Vortrag von Dr. Stephan Kaula über Windenergieanlagen
Bürgerinitiative „Gegenwind“ sieht Sorgen um Gesundheit bestätigt

Havixbeck -

Erhebliche Gesundheitsgefährdungen durch Windenergieanlagen sieht der Mediziner Dr. Stephan Kaula. Bei einem Vortrag in Havixbeck unterstrich er seine Warnungen durch Videos mit den Schilderungen von Betroffenen. Dabei hätte er es dann belassen sollen.

Freitag, 23.08.2019, 15:38 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 17:12 Uhr
Dr. Stephan Kaula bei seinem Vortrag.
Dr. Stephan Kaula bei seinem Vortrag. Foto: Kristian van Bentem

Keine Frage: Die Pläne zum Bau von drei großen Windkraftanlagen in Herkentrup bewegen zahlreiche Havixbecker und Hohenholter. Jedenfalls war der Saal im Landgasthaus Overwaul, in dem Dr. Stephan Kaula , Mediziner und Vorstandsmitglied der Deutschen Schutz-Gemeinschaft Schall für Mensch und Tier (DSGS), am Donnerstagabend seinen Vortrag zum Thema „Nebenwirkungen und Sinnhaftigkeit der Windenergie“ hielt, bis auf den letzten Platz besetzt. „Ich freue mich, dass so viele Interessierte gekommen sind“, sagte Gabriele Schleiner von der Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind Havixbeck-Hohenholte“.

Windräder erzeugen Infraschall

„Windenergieanlagen machen krank“, sagte Dr. Kaula, der nach eigenen Angaben inzwischen 120 Fälle von Betroffenen dokumentiert und die Interviews mit 51 Personen in Videos festgehalten hat. Dabei gehe es vor allem um den von Windrädern erzeugten Infraschall. Lange sei fälschlicherweise bestritten worden, dass dieser überhaupt wahrnehmbar, geschweige denn schädlich sei. Auch zeigten Untersuchungen, dass dieser keineswegs schon nach wenigen Metern verschwunden, sondern teilweise sogar in Entfernungen von mehr als 160 Kilometern noch wahrzunehmen sei.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal. Foto: Kristian van Bentem

Nimm die Beine in die Hand und renne um dein Leben – so wie bei Tieren vor einem Erdbeben.

Dr. Stephan Kaula über das bei Menschen durch Infraschall erzeugte Gefühl

Mit schwerwiegenden Folgen, so Kaula. Das erzeugte Gefühl bei Betroffenen beschrieb der Hausarzt so: „Nimm die Beine in die Hand und renne um dein Leben – so wie bei Tieren vor einem Erdbeben.“ Neben den psychischen Auswirkungen gebe es nach medizinwissenschaftlichen Erkenntnissen auch schädliche Folgen auf das Nervensystem, Organe, Gewebe und Zellen.

Betroffene berichten

In einigen der Videos, die er am Donnerstag zeigte, berichteten Anwohner in der Umgebung von Windkraftanlagen in Nord- und Ostfriesland von schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach der Inbetriebnahme: körperliche Unruhe, massive Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Charakterveränderungen, Konzentrationsschwäche, Leistungseinbrüche bei Schülern. Als extrem unangenehm empfunden werde auch der permanente Schattenwurf durch die Rotoren.

Ein Medikament würde bei ähnlich hohem Risikoprofil von der Arzneimittelaufsichtsbehörde vom Markt genommen.

Dr. Stephan Kaula

Dass Windkraftanlagen krank machen, sieht Kaula „aufgrund der Reproduzierbarkeit der dokumentierten Fälle“ als erwiesen an – anders als das Bundesumweltamt, das nur Störwirkungen, aber keine gesundheitliche Gefahr erkenne. Nach konservativen Schätzungen seien in Deutschland bereits mindestens 190 000 Menschen durch Windkraft erkrankt. Sein Fazit: „Ein Medikament würde bei ähnlich hohem Risikoprofil von der Arzneimittelaufsichtsbehörde vom Markt genommen.“

Die optischen Auswirkungen der geplanten Anlagen wurden mit 3D-Animationen visualisiert.

Die optischen Auswirkungen der geplanten Anlagen wurden mit 3D-Animationen visualisiert. Foto: Kristian van Bentem

Optische Wahrnehmung visualisiert

Anhand von 3D-Animationen mit Google Earth visualisierte Kaula dann die optische Wahrnehmung der geplanten 200 Meter hohen Anlagen aus verschiedenen Perspektiven und warnte vor dem Einbrechen von Immobilienpreisen. Zudem stellte er im zweiten Teil seines Vortrags die Sinnhaftigkeit der Windenergie grundsätzlich infrage und äußerte sich kritisch zur beschlossenen Energiewende.

Gabriele Schleiner (Mitte)

Gabriele Schleiner (Mitte) Foto: Kristian van Bentem

Wir sollten nicht in Panik geraten, aber sehr genau darüber nachdenken, was wir gehört haben, und Einwendungen beim Kreis Coesfeld vorbringen.

Gabriele Schleiner

„Wir sollten nicht in Panik geraten, aber sehr genau darüber nachdenken, was wir gehört haben, und Einwendungen beim Kreis Coesfeld vorbringen“, sagte Gabriele Schleiner abschließend. Die Bürgerinitiative sei froh, dass sie die Volksparteien in dieser Hinsicht auf ihrer Seite wisse und man es bisher geschafft habe, das Projekt zu verhindern.

Zu einer gemeinsamen Diskussion kam es nicht mehr.

Kommentar: Weniger wäre mehr gewesen

Weniger ist manchmal mehr. Diese Devise hätte auch dem Vorrag von Dr. Stephan Kaula gutgetan. Seine Ausführungen und die Videos mit drastischen Schilderungen Betroffener zu gesundheitlichen Schäden machten bei den Anwesenden Eindruck genug, um Sorgen und Ängste bestätigt zu sehen und berechtigterweise Fragen zu stellen: Werden die Hinweise auf Gefahren ernsthaft genug geprüft? Welche Abstände müssten seriöserweise eingehalten werden, damit niemand – und seien es nur wenige – Schaden nimmt? Bevor das nicht geklärt ist, verbietet sich eine Genehmigung auch für Havixbeck. Seinen Einschätzungen zu gesundheitlichen Folgen und Erkrankungsphänomenen konnte Kaula durch die Fachkompetenz als Mediziner Gewicht verleihen. Dagegen begab er sich mit Teil zwei seines Vortrags zur Sinnhaftigkeit der Windenergie sowie Energiewende und Klimawandel an sich auf das Terrain eines Laien-Wissenschaftlers, der sich auf – vorsichtig formuliert – umstrittene oder von der überwältigenden Expertenmehrheit nicht geteilte Studien und Meinungen beruft. Besser geschenkt hätte Kaula sich zudem, einleitend anzuführen, dass er einst „Grün-Wähler“ gewesen sei, und mehrfach zu betonen, dass man mit vom Mainstream abweichenden Meinungen schnell „in die rechte Ecke oder in AfD-Nähe“ gerückt werde. Weniger wäre hier mehr gewesen. Diese Zeit hätte man besser für eine gemeinsame Diskussion genutzt. Schade.

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