Slam die Droste
Durch das Hinterland Westfalens

Havixbeck -

Auf einen Roten nach Recke, zur ersten Fahrstunde nach Ascheloh, mit dem Rad ins münsterische Freibad. Slam-Koryphäe und Lesebühnen-Organisator Andreas Weber hatte im Rahmen der intermedialen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ im Baumberger-Sandstein-Museum drei westfälische Spoken-Word-Poeten zu „Slam die Droste“ versammelt.

Dienstag, 14.05.2019, 06:00 Uhr
Die Slam-Poeten (v.l.) Marius Hanke, alias Zwergriese, Sira Busch, Volker Surmann und Andreas Weber gestalteten den Abend im Baumberger-Sandstein-Museum.
Die Slam-Poeten (v.l.) Marius Hanke, alias Zwergriese, Sira Busch, Volker Surmann und Andreas Weber gestalteten den Abend im Baumberger-Sandstein-Museum. Foto: Claudia Ehlert

Auf einen Roten nach Recke, zur ersten Fahrstunde nach Ascheloh, mit dem Rad ins münsterische Freibad. Slam-Koryphäe und Lesebühnen-Organisator Andreas Weber hatte im Rahmen der intermedialen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe „Mit Droste im Glashaus“ im Baumberger-Sandstein-Museum drei westfälische Spoken-Word-Poeten zu „Slam die Droste“ versammelt. Neben Werk, Leben und Rezeption Annette von Droste-Hülshoffs nahmen die Slammer das etwa 30-köpfige Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch Westfalens Hinterland.

Der Exil-Westfale und Kabarettist Volker Surmann führte in seiner „Wegwerfgeschichte“ pointiert in die Untiefen westfälischer Bauernschränke, wo er zwischen „Ommas“ gehorteter Bettwäsche, Mix-Tapes und ersten künstlerischen Gehversuchen in Erinnerungen einer ganzen ostwestfälischen Familiendynastie eintauchte.

Dass dort die wohl „westfälischste aller Dichterinnen“ nicht weit war, versteht sich von selbst. Dass die geplante 16-teilige Samstagabendserie „Das Erbe der Hülshoffs“ vor allem an dem westfälischsten aller Umlaute, dem Ü – Gütersloh, Hülshoff, zu Hülfe – gescheitert ist, bedauerten neben Surmann mit Sicherheit auch die Zuhörer, die Annette von Droste-Hülshoff und das Leben zwischen Burg und familiären Reisen ins Umland an diesem Abend vermutlich aus einem völlig neuen Blickwinkel sahen.

Marius Hanke, alias Zwergriese, inspirierten das Baumberger-Sandstein-Museum und die Ausstellung „Mit Droste im Glashaus II“ noch zu seinem Text, den er just vor dem Slam fertigstellte. Der gebürtige Detmolder ließ sich ganz auf das „Kreuzreim-Abenteuer“ und die Lyrik Annette von Droste-Hülshoffs ein, mit der er die ein oder andere „durchwachte Nacht“ verbracht habe und dabei feststellte, dass Ungerechtigkeit und der Versuch, Probleme mit Gewalt zu lösen, nach wie vor hochaktuell sind.

Von durchwachten Nächten ganz anderer Art erzählte Sira Busch, die das Publikum schon jetzt mit schlaftrunkenen Mückenjagden auf den Sommer einstimmte, berichtet Claudia Ehlert vom Projekte „Droste im Glashaus“ in einer Mitteilung weiter. Von Naturbetrachtungen solcher Art spannte die gebürtige Horn-Bad Meinbergerin den Bogen zu Drostes Gedichten über alles, was man so im Wald finde, weit mehr also als nur den „Knabe im Moor“.

Poetry-Slammer hätten es mitunter schwer im etablierten Literaturbetrieb, resümierte Andreas Weber. Man begegne mitunter Skepsis und Gegenwind. Nicht anders sei es Annette von Droste-Hülshoff als schreibender Frau gegangen. Einen entscheidenden Vorteil habe es neben der Freude am Fabulieren aber doch, regelmäßig auf einer Spoken-Word-Bühne zu stehen: Auch als gestandener Wortkünstler mit diversen Publikationen werde man immer noch als junger Autor vorgestellt.

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