Borkenkäfer
Fichten sterben in kürzester Zeit

Havixbeck -

Die lange Trockenheit, das warme Wetter – es gibt Tiere, für die das die perfekten Lebensbedingungen sind.

Freitag, 26.10.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 26.10.2018, 07:00 Uhr
Der Borkenkäfer hat sich auch in den Baumbergen in diesem Jahr explosionsartig vermehrt. Forstobermeister Matthias Schulte Everding (kl. Bild) erklärt die Ursache und die Folgen.
Der Borkenkäfer hat sich auch in den Baumbergen in diesem Jahr explosionsartig vermehrt. Forstobermeister Matthias Schulte Everding (kl. Bild) erklärt die Ursache und die Folgen. Foto: dpa/kvb

Die lange Trockenheit, das warme Wetter – es gibt Tiere, für die das die perfekten Lebensbedingungen sind. Der Borkenkäfer gehört dazu. „Der hat sich in den Baumbergen, wie auch in anderen Regionen, bei diesem Klima explosionsartig vermehrt“, sagt Forstobermeister Matthias Schulte Everding. Dieser Käfer sei sein täglicher Begleiter im Revier. Fast alle Fichten seien mittlerweile von dem Schädling befallen.

Das einzige was nun gemacht werden könne, sei, die betroffenen Fichten zu fällen und aus dem Wald zu holen. Mit chemischen Mitteln gegen das Krabbeltier vorzugehen, ist für Schulte Everding keine Alternative. „Das schadet dem Wald mehr als es nutzt, und in Naturschutzgebieten ist das ohnehin verboten.“

Forstobermeister Matthias Schulte Everding erklärt die Situation.

Forstobermeister Matthias Schulte Everding erklärt die Situation. Foto: Kristian van Bentem

Ein solches Borkenkäferjahr wie dieses hat der Forstobermeister noch nie erlebt. Innerhalb kürzester Zeit sterbe eine Fichte ab. „Wenn die Bohrlöcher des Käfers zu erkennen sind, sind die Nadeln innerhalb von vier Wochen braun und der Baum nicht mehr zu retten.“ Der Käfer fresse sich durch die Rinde und „knabbere“ auf die Versorgungsleitungen des Baumes an.

„Bei dem massiven Befall in diesen Jahr, hat die Fichte keine Chance mehr, sich dagegen zu wehren“, erklärt der Förster. Im Baum lege das Insekt seine Eier ab, auch die Larven ernähren sich von der Pflanze. „Wenn in einem Baum rund 1500 Käfer leben, schlüpfen aus den Eiern etwa 1,5 Millionen Nachkommen.“ Das halte keine Pflanze aus.

Ein weiteres Problem, das hinzukomme, sei die schwierige Vermarktung des Holzes. „Die Sägewerke sind voll“, sagt Schulte Everding. Die Sturmschäden aus dem Frühjahr und jetzt die zahlreichen Fichten überschwemmten den Markt regelrecht. Kurzum: Das Holz wolle niemand haben. Also bleiben die Bäume, mitsamt den fortpflanzungsfreudigen Käfern und deren Nachzucht liegen. Der wirtschaftliche Schaden sei sehr hoch und kaum zu beziffern.

Was sich der Förster jetzt für den Wald wünscht? „Auf keinen Fall einen frostigen eiskalten Winter.“ Bis minus 15 Grad Celsius halte das Tier locker aus. „Schmuddelig feucht, mit milden Temperaturen wären ideal“, erklärt der Experte. Dann bestehe die Möglichkeit, dass der Käfer – wie Schulte Everding es nennt – „verpilzt“ und an der Krankheit schließlich zugrunde gehe. Vom warmem Wetter profitierte in diesem Jahr nicht nur der Borkenkäfer, sondern mit dem Eichenprozessionsspinner ein weiterer Baum-Schädling. Schulte Everding ist überzeugt, dass auch dieses Tier im kommenden Jahr wieder massiv auftreten wird.

Das große Fichtensterben kann nun allerdings dafür sorgen, dass künftig wieder mehr Mischwälder entstehen. Die Fichte sei auf Dauer nicht der richtige Baum für das Klima in der hiesigen Region – auch nicht in Jahren, in denen es weniger extreme Witterungsbedingungen mit Stürmen und Hitze gebe, wagt Schulte Everding eine vorsichtige Prognose. „Die Fichte wird bei einer Aufforstung nicht mehr die erste Wahl sein.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6144930?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F162%2F
Nachrichten-Ticker