Anne-Frank-Gesamtschule
Mit der Vergangenheit offen umgehen

Havixbeck -

„Amon – Mein Großvater hätte mich erschossen“ lautet der Titel des Buches von Jennifer Teege, das die Autorin jetzt vorstellte. Schülerinnen des Oberstufenkurses Geschichte der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) sind mit ihrem Geschichtslehrer Jürgen Götte nach Freckenhorst gefahren, um die Autorin bei der Vorstellung ihres Buches kennenzulernen.

Sonntag, 16.09.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 16.09.2018, 08:00 Uhr
Mit der Autorin Jennifer Teege (2.v.l.) tauschten sich die AFG-Oberstufenschülerinnen (v.l.) Hanna Kotzan, Ann-Kathrin Spreer und Jasmin Nawaz aus.
Mit der Autorin Jennifer Teege (2.v.l.) tauschten sich die AFG-Oberstufenschülerinnen (v.l.) Hanna Kotzan, Ann-Kathrin Spreer und Jasmin Nawaz aus. Foto: AFG

Alle waren beeindruckt von der Persönlichkeit und der besonderen Lebensgeschichte Jennifer Teeges, heißt es in einer Pressemitteilung der Anne-Frank-Gesamtschule.

Mit 38 Jahren erfuhr die Autorin zufällig, dass ihr Großvater der SS-Offizier Amon Göth war, der als Kommandant das Zwangsarbeiterlager Plaszow bei Krakau in Polen leitete. Amon Göth verkörpert die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten. Er fand nicht nur Spaß und Befriedigung im Töten und Quälen, sondern betrachtete beides als integralen Bestandteil seiner Arbeit und als seine Pflicht. In Steven Spielbergs Spielfilm „Schindlers Liste“ (1993) wird er in seiner Grausamkeit durch den Schauspieler Ralph Fiennes eindringlich verkörpert.

In ihrer Autorenlesung schilderte Jennifer Teege eindrucksvoll, wie sich ihr Leben nach der Entdeckung, dass Göth ihr Großvater war, veränderte und wie sie mit diesem Schock umging. Sie erkannte, dass jeder ein Individuum ist, das für sich allein Verantwortung trägt, unabhängig davon, aus welcher Familie er stammt.

Im Anschluss an die Lesung fand ein offenes Gespräch mit der Autorin statt, in der Jennifer Teege auch sehr persönliche Fragen der Schülerinnen beantwortete. Sie betonte, dass „wir nur dann die Vergangenheit irgendwann hinter uns lassen können, wenn wir offen mit ihr umgehen“.

Die Schülerinnen erinnerte sie an die Verantwortung jedes Einzelnen: „Auch heute können wir unsere Freiheit wieder verlieren. Und damit verlören wir alles. Es ist jetzt unser Leben – und es ist unsere Verantwortung.“

„Für unsere Schule, die den Namen Anne Frank trägt, war die Begegnung mit Zeitzeugen immer wichtig. Das wird immer schwieriger. Und deswegen ist es ein Glücksfall, dass unsere Schülerinnen mit Jennifer Teege eine Betroffene der zweiten Generation kennengelernt haben“, erläutert Schulleiter Dr. Torsten Habbel die Bedeutung des Besuchs der Autorenlesung.

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