Anne-Frank-Gesamtschule
Schicksale gingen sehr nahe

Havixbeck -

Einen authentischen Zugang zur Geschichte wünschten sich die Schüler aller drei Geschichtskurse des Abiturjahrgangs 2019 der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) zu Beginn des Thementages „Zwangsarbeit“.

Donnerstag, 31.01.2019, 06:00 Uhr
Marlena Grab (l.) und AFG-Lehrerin Dr. Franziska Dittert blättern im Kriegsalbum eines Wehrmachtssoldaten an. Die meisten Fotos wirken wie Bilder eines Abenteuers und überspielen die Grausamkeit des Krieges.
Marlena Grab (l.) und AFG-Lehrerin Dr. Franziska Dittert blättern im Kriegsalbum eines Wehrmachtssoldaten an. Die meisten Fotos wirken wie Bilder eines Abenteuers und überspielen die Grausamkeit des Krieges. Foto: AFG

Einen authentischen Zugang zur Geschichte wünschten sich die Schüler aller drei Geschichtskurse des Abiturjahrgangs 2019 der Anne-Frank-Gesamtschule ( AFG ) zu Beginn des Thementages „Zwangsarbeit“. Im Geschichtsort „ Villa ten Hompel “ in Münster konnten sie anhand verschiedener Dokumente einzelne Schicksale nachspüren. Diese verdeutlichten die Erfahrungen von Frauen und Männern, die in den 1940er-Jahren nach Münster und ins Münsterland verschleppt wurden.

Begleitet wurden die zukünftigen Abiturienten von ihrem Lehrer Marten Möllers und ihrer Lehrerin Dr. Franziska Dittert, die den Projekttag organisierte. Anhand aufgezeichneter Interviews mit Zeitzeugen aus Belarus konnten die Schüler den Weg der Zwangsarbeiter von der Verschleppung über die Ankunft in Münster, den Repressionen, dem Hunger bis zur Rückkehr in die Heimat nachvollziehen.

Den Zwangsarbeitern wurde per Gesetz ihre Würde genommen: Sie durften weder Fahrrad fahren noch das Kino oder die Kirche besuchen. Sie durften das Haus nicht ohne Aufnäher mit der Aufschrift „OST“ verlassen. Sie durften nicht an einem Tisch mit Deutschen essen und – bei Todesstrafe – keine Liebesbeziehungen mit Deutschen aufnehmen.

Deutlich wurde, dass das Verhalten einzelner Deutscher den Zwangsarbeitern ein Zeichen von Menschlichkeit geben konnte. Die Schüler erarbeiteten zum Beispiel Quellen, die zeigten, dass den Zwangsarbeitern trotz Verbot Brotmarken zugesteckt wurden. Auch der lange und steinige Weg bis zum eventuellen Erhalt einer Entschädigungszahlung nach Ende des Kalten Krieges wurde erarbeitet.

Fälle wie das Schicksal eines Kindes einer Deutschen und eines Zwangsarbeiters gingen den Teilnehmern des Projekttages nahe: Nach der Geburt des Kindes wurde die Beziehung öffentlich. Der Vater wurde hingerichtet und die Mutter wurde ins KZ deportiert. Dort starb sie. Das Kind wuchs bei Pflegeeltern auf. Der in den 1990er-Jahren gestellte Antrag auf Entschädigung des nun erwachsenen Kindes wurde abgelehnt mit der Begründung, dass keine politische Verfolgung vorgelegen hätte.

Die Erwartungen der Schüler an den Projekttag wurden erfüllt, so Marlena Grab: „Wir haben viel über das Schicksal einzelner Menschen erfahren. Beeindruckend war der lokale Bezug. Etwas über Zwangsarbeit in den Orten zu erfahren, die wir kennen und in denen wir leben, ging uns nahe.“

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