Amtsgericht Coesfeld
Beleidigungen und Faustschläge

Havixbeck/Coesfeld -

Zwei Mal ist ein 47-jähriger Mann aus dem lippischen Barntrup zum Amtsgericht in Coesfeld angereist, um der Vorladung als einer von zwei Angeklagten zu folgen.

Dienstag, 20.03.2018, 07:03 Uhr

Zwei Mal ist ein 47-jähriger Mann aus dem lippischen Barntrup zum Amtsgericht in Coesfeld angereist, um der Vorladung als einer von zwei Angeklagten zu folgen. Beim ersten Mal war sein Erscheinen vollkommen vergeblich, weil der zweite Angeklagte aus Havixbeck und der Geschädigte der Vorladung nicht gefolgt waren. Beim zweiten Gerichtstermin erschien der zweite Angeklagte nicht, dafür der Geschädigte.

Beide wurden beschuldigt, am 8. Juli 2017 auf der Kirmes in Havixbeck den 30-jährigen Geschädigten mit einem Elektroschocker attackiert zu haben und ihn danach hinter einem Wagen noch mal brutal mit Fäusten geschlagen zu haben, bis er bewusstlos wurde und sich im Krankenhaus wiederfand.

Auslöser waren Beleidigungen, die der Geschädigte gegen die Frau des 47-jährigen geäußert haben soll. Der Vorwurf lautete auf gefährliche Körperverletzung. Die Angeklagten und der Geschädigte stammen aus Pakistan. Vor diesem Vorfall kannten sich die drei Tatbeteiligten nicht, gab der 47-jährige Angeklagte zu Protokoll.

Entgegen des Polizeiberichts schilderte der Angeklagte und der Geschädigte den Sachverhalt gravierend anders. Der Angeklagte gab an, dass er den Geschädigten weder geschlagen noch mit einem Elektroschocker angegriffen habe. Als Beweis brachte er eine Taschenlampe mit, die er in der Hand gehalten haben will während des Tatgeschehens. Der Geschädigte schilderte im Zeugenstand, dass der Angeklagte ihn zwei Mal aggressiv am Bart gezogen haben soll und ihn mit einem Elektroschocker am Arm berührt haben soll. Schmerzen habe er dabei nicht gehabt, gab er auf Nachfrage der Richterin zu. Erst danach sei der zweite Angeklagte hinzugekommen, der ihn über die Straße gezerrt haben soll und ihn mit Faustschlägen angegriffen habe.

Mögliche Übersetzungsfehler im Polizeibericht, die den Hergang als gemeinschaftliche, gefährliche Körperverletzung darstellten, die vollkommen andere Schilderungen in diesem Verfahren und das Fehlen der Aussage des zweiten Angeklagten ließen das Gericht zunächst ratlos werden. Das Verfahren wurde daraufhin gegen den Angeklagten aus Barntrup gegen eine Geldauflage von 200 Euro, zahlbar bis in sechs Monaten, eingestellt.

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