alten Mann endete der Streit mit einem Rettungseinsatz. Obwohl der Mann stark alkoholisiert am Boden lag, soll er gezielt getreten worden sein. Im Universitätsklinikum Münster wurden unter anderem ein Nasenbeinbruch und eine Rippenprellung diagnostiziert. Mehrere Wochen war der Mann arbeitsunfähig.

Die Sache ließ er nicht auf sich beruhen. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus stellte der Mann Strafantrag. Das Ermittlungsverfahren kam in Gang. Der Angeklagte und ein als Mittäter angeklagter Mann mussten sich vor Gericht verantworten. Der 22-Jährige wurde verurteilt, während der Mitangeklagte freigesprochen wurde.

Gegen das Urteil hatte sich der Angeklagte gewehrt. Am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht am 24. Januar gab er zum Geschehen an, dass er dem am Boden liegenden 22-Jährigen hatte helfen wollen. „Ich selbst habe definitiv nicht auf den Mann eingetreten. Und das auch nicht versucht“, so der Angeklagte. Stattdessen habe ihn der Geschädigte getreten. Der hatte im Prozess vor dem Landgericht keine Erinnerung an den Tathergang. Weil ein wichtiger Zeuge fehlte, musste das Verfahren ausgesetzt werden.

Am zweiten Verhandlungstag ging der Prozess nun in eine neue Runde. Doch auch die Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen konnte nicht eindeutig zur Aufklärung beitragen.

Das sah die Staatsanwältin anders. Aus ihrer Sicht und nach der Aussage eines Zeugen, hatte der Angeklagte getreten. Sie beantragte die Verwerfung der Berufung.

Der Verteidiger wertete die Aussage des Zeugen als widersprüchlich und forderte einen Freispruch. Der Angeklagte habe sich deeskalierend verhalten. Das Opfer habe, als es am Boden lag, die Hilfe des Angeklagten nicht erkannt und nach ihm getreten. Der habe die Tritte gegen sich dann abgewehrt.

Der Richter sprach den Angeklagten am Ende vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei. Zwar hätten die Beweise eher gegen den Angeklagten gesprochen, seien die Entlastungszeugen nicht überzeugend gewesen und habe eine Körperverletzung zum Nachteil des Zeugen wohl stattgefunden. Dennoch war das Gericht nicht vollständig davon überzeugt, dass der Angeklagte das Opfer getreten hatte, hieß es in der Urteilsbegründung.

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