Glocken von Haus Stapel restauriert
Stumme Zeugen der Geschichte

Havixbeck -

Die beiden jahrhundertealten Glocken aus dem Turm des Torhauses von Haus Stapel wurden restauriert.

Freitag, 03.11.2017, 18:11 Uhr

Torhaus und Glockenturm des Hauses Stapel werden zurzeit renoviert. Hinter dem Gerüst ist die Uhr zu erkennen, die früher mit der unteren der beiden Glocken verbunden war.
Torhaus und Glockenturm des Hauses Stapel werden zurzeit renoviert. Hinter dem Gerüst ist die Uhr zu erkennen, die früher mit der unteren der beiden Glocken verbunden war. Foto: Frank Vogel

Alles auf Haus Stapel hat seine Geschichte. Geschichte, die es wert ist, bewahrt zu werden. Und so ist das auch mit den beiden Glocken, die hoch oben im Torturm des Wasserschlosses hängen. Sie sind vom Ende des 17. und vom Anfang des 18. Jahrhunderts und zeugen auch von den damaligen Besitzern des Hauses. Und weil sie fast 350 Jahre beziehungsweise 300 Jahre auf dem Buckel haben, haben Wind und Wetter ihnen ordentlich zugesetzt. Im Zuge der derzeitigen Dachdeckerarbeiten hat Besitzerin Dr. Mechthild Freifrau Raitz von Frentz auch die Restaurierung der beiden Glocken in Auftrag gegeben.

Der Havixbecker Schmiedemeister Werner Paß hat sich dieser Aufgabe angenommen. Zwar habe er die beiden Bronzeglocken, nachdem sie abgenommen worden waren und bei ihm in der Werkstatt standen, vorsichtig gereinigt. „Es ging aber vor allem um die Restaurierung der Aufhängung“, erläutert der Fachmann. Die beiden Glocken hängen übereinander im Torturm. Werner Paß hat die historischen Metallteile, die am hölzernen Glockengestühl befestigt sind und stark korrodiert waren, entfernt und neue geschmiedet. Der Havixbecker kennt sich mit alten Techniken aus, wird bei Restaurierungsarbeiten deshalb immer wieder angefragt.

„Den einen Glockenstuhl mussten wir austauschen, das Holz war morsch, den anderen konnten wir weiter verwenden“, erklärt Paß. Auch die metallenen Aufhängungen der Glockenstühle oben im Turm konnten weiter verwendet werden. „Die habe ich insgesamt fünfmal lackiert.“

Im Jahre 1678 ist die obere der beiden Glocken von Matthias von Kerckerinck zu Stapel (1628-1684), dem damaligen Besitzer von Haus Stapel, gestiftet worden. „Viel wissen wir nicht über ihn“, sagt Mechthild Raitz von Frentz. Das Internetportal „Westfälische Geschichte“ nennt Hedwig Christine von Graes zu Loburg als Kerckerincks Ehefrau, sie war ehemalige Äbtissin aus dem Hohenholter Damenstift.

Glocken des Hauses Stapel restauriert

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Johann Ludwig von Kerckerinck zu Stapel (1671-1750) war der Sohn aus dieser Ehe. Über ihn weiß man mehr. Als Kind war er 1685 in Begleitung seiner inzwischen verwitweten Mutter dabei, als der sogenannte Erbmännerstreit in Speyer zugunsten der Erbmänner, zu denen auch die Familie Kerckerinck gehörte, entschieden wurde. Der Jubel muss groß gewesen sein, denn zu dem Zeitpunkt währte der Prozess schon 88 Jahre. Allerdings war er dann doch noch nicht beendet, die Gegenseite, das münstersche Domkapitel und die Ritterschaft, gingen in Revision. Offenbar ein prägendes Erlebnis für das Kind. Denn Johann Ludwig engagierte sich mächtig und schaffte es schließlich auch, den 1597 begonnenen Prozess Anfang des 18. Jahrhunderts für die Erbmännerfamilien zu gewinnen.

„Und weil er so glücklich darüber war, ließ er den Torturm bauen und die neue Glocke gießen“, erzählt Freifrau Raitz von Frentz. Sowohl den Torturm wie auch die bronzene Glocke schmückt das Familienwappen. Verheiratet war Johann Ludwig von Kerckerinck mit Maria Sophia Wilhelmina von Hörde, die auf der Glocke ebenfalls verewigt ist. Die Beiden haben einiges für Haus Stapel getan. Neben dem Bau des Torturms gaben sie auch die barockisierende Umgestaltung der Vorburg in Auftrag.

Die jüngere der beiden Glocken war mit dem Uhrwerk der Uhr verbunden, die auch heute noch – vom Innenhof des Wasserschlosses aus – am Torturm zu sehen ist. Das Uhrwerk ist allerdings vor langer Zeit verkauft worden, der aktuelle Besitzer nicht mehr auszumachen. Ursprünglich schlug die Glocke jede Stunde, nach dem Verkauf des Uhrwerks ist sie allerdings am Gestühl fixiert und still gelegt worden.

Ein stummer Zeuge der Geschichte.

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