Kindermodengeschäft schließt nach 50 Jahren
Die Ära Holthaus geht zu Ende

Havixbeck -

Eine Ära geht im Havixbecker Ortskern zu Ende. Nach gut 50 Jahren schließt Gisela Holthaus ihr Kindermodengeschäft

Samstag, 16.03.2019, 07:00 Uhr
Gisela Holthaus verabschiedet sich nach 50 Jahren mit ihrem Kindermodengeschäft aus dem Ortskern. Zum Inventar gehörte immer ein Dackel.
Gisela Holthaus verabschiedet sich nach 50 Jahren mit ihrem Kindermodengeschäft aus dem Ortskern. Zum Inventar gehörte immer ein Dackel. Foto: Klaus de Carné

Eine Ära geht im Havixbecker Ortskern zu Ende. Nach gut 50 Jahren schließt Gisela Holthaus ihr Kindermodengeschäft. Damit verliert die Baumberge-Gemeinde wieder ein Fachgeschäft, das in dem geschichtsträchtigen Gebäude der Familie von 1933 untergebracht war. „Die Nachfolge ist gesichert, der Laden bleibt nicht leer“, erklärt die Geschäftsfrau, die lange in der Branche tätig war.

Schon die Großeltern hatten sich 1908 mit einem Friseur- und Hutladen selbstständig gemacht. Ihre Eltern führten in dem markanten Haus am Brunnen ein Uhren- und Textiliengeschäft. 1968 übernahm Gisela Holthaus das Geschäft ihrer Mutter und spezialisierte sich auf Kindermoden. Drei Generationen der Familie Holthaus haben die Geschichte im Ortskern mitgeprägt. Nun ist es vorbei.

Gisela Holthaus und ihre Dackelhündin Benja, die immer im Laden mit dabei war.

Gisela Holthaus und ihre Dackelhündin Benja, die immer im Laden mit dabei war. Foto: Klaus de Carné

Gisela Holthaus hat immer gesagt: „So lange ich noch fit bin, betreibe ich mein Geschäft.“ Ohne eine gute Gesundheit hätte sie es nicht so lange geschafft. Im Mai wird sie 73 Jahre. Fit ist sie immer noch. Den gesellschaftlichen Wandel hat sie in all den Jahrzehnten miterlebt.

In jedem Jahr besuchte sie die großen Messen und kaufte Ware für die nächste Saison. „Man investiert zunächst einen großen Geldbetrag, den man in den Textilien lange stecken hat“, erklärt die Geschäftsfrau. Viele Firmen seien schon nicht mehr am Markt. Andere würden die kleinen Einzelhändler nicht mehr besuchen. Das ganze System habe sich verändert. Das Kaufverhalten im Online käme dazu.

Das Wetter spiele eine große Rolle beim Verkauf von Textilien. Diese Tatsache könnten viele Menschen gar nicht so einschätzen. Textilien seien ein Saisongeschäft. Wenn sie noch an den heißen Sommer des letzten Jahres denkt, dann wird ihr jetzt noch ganz anders. „Vor lauter Hitze kam doch keiner in den Ortskern. Geschweige denn, um etwas zu kaufen“, gibt Gisela Holthaus ihre Wahrnehmung wieder. Deshalb sei sie auch froh, dass eine Markenfirma ihre Ware nicht mehr liefern konnte, weil sie derweil in den Konkurs gegangen sei. Die Wertigkeit von Textilien sei verloren gegangen. Wegwerfen und neu kaufen sei die Devise. Der Billigmarkt gebe es ja her.

Mit ihrer Zwillingsschwester Elisabeth hat Gisela Holthaus zehn Jahre gemeinsam im „Struwwelpeter“ gearbeitet. Dies sei eine schöne Zeit gewesen. Es habe regelrecht geboomt. Nach einer schweren Krankheit sei die Schwester dann 2003 gestorben. Ein tiefer Einschnitt, den sie aber auch überwunden hat.

In dem halben Jahrhundert habe sie eine interessierte und interessante Kundschaft erlebt. Stammkunden hätten das Geschäft immer wieder aufgesucht und am Leben erhalten. „Das waren Havixbecker, aber ebenso viele aus dem Umland.

Zum Inventar gehörte immer ein Dackel, so wie jetzt die Hündin Benja. Die meisten Kinder mochten die kleinen Vierbeiner und hatten so Ablenkung.

„Ich bin zufrieden mit dem Verlauf und lasse alles auf mich zukommen“, freut sich Gisela Holthaus auf weitere Kunden in den nächsten Monaten. Die Sommerware hängt auf dem Ständer.

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