Denkmal des Monats
„Bedeutendes Beispiel westfälischer Gartenkunst“

Havixbeck -

Die Parkanlage von Haus Stapel ist ein gartenbauhistorisches Kleinod. Das findet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Und hat sie deshalb ausgezeichnet.

Dienstag, 28.05.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 10:36 Uhr
Der Park von Haus Stapel hat es den Denkmalschützern beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe angetan. Sie wählten ihn als bedeutendes Beispiel westfälischer Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts zum Denkmal des Monats.
Der Park von Haus Stapel hat es den Denkmalschützern beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe angetan. Sie wählten ihn als bedeutendes Beispiel westfälischer Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts zum Denkmal des Monats. Foto: LWL

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die Parkanlage von Haus Stapel als Denkmal des Monats ausgezeichnet. „Der Park ist nicht nur ein bedeutendes Beispiel westfälischer Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts, er ist auch ein positives Beispiel für das Engagement der Eigentümerfamilie für den Erhalt und die denkmalgerechte Weiterentwicklung ihrer Parkanlage“, sagt LWL-Denkmalpfleger Uwe Siekmann .

Haus Stapel ist eine der Wasserburgen in Westfalen-Lippe, über deren Gartenanlagen bislang wenig bekannt ist, schreibt der LWL in einer Pressemitteilung. Als Grundlage für einen denkmalgerechten Umgang mit dem Freiraum war es deshalb erforderlich, in einem Gutachten die Entwicklung der Parkanlage nachzuzeichnen und auf der Grundlage einer Bestandserfassung Pflegemaßnahmen für ihren Erhalt zu formulieren. Das haben die Eigentümer jetzt mit Unterstützung der LWL-Denkmalpflege gemacht.

Die 1607/08 errichtete Vorburg mit dem Torturm von 1719 und das Haupthaus befinden sich auf einer Insel inmitten einer Gräfte, die von der Münsterschen Aa gespeist wird. Haus Stapel war seit seiner Gründung im 13. Jahrhundert Sitz der Familie von Kerckering. 1801 gelangte der Herrensitz an einen Onkel der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff . Maria Theresia und Ernst Konstantin Freiherr von Droste zu Hülshoff ließen das Haupthaus von 1819 bis 1827 westlich der Vorburggebäude neu errichten. „Seit 1956 ist die Familie Raitz von Frentz Eigentümerin von Haus Stapel und sehr darum bemüht, dessen bauliches und gartenkulturelles Erbe zu bewahren“, so Siekmann.

Südlich der Gräfte befindet sich der wohl schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegte, symmetrisch gestaltete Nutz- und Ziergarten mit Wegen, Wassergräben, Wasserbecken und einer 1730 am Ende der Mittelachse aufgestellten Flora-Statue. Seinen botanischen Neigungen folgend ließ Ernst Konstantin Freiherr von Droste zu Hülshoff wohl im Jahr 1816 am südwestlichen Rand der Gräfte ein Treibhaus errichten, das ihm für die Anzucht von Pflanzen und die Überwinterung nicht frostharter Gewächse diente.

Clemens Friedrich von Droste zu Hülshoff (1837-1919) ließ die Parkanlage ab 1882 ergänzen und umgestalten. Im Wäldchen östlich und südlich des Nutzgartens ließ er einen Rundweg anlegen sowie zwei Linden-Rondelle und Rosskastanien pflanzen. „Seine Vorliebe für Koniferen zeigt sich am südlichen Ufer des Hausteiches: Zwei große, kugelig geschnittene Buchsbäume an der Brücke zwischen Hausinsel und Garten und ein prachtvoll gewachsener Lebensbaum an der Gräfte bilden Blickfänge im Park. Auch die Ursprungsbepflanzung der Douglasienallee südlich des Wäldchens dürfte auf ihn zurückgehen.“

Ein besonderes Augenmerk legte Droste zu Hülshoff auf den westlich der Gräfte angelegten Blumengarten gegenüber dem Herrenhaus. Blühende Sträucher wie Rhododendron und Lorbeerrose sowie markante Solitärbäume wie Blutbuche, Stieleiche, Linde, Esskastanie und Platane fanden hier ihren Platz. Heute wachsen in den lichten Bereichen des Blumengartens im Frühling dichte Kolonien von Schneeglöckchen und Winterling. Eine Bogenbrücke führt über einen Graben zum Rhododendron-Eiben-Rondell im westlich angrenzenden Wald. Das hier im 19. Jahrhundert angelegte Wegenetz ist in Form von Trampelpfaden sowie im Geländerelief noch zu erkennen. An der Douglasienallee am Südrand des Wäldchens befindet sich ein mit Schlackesteinen eingefasster Sitzplatz. Von hier geht der Blick auf das 1893 angelegte Familienbegräbnis, das über eine Rotbuchenallee mit dem Park verbunden ist.

„Sturmschäden und nutzungsbedingte Umgestaltungen haben im Laufe mehrerer Jahrzehnte zur Beeinträchtigung der historischen Substanz der Parkanlage geführt. Die Wege in den Waldbereichen sind bestenfalls als Trampelpfade erhalten oder bereits zugewachsen“, so Siekmann. „Die Hauptwege des Nutz- und Ziergartens werden als Rasenwege gepflegt und die Rasenflächen auf der Schlossinsel, im Umfeld der Gräfte und im Blumengarten regelmäßig gemäht, sodass der großartige Raumeindruck der Parkanlage mit ihren bewusst inszenierten Blickbezügen von den Spazierwegen und Sitzplätzen auf das Herrenhaus und in die Umgebung erkennbar bleibt.“

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Am 26. Juni (Mittwoch) um 15 Uhr bieten die LWL-Denkmalpflege und Eigentümerin Dr. Mechthild Raitz von Frentz eine Führung durch die Parkanlage an. Landschaftsarchitektin Elke Lorenz, die das Gutachten verfasst hat, stellt dabei ihre Forschungsergebnisse vor und erläutert das Maßnahmenkonzept zur Pflege und Weiterentwicklung der Parkanlage. Interessierte sind nach Anmeldung über die Internetseite der LWL-Denkmalpflege (www.lwl.org/dlbw/) willkommen.

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