Meeting mit der Droste
„Entsetzlich gelehrtes Frauenzimmer“

Havixbeck -

Einst schmückte ihr Konterfei den 20-Markschein. Auch wurde ihr Anfang der 1960er-Jahre eine Briefmarke gewidmet. Sehr viel wichtiger und nachhaltiger angelegt bleibt der literarische Nachlass der Annette von Droste-Hülshoff. Eben dieser und die spannende Lebensgeschichte der bedeutenden Schriftstellerin und Komponistin des 19. Jahrhunderts bot den Anlass zu einem Meeting.

Dienstag, 12.03.2019, 17:30 Uhr
Ulla Homfeld (r.) ermöglichte einen aufschlussreichen Vortag. Mit dabei Regina Meinke (l.) und Andrea Toloczyki (KulturGUT).
Ulla Homfeld (r.) ermöglichte einen aufschlussreichen Vortag. Mit dabei Regina Meinke (l.) und Andrea Toloczyki (KulturGUT). Foto: Ulla Wolanewitz

Großes Lob gab es am Sonntagnachmittag für die Engagierten von „KulturGUT“ Havixbeck, denn die hatten dieses Treffen in der Gemeindebibliothek initiiert und deren Leiterin, Regina Meinke, hatte eigens dafür eine große umfassende Präsentation an Droste-Werke vorbreitet.

Etwa 50 interessierte Gäste fanden sich dann auch ein, zwischen den Bücherregalen, bei einem unliebsamen Wetterchen mit brausenden Winden bei dem sicherlich noch nicht einmal die Droste vor die Tür gegangen wäre.

Die kreative Adelsdame hätte den Nachmittag vielleicht eher am offenen Herdfeuer verbracht, sich ihren kritischen Gedanken zum frauenfeindlichen Zeitgeschehen hingegeben und sie in ihrer wunderbaren, geistreichen und humorvollen Bildsprache zu Papier gebracht.

Ulla Homfeld nahm in ihrem aufschlussreichen Vortrag die Gäste mit in die Zeit in der die Droste (1797-1848) sich nicht leicht, aber dennoch beharrlich, ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfte. Nein, Frauen besaßen damals noch kein Wahlrecht, durften keine Zeugenaussagen machen, sich nicht scheiden lassen, geschweige denn eine eigene Meinung haben, noch ein Bankkonto führen.

„Das Weib verfügt nur über einen geringen Grad der menschlichen Entwicklung. Sie hat zu gefallen und nützlich zu sein, Übergriffe zu ertragen, sich nicht zu beklagen und mit den Männern nicht gleich zu brillieren“, zitierte die Droste-Kennerin eine historische Quelle.

Keine Frage, wer sich da so dem anderen Geschlecht gegenüber abgrenzen musste, fühlte sich sichtlich bedroht. Bedroht von gebildeten Frauen zu denen die Droste zweifelsohne zählte. Annette verstieß gegen alle Regeln des Anstands und „damit auch gegen das Bild, das Männer in dieser Zeit von Frauen hatten“, so Ulla Homfeld. Ihr Schwager Joseph von Laßberg vom Bodensee, der ihre Schwester Jenny geheiratet hatte, formulierte es so: „Sie ist ein entsetzlich gelehrtes Frauenzimmer.“

Nach der Kaffeepause mit „Droste-Locken“ gab es einen halbstündigen Filmbeitrag, den Ulla Homfeld zusammen mit Antje Bechthoff vor zehn Jahren der Droste gewidmet hatten. „An der Krummen Beeke am Rüschhaus habe ich seinerzeit eine Orchidee entdeckt“, blickte die Biologielehrerin zurück. Damals hatte sie sich mit einem Bestimmungsbuch auf die Spuren der Annette begeben.

Zweifelslos hat die rebellische Adelsdame sich mit ihrem literarischen Nachlass einen Platz in der Gegenwart gesichert. Selbst in ihrem Gedicht „Letzte Worte“ gibt sie ihren Lesern noch Positives mit auf den Weg. „Geliebte, wenn mein Geist geschieden, so weint mir keine Träne nach, denn, wo ich weile, dort ist Frieden, dort leuchtet mir ein ew’ger Tag!“

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