Inklusives Wahlrecht
Endlich selbst mitentscheiden

Havixbeck -

Für Thomas Masella ist die Europawahl am 26. Mai eine besondere, denn er kann zum ersten Mal mitentscheiden. Durch die Einführung des inklusiven Wahlrechts kann der 52-Jährige, der eine geistige Behinderung hat, seine Stimme abgeben.

Mittwoch, 15.05.2019, 06:00 Uhr
Als Erstwähler nimmt Thomas Masella an der Europawahl teil. Mit der Einführung des inklusiven Wahlrechts kann der 52-Jährige, der geistig behindert ist, nun bei den Wahlen zum Europaparlament und zum Bundestag seine Stimme abgeben.
Als Erstwähler nimmt Thomas Masella an der Europawahl teil. Mit der Einführung des inklusiven Wahlrechts kann der 52-Jährige, der geistig behindert ist, nun bei den Wahlen zum Europaparlament und zum Bundestag seine Stimme abgeben. Foto: Johanna Hülskamp

„Ich habe gesehen, dass die anderen wählen durften und musste dabei zugucken“, erzählt Thomas Masella . Der 52-Jährige ist geistig behindert. Genauso wie ihm ging es bisher 80 000 anderen Deutschen mit Behinderung. Doch dieses Jahr ist alles anders: Mit der Einführung des inklusiven Wahlrechts können künftig auch geistig behinderte und psychisch kranke Menschen, die vollständig betreut werden, an Wahlen zum Bundestag und Europaparlament teilnehmen.

Die Themen, mit denen sich der gebürtige Saerbecker beschäftigt, unterscheiden sich kaum von denen anderer Bürger: „Mir ist es wichtig, dass die Menschen Arbeit haben und dafür einen gerechten Lohn bekommen.“ Erstmals wird seine Meinung bei der Europawahl eingeschlossen.

„Meine Betreuerin hat mich darüber informiert, dass ich wählen darf und das finde ich gut“, sagt Thomas Masella, der seine Briefwahl bereits beantragt hat. „Die Teilnahme an der Europawahl gibt Thomas ein gutes Gefühl und das unterstütze ich gerne“, sagt Bianca Mulders, Mitarbeiterin des ambulant unterstützten Wohnens im Stift Tilbeck . Masella wohnt mit seiner Frau zusammen in einer Wohnung im ambulant unterstützten Wohnen in Münster-Roxel.

Nicht nur durch seine Betreuerin, sondern auch durch Wahlplakate auf der Straße und Nachrichten im Fernsehen informiert er sich. Einige Informationsmaterialien sind auch in leichter Sprache erhältlich. Masella weiß daher Bescheid, erläutert die Stift Tilbeck GmbH in einer Pressemitteilung.

„Die Bürger und Bürgerinnen in Europa können nicht alle miteinander beraten und entscheiden. Darum wählen die Bürger und Bürgerinnen Abgeordnete. Die Abgeordneten vertreten die Bürger und Bürgerinnen im Europäischen Parlament. Die Abgeordneten zusammen sind das Europäische Parlament“, so heißt es in der Broschüre „EINFACHPolitik: Europa wählt“ der Bundeszentrale für politische Bildung.

Im Stift Tilbeck finden regelmäßig Informationsveranstaltungen in leichter Sprache statt, die über politische Themen informieren. Das „Wahlbüro Tilbeck“ mischt in der Politik mit und beschäftigt sich mit aktuellen Themen. Die Gruppe besteht aus Bewohnern und Beschäftigten des Stiftes. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass zur Europawahl auf dem Stiftsgelände wieder ein Wahllokal eingerichtet wird. „So haben alle Menschen aus dem Stift Tilbeck die Möglichkeit, ihr Wahlrecht mit kurzen Wegen auf dem Gelände auszuüben“, so Rheinhard Nieweler, Koordinator des Tilbecker Wahlbüros.

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