Droste-Konzertlesung im Festsaal von Haus Stapel
Wie vom Staub der Zeit befreit

Havixbeck -

Sich der menschlichen Seite der Annette von Droste-Hülshoff zu nähern, war die Intention der Droste-Konzertlesung am Sonntag im Festsaal des Wasserschlosses Haus Stapel. Das gelang eindrucksvoll. Nicht nur ihre Gedichte erschienen in einem lebendigen Gewand und wie vom Staub der Zeit befreit.

Montag, 26.08.2019, 13:30 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 17:28 Uhr
Die Sopranistin Heike Hallaschka und der Pianist Clemens Rave hatten ein facettenreiches Programm zusammengestellt.
Die Sopranistin Heike Hallaschka und der Pianist Clemens Rave hatten ein facettenreiches Programm zusammengestellt. Foto: Axel Engels

Annette von Droste-Hülshoff war mehr als nur die bekannte Dichterin, deren Novelle „Die Judenbuche“ als gleichsam Milieustudie ihre naturalistische Detailschärfe zeigt. Ihre künstlerische Vielseitigkeit wurde schon früh gefördert. Joseph Haydn gehörte zum Freundeskreis der Familie, in der häusliche Konzerte üblich waren. Annette von Droste-Hülshoff war eine versierte Pianistin und Sängerin, stand in engem Kontakt zu Clara und Robert Schumann. Neben dem Zyklus von geistlichen Liedern für das Kirchenjahr und vier Bühnenwerken sind es besonders ihre von tiefen Gefühlen durchdrungenen Lieder, die einen tiefen Einblick in ihr Denken und Fühlen erlauben.

Das „Bild“ dieser begabten Frau ins rechte Licht zu rücken, war auch Gerd Radeke ein großes Anliegen. Er arbeitete kunstvoll das von Schwester Jenny als Miniatur gemalte Portrait auf, das bei der Konzertlesung auch optisch einen einzigartigen Anblick bot. Aus 15 bis 1838 entstandenen Liedern, den fünf Minneliedern und der Bearbeitung des Lochamer Liederbuches hatten die Sopranistin Heike Hallaschka und der Pianist Clemens Rave ein facettenreiches Programm zusammengestellt, bei dem der Bogen gespannt wurde von naturalistischen Themen bis zu den großen in Musik gefassten Gefühlen.

Marion Bertling

Marion Bertling Foto: Axel Engels

Die Rezitatorin Marion Bertling hatte dazu die stimmungsmäßig passenden literarischen Werke sowie Briefe ausgesucht, so dass sich Musik und Wort bestens ergänzten. In der restlos ausverkauften Konzertlesung war dadurch eine vielschichtige Annäherung an Annette von Droste-Hülshoff möglich, die in dieser Art wohl noch nirgends zu erleben war.

Die musikalischen Werke waren durchaus niveauvoll und verdienen diese konzertante Wiederentdeckung. Mit Akribie und Feinsinn wusste Clemens Rave den Klavierpart zu spielen, auf dem sich die ausdrucksstarke Stimme von Heike Hallaschka glanzvoll entfalten konnte. Annette Droste von Hülshoff hat aber nicht nur eigene Texte wie bei „An die alte Meersburg“ und „Der weiße Aar“ vertont. „Liebe schwärmt auf allen Wegen“ nach Johann Wolfgang von Goethe und „Wenn ich träume, du liebst mich“ nach Lord Byron erklangen in einer unglaublichen Intensität und Tiefe.

Hier zeigte sich das kompositorische Talent dieser vielseitig begabten Frau. Als Dichterin hat sie auch Komponisten wie Peter Cornelius inspiriert. Von seinen „Klänge aus dem Orient“ erklangen drei Lieder, deren kunstvolle Interpretation das Publikum begeisterte. Die versierte Rezitatorin Marion Bertling hatte vier Briefe der Dichterin an Anton Sprickmann, Anna von Haxthausen, Levin Schücking sowie Pauline von Droste ausgewählt. Mit diesen Personen war die Dichterin eng verbunden, und so erlebte man sie gleichsam von einer privaten Seite.

Die von Anton Sprickmann inspirierten Gedichte „Am Turme“ und „Das Spiegelbild“ durften nicht fehlen. Mit warm timbrierter Stimme gab Marion Bertling ihnen ein lebendiges Gewand, und sie erschienen wie vom Staub der Zeit befreit.

Solch eine Konzertlesung fand auf Haus Stapel ein aufgeschlossenen Publikum, das die Leistungen aller Beteiligten zu würdigen wusste. Vielleicht kann man diese Art der Auseinandersetzung mit Annette von Droste-Hülshoff ja an anderen Orten wiederholen, die mit ihrem Leben und Schaffen verbunden sind.

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