Jürgen Becker im ausverkauften AFG-Forum
Spöttischer Eros-Referent

Havixbeck -

Mit Hilfe farbenprächtiger Bilder näherte sich Jürgen Becker im ausverkauften Forum der Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck dem Thema Fortpflanzung. „Volksbegehren“ hatte der Kabarettist den Abend überschrieben.

Sonntag, 17.02.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 19:52 Uhr
Tierischen und menschlichen Fortpflanzungsstrategien widmete sich der Kabarettist Jürgen Becker in seinem Programm „Volksbegehren“. Farbenprächtige Bilder halfen ihm bei seinem Vortrag im voll besetzten Forum der Anne-Frank-Gesamtschule.
Tierischen und menschlichen Fortpflanzungsstrategien widmete sich der Kabarettist Jürgen Becker in seinem Programm „Volksbegehren“. Farbenprächtige Bilder halfen ihm bei seinem Vortrag im voll besetzten Forum der Anne-Frank-Gesamtschule. Foto: Arndt Zinkant

Sex ist das Menschheitsthema Nummer eins. Vom Einzeller über Insekten bis zu röhrenden Hirschen und menschlichen Machos gibt es viele Fortpflanzungsstrategien. Da kann man lehrreich referieren, da lässt sich Pennäler-Humor trefflich mit Professoren-Talk verbinden – und Jürgen Becker ist mit seiner sympathischen Mischung aus kölschem Karnevals-Jeck und pfiffigem Sozialpädagogen der richtige Mann dafür. Das kam im voll besetzten Forum der Anne-Frank-Gesamtschule am Freitagabend glänzend an und war, sofern Becker in seinem Programm „Volksbegehren“ keine tagespolitischen Schlenker machte, auch amüsant.

Los ging es mit der Blattlaus, jenem Wunderkrabbler, welcher als Weibchen bis zu zehn Töchter am Tag gebiert – „ganz ohne den Lausbuben!“. Das nenne man Parthenogenese, also „Jungfrauengeburt“. Aber Jürgen Becker wusste auch von einer fruchtbaren Russin zu berichten, die es auf 69 Kinder brachte, weil die Natur ihr nur Zwillinge und Drillinge bescherte.

Was dem Kölner Kabarettisten half, waren die prächtigen Bilder auf der Leinwand: Von Bogart und Bergmann über Samson und Delilah bis zu Sokrates und seiner zänkischen Xanthippe zappte sich der spöttische Eros-Referent durch berühmte Paare. Xanthippe sei die Erfinderin von „Ich hab Kopfschmerzen!“, grinste Becker.

Die Religion kam als mächtige Antipodin des Sexus immer wieder aufs Tapet. Dass die jungfräuliche Empfängnis Christi einmal mehr für altbekannte Witze gut war, verstand sich hier von selbst. Dass der Gottessohn seinerseits Kinder gehabt haben soll, wusste Jürgen Becker aber ebenfalls zu berichten. „Kevin und Uschi von Nazareth.“ Zwischen Homo- und Pädophilie-Skandalen teilte der Spötter grinsend an den Klerus aus. Und sogar einen Kippa- und Rabbiner-Witz hatte er im Köcher.

Aber fehlt da nicht was? I wo – die Jünger Mohammeds sind tabu. Und so griff Becker auf jene Masche zurück, die fast jeder Kabarettist anwendet: Um nichts zu den frauen- und homofeindlichen Islam-Auswüchsen sagen zu müssen, projizierte Jürgen Becker dies alles auf die CSU. Auf die ach so üblen bayerischen „Frauen- und Schwulenfeinde“ lässt sich eben gefahrlos eindreschen. Aber: Ein CSU-Vorbehalt gegen die „Ehe für Alle“ ist das eine – in Bagdad Schwule vom Dach zu werfen, das andere. Erstaunlich, dass ein gebildetes Kabarett-Publikum sich von so etwas einlullen lässt.

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