Das Gesicht der Tourist-Information
Karin Kortenjann ist die erste Anlaufstelle m kleinen Klecks

Havixbeck -

Seit fast 25 Jahren ist Karin Kortenjann das Gesicht der Tourist-Information in Havixbeck. Kein Wunder, dass sie nicht nur die schönsten Ecken des Ortes kennt, sondern auch einiges über ihre Begegnungen mit Touristen und anderen Ratsuchenden erzählen kann.

Freitag, 23.08.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 15:38 Uhr
Karin Kortenjann vor dem Büro der Tourist-Information im Untergeschoss des Rathauses. Die Gäste, die sie hier begrüßt, haben nicht nur touristische Fragen.
Karin Kortenjann vor dem Büro der Tourist-Information im Untergeschoss des Rathauses. Die Gäste, die sie hier begrüßt, haben nicht nur touristische Fragen. Foto: Kristian van Bentem

Es ist ein Ferienvormittag in Havixbeck. In der Tourist-Information im Untergeschoss des Rathauses sitzt Karin Kortenjann in ihrem Büro. Touristen sind gerade nicht da. Doch über die Begegnungen mit ihnen und anderen Ratsuchenden kann die Mitarbeiterin von Marketing Havixbeck, die am 1. Dezember in den Ruhestand geht, jede Menge erzählen. „Ich bin seit fast 25 Jahren hier, ich könnte ein Buch schreiben“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Viele kommen aus dem Ruhrgebiet und dem Sauerland

Bis zu zehn Kunden täglich, manchmal mehr – vor allem 50+ und Familien, viele aus dem Ruhrgebiet oder dem Sauerland – kommen ins Büro. Zudem gibt es viele telefonische Anfragen. „Ich dokumentiere alles ganz altmodisch händisch in einer Strichliste“, verrät Kortenjann. Viele Interessierte bedienen sich zudem am Prospektständer vor dem Eingang. „Die meisten brauchen nur einen Stadtplan oder Flyer. Wer mehr will, kommt rein“, berichtet sie.

Ich habe mir alles durch Seminare, Workshops und viel Lesen selbst erarbeitet.

Karin Kortenjann

Weg wie warme Semmeln gehen dort vor allem Fahrrad- und Wanderkarten für die Baumberge. Gefragt werde auch oft nach Reitwegen oder einfach nur der nächsten Busverbindung. „Manche haben allerdings sehr spezielle Anliegen und suchen bestimmte Bildstöcke oder Personen“, erzählt Kortenjann. Und natürlich wollen viele etwas über die Burg Hülshoff und ihre berühmte Bewohnerin erfahren. „Ein bisschen was weiß ich schon darüber“, lacht Kortenjann, die sich selbst als „ungelernte Touristik-Fachkraft“ bezeichnet – mit der Betonung auf Fachkraft. „Ich habe mir alles durch Seminare, Workshops und viel Lesen selbst erarbeitet“, erzählt sie.

Havixbeck hat einiges zu bieten

Gebürtig aus Krefeld, kam Karin Kortenjann über Münster nach Havixbeck, wo sie seit 35 Jahren lebt. Ihre inzwischen langjährige Heimat bezeichnet sie als „lebenswert, vielfältig und kulturell gut aufgestellt“. Der Ort habe mit drei Wasserschlössern, dem in Deutschland einzigartigen Sandsteinmuseum, zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten, „wunderschöner Natur“, dem Ludgerusweg als erstem zertifizierten Wanderweg im Münsterland und vielem mehr auch touristisch einiges zu bieten.

Apropos Ludgerusweg: „Letztens stand morgens ganz früh ein Pilger vor der Tür, der aus Norddeutschland über den Baumberger Pilgerweg und den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela wandern wollte. Er hatte in Havixbeck übernachtet und wollte wissen, wo hier die Stempelstelle ist“, berichtet Kortenjann.

