Zwei Instrumente übergeben
Klavier schwebt zum Marienstift

Havixbeck -

Große Freude im Marienstift Droste zu Hülshoff: Endlich kann wieder Klavier gespielt werden. Zwei Instrumente wurden zur Verfügung gestellt.

Samstag, 23.12.2017, 12:12 Uhr

Damit seine Tochter Marianne Kremser das Klavierspielen erlernen konnte, kaufte Kurt Lorenz (l.) vor Jahren dieses Klavier. Tobias Vormann spielte ein paar Takte darauf.
Damit seine Tochter Marianne Kremser das Klavierspielen erlernen konnte, kaufte Kurt Lorenz (l.) vor Jahren dieses Klavier. Tobias Vormann spielte ein paar Takte darauf. Foto: Ansgar Kreuz

„Guck mal, da fliegt ein Klavier!“ – Staunend richteten an der Kolpingstraße vor einigen Tagen die Passanten den Blick nach oben. Und tatsächlich: Am Haken eines Krans hing ein Klavier. Das Instrument aus dem Hause Kremser trat, ebenso wie per Anhänger ein zweites Klavier aus der Nachbargemeinde Nottuln, seine Reise in das Marienstift Droste zu Hülshoff an. Und so ging passend zu Weihnachten ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Im Marienstift kann wieder Klavier gespielt werden.

Als die Havixbeckerin Marianne Kremser und die Nottulnerin Reinhilda Jähnke im November in unserer Zeitung den Aufruf „Wer hat ein Klavier für das Marienstift?“ lasen, zögerten beide nicht lange. Sie hatten jeweils ein Klavier, was bei ihnen nicht mehr benötigt wurde. Und so boten sie Einrichtungsleiter Tobias Vormann ihre Instrumente für das Marienstift an. Mit Kreativität und vor allem Muskelkraft sorgte ein Team des Seniorenheimes, unterstützt von einigen ehrenamtlichen Helfern, für den Transport.

Frisch gestimmt hat das Klavier von Reinhilda Jähnke inzwischen seinen festen Platz im Café Klatsch, einem beliebten Treffpunkt der Bewohner des Marienstifts, gefunden. Das Instrument aus dem Hause Feurich-Klaviere in Leipzig stammt aus dem Jahr 1926, ist aber trotz des Alters tadellos zu spielen. „Ich freue mich, das Klavier für einen guten Zweck weitergeben zu können“, erklärte Reinhilda Jähnke, die das Stück selbst geerbt hat. „Und wenn ich mal Verlangen danach haben sollte, kann ich das Klavier besuchen“, verriet die Nottulnerin, während Tobias Vormann ein paar Takte spielte.

Mit dem Umzug des Klaviers aus dem Hause Kremser in das Marienstift schloss sich indes ein Kreis in der Familiengeschichte. „Mein Vater, Kurt Lorenz, kaufte das Klavier für 200 Mark von seinem Sangesbruder Carl Meyer, weil ich das Klavierspielen lernen wollte“, erinnerte sich Marianne Kremser. „Es war mein großer Traum, aber es ist keine große Liebe daraus geworden“, gestand die Havixbeckerin ein. Und so stand das Instrument lange Zeit unbenutzt herum.

Im Café Klatsch steht das Klavier, das Reinhilda Jähnke aus Nottuln dem Marienstift übergab. Tobias Vormann dankte ihr mit einem kleinen Ständchen dafür.

Im Café Klatsch steht das Klavier, das Reinhilda Jähnke aus Nottuln dem Marienstift übergab. Tobias Vormann dankte ihr mit einem kleinen Ständchen dafür. Foto: Ansgar Kreuz

Damit ist nun Schluss: Im Wohnbereich „Linde“ des Marienstifts, in dem Kurt Lorenz mittlerweile lebt, erklingt das Feurich-Klavier von 1899 nun wieder regelmäßig.

Ein dickes Lob hatte Marianne Kremser für Georg und Franz-Josef Thier parat. Die beiden Zimmerleute stellten den Kran auf und hoben das Klavier vom Balkon über das Dach hinweg auf die Straße. Den Weg, über den das Instrument einst in der Bauphase in das Haus gelangt war, gibt es nämlich heute nicht mehr. Gut, wenn in so einem Fall liebe Menschen mit der erforderlichen Technik und für den guten Zweck spontan einspringen.

„Wer Klavier spielen kann, ist gerne bei uns gesehen“, lädt Tobias Vormann interessierte Musiker ein, die Instrumente zu spielen. Für die Bewohner des Marienstifts sei dies immer eine Freude. Beide Instrumente würden in das Musikkonzept des Hauses eingebunden. So haute unlängst Klinikclown Konrad bei einem Besuch in die Tasten. Vorgesehen ist außerdem, dass Schüler der Musikschule regelmäßig im Marienstift kleine Aufführungen bieten.

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