Klavierabend im Kerzenschein
Ausgesprochen inspirierendes Erlebnis

Havixbeck -

Prof. Clemens Rave sucht das Besondere – und er hat es einmal mehr gefunden und wunderbar interpretiert. Der „Klavierabend im Kerzenschein“ auf Haus Stapel begeisterte die Zuhörer.

Montag, 28.08.2017, 18:08 Uhr

Prof. Clemens Rave kennt die Feinheiten und Finessen des Knake-Flügels wie kaum ein Anderer und präsentierte einen Klavierabend vom Feinsten.
Prof. Clemens Rave kennt die Feinheiten und Finessen des Knake-Flügels wie kaum ein Anderer und präsentierte einen Klavierabend vom Feinsten. Foto: Axel Engels

Im Schein der Kerzen im exquisiten Ambiente eines Festsaals einen romantischen Klavierabend genießen – solch ein inspirierendes Erlebnis gibt es wohl nur auf dem Wasserschloss Haus Stapel. Am Samstag war Prof. Clemens Rave in der Reihe der „Haus-Stapel-Konzerte“ wieder solistisch am Knake-Flügel zu hören. Mit Sensibilität und Feinsinn hatte er aus seinem umfangreichen Repertoire ein Programm zusammengestellt, das seinem künstlerischen Anspruch nach Vermeidung pianistischer Routine entsprach und gleichzeitig dem Publikum einen Einblick in die Schönheiten der romantischen Kompositionen von Franz Schubert , Joseph Haydn, Carl Maria von Weber und Frédéric Chopin bot.

Rave begann mit den ersten vier „Moments musicaux op. 94“ von Franz Schubert. Diese Stücke gehören neben den Impromptus und der Wanderer-Fantasie wohl zu den bekanntesten Werken Schuberts und erklangen an diesem Abend in einem ganz lebendigen Gewand. Rave stellte den stark romantischen Charakter dieser Stücke in den Vordergrund, konnte die in Musik gesetzten starken Gefühlsausbrüche mit wohl differenzierter Dynamik und exquisiter Melodiegestaltung wiedergeben. Besonders im langsamen As-Dur Andantino gelang ihm eine Interpretation, die in der Tradition der norddeutschen Schule von Conrad Hansen stand und deren langsamer Fluss zum Träumen animierte.

Als zweites Werk hatte er die wohl keinem Zuhörer bekannte „Sonate-Moll“ von Joseph Haydn gewählt. Der Autograph dieser zweisätzigen Sonate ging bei einem Brand auf Schloss Esterhazy verloren. Aus den Manuskriptenheften Haydns hat Winfried Michel diese Sonate rekonstruiert, dabei die besondere Musiksprache Haydns exquisit erfasst. Besonders der langsame Satz begeisterte das Publikum, schuf in seiner melodiebetonten und kontrastreichen Art einen tiefen Einblick in die unbekannte Welt dieser verloren gegangenen Musik.

Mit einem weiteren Kleinod der Pianistik, der „Aufforderung zum Tanz op. 65“ von Carl Maria von Weber, beschloss Clemens Rave den ersten Konzertteil. Hier verband er tänzerische Eleganz mit leidenschaftlichem Ausdruck, stellte seine ausgereifte Virtuosität dabei immer in den Dienst der Musik.

Den zweiten Teil hatte Rave dem Werk Frédéric Chopins gewidmet. Und auch hier wählte er mit der „Polonaise gis-Moll op. posth.“ aus dem Jahre 1824 ein selten zu hörendes Werk. Die Lebendigkeit und Spielfreude dieser ausdrucksstarken Musik übertrug sich direkt aufs Publikum, bot einen überaus intensiven Einstieg in die Vorstellungswelt Chopins. Aus den „Préludes op. 28“ wählte Clemens Rave sieben Préludes, die auf dem Knake-Flügel ihre ganze Schönheit entfalteten. Besonders beim bekannten „Regentropfen-Prélude“ beeindruckte der Farbenreichtum des Instrumentes.

Raves Auswahl von sechs der insgesamt 51 Chopinschen Mazurkas war sehr lyrischer Natur. Seine Interpretation der sehr melancholischen „Mazurka f-Moll op. 68 Nr. 4“ wird sicherlich noch lange im Gedächtnis der begeisterten Besucher bleiben.

Brillanz und Größe zeigte Clemens Rave bei der als „Revolutionsetüde“ bekannten „Etüde c-Moll op. 10 Nr. 12“, mit der er den interessanten Abend beschloss. Erst nach drei Zugaben entließ das Publikum den Pianisten, wobei als glänzendes Finale die Bearbeitung des „Präludium e-Moll BWV 555“ von Alexander Siloti einen tief bewegenden Eindruck hinterließ.

Solch ein „Klavierabend bei Kerzenschein“ mit Clemens Rave im Ambiente des Hauses Stapel sollte öfter angeboten werden.

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