Kaum noch Zimmervermittlungen

Auskünfte sind ihr tägliche Geschäft. „Zimmer vermitteln wir dagegen nur noch ganz selten“, verrät sie. „Meistens nur, wenn es mal wieder in Havixbeck brennt, wie zum Beispiel bei den Gartenträumen auf Burg Hülshoff. Und auch bei Brückentagen ist schnell alles belegt“, sagt Kortenjann. Wenn dann noch Radtouristen im Büro stünden, die spontan eine Unterkunft suchten, seien sie ganz verwundert. „Die denken: Der Ort ist so klein, da müsste es doch immer ein freies Zimmer geben“, so Kortenjann.

Weitester Gast aus Australien

„Und tatsächlich ist Havixbeck ja auch nur ein kleiner Klecks auf der Landkarte“, sagt sie. „Es gibt natürlich Orte auf der Welt, die spannender sind.“ Trotzdem hat sie auch schon ausländische Gäste aus mehr oder weniger weit entfernten Ländern begrüßt: einen Australier, der Verwandtschaft besuchte und dem sie ein Zimmer vermittelte; einen Lehrer aus Italien, der jedes Jahr nach Havixbeck kommt und im Vorfeld Info-Material anfordert.

Und dann war da auch noch „Mr. Doyle aus Schottland – ein ganz spezieller, gemütlicher Mensch mit markantem Akzent, der mich jedes Jahr angerufen und dann auch hier im Büro besucht hat“, erinnert sich Kortenjann. „Dem sagte das Klima in Schottland nicht so zu, und in Havixbeck gefiel es ihm so gut, dass er im Alter sogar hierhergezogen ist.“

„Weiß ich nicht, gibbet nicht“ gibt es hier nicht.

Karin Kortenjann

Vor allem die Begegnungen mit vielen ganz verschiedenen Menschen sind der Grund, warum Karin Kortenjann ihren Beruf so liebt. Und den übt sie seit fast 25 Jahren mit ganz viel Herzblut aus. Ihre Devise: „Wir sind im Ort die erste Anlaufstelle für Gäste und wollen, dass sie gleich einen positiven Eindruck bekommen. ,Weiß ich nicht, gibbet nicht‘ gibt es hier deshalb nicht“, versichert sie.

Offenes Ohr auch für Beschwerden

Auch für Kritik und Beschwerden – das Hotelzimmer, das nicht den Erwartungen entspricht; das Essen im Restaurant, das nicht geschmeckt hat; der Rad- oder Wanderweg, der nicht gut ausgeschildert ist – hat sie stets ein offenes Ohr. „Und ich habe es noch immer hingekriegt, dass am Ende alle zufrieden waren.“ Selbst die geruchsempfindliche Familie, die für das Ferien-auf-dem-Bauernhof-Erlebnis ausgerechnet einen Schweinemastbetrieb gebucht hatte und nach nur einem Tag verzweifelt bei ihr auf der Matte stand. „Ich habe einfach zum Hörer gegriffen und ihr eine andere Unterkunft zentral im Ort vermittelt.“

Es gibt kaum eine Frage, die ich noch nicht gehört habe.

Karin Kortenjann

Nicht selten avanciert die Tourist-Information aber auch inoffiziell zur allgemeinen Info-Stelle, die im Rathaus fehlt. „Das ist nicht unsere Aufgabe, aber wir sind eben als Erste präsent, wenn die Leute unten reinkommen und wissen wollen, wann die Müllabfuhr kommt oder wo die Toilette ist“, erzählt Kortenjann. „Es gibt kaum eine Frage, die ich noch nicht gehört habe“, sagt sie und betont: „Wir sind immer freundlich und hilfsbereit und lassen niemanden dumm sterben.“

Auch Promis kommen nach Havixbeck

Nur auf eine Frage will Karin Kortenjann an diesem Ferienvormittag keine Antwort geben, nachdem sie erzählt hat, dass auch der eine oder andere Promi aus Politik und Schauspielerei sein Urlaubsstammquartier in Havixbeck hat. Die Namen sind ihr jedenfalls nicht zu entlocken: „Nein, nein, nein!“, betont sie. „Die sind ganz bewusst inkognito hier.“ Aber wer weiß: Vielleicht verrät sie dieses Geheimnis ja irgendwann in ihren Buch . . .

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