Heinz Seesing feiert 90. Geburtstag
Gern gesehener Gesprächspartner

Havixbeck -

Einen großen Wissensschatz über seine Heimatgemeinde, den er gerne mit Jung und Alt teilt, hat Heinz Seesing. Am Dienstag (2. April) feiert der Havixbecker seinen 90. Geburtstag.

Dienstag, 02.04.2019, 06:00 Uhr
Heinz Seesing wird am heutigen Dienstag 90 Jahre alt. Er wurde auf Stapels Mühle geboren und ist dort immer geblieben. Er hat einen großen Wissensschatz über Havixbeck. Das Bild seiner Frau Tine sollte mit auf dieses Foto, sie starb 2016.
Heinz Seesing wird am heutigen Dienstag 90 Jahre alt. Er wurde auf Stapels Mühle geboren und ist dort immer geblieben. Er hat einen großen Wissensschatz über Havixbeck. Das Bild seiner Frau Tine sollte mit auf dieses Foto, sie starb 2016. Foto: Klaus de Carné

Heinz Seesing ist kein Unbekannter in Havixbeck. Er ist ein gern gesehener Gesprächspartner für die jüngere und ältere Generation. Sein Wissensschatz über seinen Heimatort ist enorm. Am heutigen Dienstag wird ein bisschen auf Stapels Mühle gefeiert, denn dort wurde Heinz Seesing vor 90 Jahren, am 2. April 1929, geboren. „Ich bin um 17.30 Uhr auf die Welt gekommen und draußen lag noch Schnee, haben meine Eltern mir berichtet“, erzählt Seesing gerne mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Er blieb auf Stapels Mühle sein Leben lang.

Er hätte nicht gedacht, dass er überhaupt 90 würde. Im Alter von 30 Jahren erkrankte der junge Seesing an einer Herzmuskelentzündung und musste sechs Wochen lang stramm liegen. Damals gab es noch das Havixbecker Krankenhaus, das heutige Marienstift Droste zu Hülshoff . „Ich bin froh, dass ich dort so gut gepflegt wurde und letztendlich diese Wochen erfolgreich für mein weiteres Leben waren“, weiß der Jubilar noch genau, wie es im früheren Havixbeck zuging.

Heinz Seesing wuchs auf Stapels Mühle mit zwei Brüdern auf. Sein Vater war Müller und arbeitete zunächst an der Bischofsmühle in Coesfeld. Der Beruf des Müllers sei ein anständiger Erwerb gewesen. Die Bauern brachten ihr Korn in die Mühlen und wussten, dass ihre eigene Ware gut verarbeitet wurde. Selbst Seesings Großmutter war mit Leib und Seele Müllerin. Als ihr Mann früh starb, machte sie nichts anderes mehr. Sein Vater übernahm 1928 Stapels Mühle, bis 1936 das Mühlensterben begann. Danach kümmerte er sich um die Landwirtschaft, die zum Haus Stapel gehörte. Rüben, Kartoffeln und Getreide gehörten zum ganz normalen Anbau.

Die Zeiten des Zweiten Weltkrieges prägten Heinz Seesing in jungen Jahren sehr. Nicht uninteressiert waren er und sein Brüder und fragten den Vater nach seinen Erlebnissen aus dem Ersten Weltkrieg. „Unsere Mutter verbot uns dann, danach zu fragen, weil unser Vater davon so schlecht schlief“, erinnert sich Seesing. Die Vorboten des Krieges ließen nicht lange auf sich warten. Heinz Seesing wurde zum Dienst bei der Hitler-Jugend verpflichtet. Eines Tages übte die junge Truppe gerade am Rande des Ortes das Robben auf dem Boden, da ließ ein englisches Flugzeug eine Bombe fallen, die niemanden verletzte, aber bei den Jugendlichen für tiefe Eindrücke sorgte.

Die dunkle Zeit der Naziherrschaft blieb in der Baumberge-Gemeinde nicht ohne Folgen. „Ich brachte jeden zweiten Morgen im Dunklen vor der Schule Milch und Brot zu einer jüdischen Frau, die alleine im Dorf wohnte. „Diese Frau kannte meine Großmutter sehr gut und sie kümmerte sich um die alleinlebende Jüdin. Es durfte keiner davon wissen, dass wir sie versorgten“, erzählt Heinz Seesing. In schrecklicher Erinnerung blieb ihm, dass eines Morgens die Lieferung der Vortage immer noch vor der Tür stand. „Da bekam ich Angst.“ Tage später hieß es dann, dass die Frau abgeholt worden sei und in ein Konzentrationslager gebracht wurde. „Ich habe die Frau bis heute nicht vergessen.“

1948 besuchte Seesing die Landwirtschaftsschule in Billerbeck und übernahm die Landwirtschaft von Haus Stapel. Gemeinsam mit seiner Frau Tine zog er drei Jungen groß. Sie starb im Jahr 2016, was für ihn ein großer Verlust war. Ein Sohn wohnt mit seiner Familie mit ihm auf der Mühle.

Bei der Dokumentation „Bauer Seesing und Herr Baron“ hat Heinz Seesing mitgemacht. Der Film von Angelika Schlüter und Julian Isfort erzählt die Geschichte zweier ungleicher Nachbarn.

Wenn es um Tipps zum Älterwerden geht, dann ist es für Heinz Seesing ganz klar: „Solide leben und dem Alkohol nicht so viel Beachtung schenken. Dann könnte es klappen.“►

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