Jochen Malmsheimer im Forum
Schmied des präzisen Wortes

Havixbeck -

Lust auf mehr Literatur machte Jochen Malmsheimer den Besuchern des Kabarettabends im Forum der Anne-Frank-Gesamtschule.

Freitag, 13.04.2018, 20:04 Uhr

Tatsächlich machte der Kabarettist aus dem Pott wieder Lust auf Literatur. Er zeigte einmal mehr, was mit Sprache alles machbar ist.
Tatsächlich machte der Kabarettist aus dem Pott wieder Lust auf Literatur. Er zeigte einmal mehr, was mit Sprache alles machbar ist. Foto: Ulla Wolanewitz

Die Welt braucht Helden. Wo sind sie nur geblieben, die Koryphäen der Courage und Gerechtigkeit? Jochen Malmsheimer ließ die Matadore der Geschichte am Donnerstagabend in der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG ) wieder lebendig werden. „Lektüre ist nicht der Imperativ von knutsch die Pforte“, kalauerte der Mann aus dem Ruhrgebiet.

Nur weniger Sätze bedurfte es an diesem Abend und schon war der Schmied des präzisen Wortes voll in seinem Element. Sozusagen mit Volldampf voraus. Wobei sich Mister Schnellsprech nach den ersten Minuten erst selber wieder einfangen musste, alldieweil die Worte schneller aus ihm herauswollten als sie zu verstehen waren.

Schuld war eigentlich die Gattin, „die Richtschnur meines Handelns – Tanzboden meiner Fantasie“, die ihn zu einer Städtetour – zu seinem Leidwesen „per Omnibus – für alle“ – nach Venedig verpflichtete. Ergo drohte die Anwesenheit einer Gruppe, wo „Menschen im Plural doch nur schwer aushaltbar sind“. Zwischen einem illustren Publikum von barocken Damen, gotischen Gatten und jugendlichen „Heranwachsenden“ stellte er sich mutig diesem Trip.

Ja, er ist ein echtes Genie, der bärbeißige Barde der Alltagssatire. Vor allem, wenn er eine imaginäre Talkshow veranstaltet mit Experten wie Dr. Rieselfeld, Herrn Ziesemann und Herrn Fürchteallah (nein, nicht Fürchtegott) Pommerenke. Mit seiner Stimmenvielfalt und seinem unglaublichen Sprechtempo weiß Malmsheimer zu begeistern, echt zu verblüffen. Die Helden? Gesellten sich zu ihm als Long John Silver, Sam Hawkins, Robin Hood, „der Balletthase mit dem weibischen Beinkleid“, dem Drachentöter Siegfried und Winnetou „one, two und three“. Logisch, dass am Ende eine „win-win-win-Situation“ herauskommen musste.

Tatsächlich machte der Kabarettist aus dem Pott wieder Lust auf Literatur. Er zeigte einmal mehr, was mit Sprache alles machbar ist. Welche facettenreichen Bilder sich mit ihr zaubern lassen. Bilder, die in kuriose Welten entführen. Am Ende bleibt das gute Gefühl auf einer Bildungsreise mit dabei gewesen zu sein. „Bildung macht klug. Sie ist die beste Prophylaxe gegen Rassismus und Dummheit. Wer Intellekt und Herzensbildung hat, ist nicht in Gefahr, in den Strudel der braunen Jauche zu kommen“, ist sich der Bühnen-Barde hundertprozentig sicher.

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