Soziales Jahr in Kenia
Ein zweites Zuhause gefunden

Havixbeck -

In Kenia absolviert Lisa Meyer zu Rheda derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die 22-jährige Havixbeckerin ist angetan von der Gastfreundschaft, die ihr dort entgegengebracht wird.

Samstag, 27.05.2017, 06:05 Uhr

Der tägliche Weg zur Schule führt Lisa Meyer zu Rheda über diese Straße.
Der tägliche Weg zur Schule führt Lisa Meyer zu Rheda über diese Straße. Foto: Lisa Meyer zu Rheda

„Noch nie habe ich so eine unglaubliche Gastfreundschaft erlebt. Die Kenianer, die ich kennenlernen durfte, sind überaus offen, warmherzig und für jeden Spaß zu haben“, berichtet Lisa Meyer zu Rheda aus dem ostafrikanischen Land. „Wenn es nach ihnen ginge, habe ich schon sehr viele neue Zuhause, zu denen ich jederzeit kommen kann.“

Nach ihrem Bachelorabschluss ist die 22 Jahre alte Havixbeckerin im September des vergangenen Jahres aufgebrochen, um ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Süden Kenias zu absolvieren. „Wundanyi, mein Zuhause, entspricht ganz und gar nicht dem Stereotyp Afrikas. Es handelt sich um eine der regenreichsten Regionen Kenias, weshalb es ganzjährig grünt und von einer Dürre im Land nichts zu spüren ist“, beschreibt Lisa Meyer zu Rheda ihren derzeitigen Aufenthaltsort. Ein krasser Gegensatz zu den Gebieten im Norden Kenias, wo Menschen unter einer schweren Dürre leiden.

In ihrer Gastfamilie, zu der seit einem Monat auch ein kleiner Gastbruder gehört, fühlte sich die 22-Jährige schnell heimisch. „Die Familie sieht mich als ihre eigene Tochter, was aber auch viele Pflichten mit sich bringt“, so Lisa Meyer zu Rheda. In den Haushalt ist sie voll eingespannt: „Dazu gehört auch, mal ab und zu die eigenen Hühner oder Ziegen zu schlachten, obwohl ich das freilich immer zu vermeiden versuche.“

Ihr FSJ-Projekt führt die Havixbeckerin an einer Polytechnic, vergleichbar mit einer deutschen Berufsschule, durch. Dort erlernen die Schüler praktische Berufe wie Friseur, Maurer, Schneider, Kfz-Mechaniker oder Elektriker. „Ich selbst unterrichte Erste Hilfe und Life skills, eine Art lebenspraktischer Unterricht“, berichtet Lisa Meyer zu Rheda. „Meine Klassen umfassen je nach Kurs 40 bis 50 Schüler, was einige Herausforderungen für mich bedeutet, hier aber eine ganz normale Größe ist.“

In ihrer Gastfamilie, zu der seit einem Monat auch ein kleiner Junge gehört, fühlt sich die Havixbeckerin sehr wohl.

In ihrer Gastfamilie, zu der seit einem Monat auch ein kleiner Junge gehört, fühlt sich die Havixbeckerin sehr wohl. Foto: Lisa Meyer zu Rheda

Neben dem Unterrichten sieht die FSJlerin das interkulturelle Lernen als eine weitere Hauptaufgabe, da viele Schüler und Lehrer ein verzerrtes Bild von Deutschland hätten. „Deutschland gilt hier im Dorf als das Paradies schlechthin“, so Lisa Meyer zu Rheda.

Neben großen Städten besuchte die Havixbeckerin kleine Dörfer und den Küstenstreifen entlang des Indischen Ozeans, wo traumhafte Strände vorzufinden seien. „Faszinierend finde ich Kenia im Ganzen“, erklärt Lisa Meyer zu Rheda. „Ich bin schon sehr viel umhergereist, aber das Jahr reicht lange nicht, um ganz Kenia kennenzulernen, da das Land eine unglaubliche Vielfalt, sowohl landschaftlich und in der Tierwelt als auch kulturell zu bieten hat.“ Die werde vor allem von den 42 ansässigen Stämmen hervorgerufen, die bis heute existieren. Der bekannteste seien sicherlich die Massai.

Bewusst geworden sind der 22-Jährigen die starken Unterschiede zwischen den Landesteilen Kenias. Während die Menschen am Lake Turkana im Norden seit Langem unter schwerer Dürre leiden, haben die Menschen im Süden teils mit Überschwemmungen zu kämpfen. „In solchen Zeiten ist es problematisch, ins Dorfzen­trum zu gelangen, da der Weg von unserem Haus auf einer Bergspitze hinunter zum Dorf verschlammt und somit nur schlecht passierbar ist“, berichtet sie. „Die Stromausfälle, die ab und zu durch den Regen ausgelöst werden, interessieren allerdings niemanden wirklich. Jeder ist für solche Fälle ausgerüstet.“

Auch wenn sie derzeit noch voll in Kenia eingebunden ist, blickt Lisa Meyer zu Rheda dem Ende des FSJ bereits entgegen: „Ich werde im Oktober meinen Master beginnen und irgendwann wieder zurückkehren – in mein zweites Zuhause.“

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