Pestel-Studie bringt mehr Klarheit
Zu wenige Wohnungen gebaut

Havixbeck -

Der Wohnungsmarkt in der Gemeinde Havixbeck ist angespannt. Die bei sinkendem Leerstand gestiegene Wohnungsknappheit zeigt, dass in der Gemeinde in den vergangenen Jahren zu wenige Wohnungen gebaut wurden.

Dienstag, 03.09.2019, 19:00 Uhr
Es sind in all den Jahrzehnten zahlreiche Wohngebiete in Havixbeck entstanden. Dies reicht aber für die Zukunft nicht aus, weil die Baumberge-Gemeinde sonst zu einer Seniorenresidenz wird.
Es sind in all den Jahrzehnten zahlreiche Wohngebiete in Havixbeck entstanden. Dies reicht aber für die Zukunft nicht aus, weil die Baumberge-Gemeinde sonst zu einer Seniorenresidenz wird. Foto: Klaus de Carné

Im Jahr 2011 bestand in der Gemeinde Havixbeck ein Defizit von 88 Wohnungen. Bis zum Jahr 2017 hat sich das Defizit um 32 Wohnungen auf 120 erhöht. Im Durchschnitt wurden seit 2011 in Havixbeck 17 Wohnungen zu wenig gebaut. Zu diesem Ergebnis kommt das auf Wohnungsmarktforschung spezialisierte Pestel-Institut, das die Ergebnisse der Studie „Gut Wohnen im Münsterland“ im Mai vorgestellt hat. Eine solche Regional-Untersuchung gab es in NRW bisher nicht.

Das Kommunalprofil zeigt einige Feinheiten auf, die bislang vielleicht nur in Ansätzen bekannt waren. Trotz der wachsenden Bedeutung des Geschosswohnungsbaus in einer alternden Gesellschaft hat auch der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern angesichts der Wertschätzung dieser Gebäudeart seitens der Bevölkerung seinen Platz bei den künftigen Neubauaktivitäten in der Gemeinde Havixbeck.

Darüber hinaus hat die Analyse gezeigt, dass bereits heute ein ungedeckter Bedarf an kleinen, barrierearmen Wohnungen und an Mietwohnungen im unteren Preissegment vorhanden ist. Die Verfügbarkeit von Wohnungen für Haushalte, die sich nicht selbst am Markt versorgen können, wird somit ein wichtiges Thema in der Gemeinde Havixbeck bleiben. Sowohl die Versorgung dieser Haushalte mit Wohnraum wie auch die Schaffung von Angeboten im sogenannten Bereich des bezahlbaren Wohnens gehört zu den großen Herausforderungen der Kommunalpolitik in Havixbeck, heißt es in der Studie.

Für den Kreis Coesfeld insgesamt sei von einer weiteren Einwohnerzunahme auszugehen. Angesichts der hohen wirtschaftlichen Dynamik in der Gemeinde Havixbeck kann das Wohnungsangebot (Quantität und Preis) zunehmend zum limitierenden Faktor der Zuzüge werden, hat das Institut herausgearbeitet. Mangels bezahlbaren Wohnraums könnten Zuzüge ausbleiben und so auch die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen, da aus der einheimischen Bevölkerung heraus die Zahl der Erwerbsfähigen sinkt. Deren zahlenmäßiger Rückgang wird mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre in den Ruhestand lokal und bundesweit noch beschleunigt.

Im Mittel sollten in Havixbeck rund 16 Ein- und Zweifamilienhäuser pro Jahr im Neubau vermarktbar sein, wobei bis zum Jahr 2019 die Nachfrage mit 22 Wohnungen pro Jahr über diesem Durchschnittswert liegt.

Der Bedarf an sozial gefördertem Wohnraum wird einerseits über die Haushalte mit erhöhter Armutsgefährdung, in der sich auch die Mindestsicherungsempfänger wiederfinden, abgebildet, andererseits über die Sozialwohnungen, die sich in der Darlehensverwaltung befinden und in naher Zukunft auslaufen.

Soll die Hälfte der armutsgefährdeten Haushalte mit Sozialwohnungen versorgt werden, dann müssen in Havixbeck 131 Sozialwohnungen gebaut werden. Dies sind 11,2 Prozent des Bedarfs bis 2035. Im Kreis Coesfeld insgesamt liegt dieser Wert bei 7 Prozent oder 1559 Wohnungen.

Die Macher der Pestel-Studie kommen zu dem Ergebnis: „Die Gemeinde Havixbeck hat die wesentlichen Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Gemeinde in einer insgesamt hochattraktiven Region selbst in der Hand. Es hängt von kommunalpolitischen Entscheidungen ab, welchen Entwicklungspfad die Gemeinde beschreiten wird. Insbesondere die Baulandausweisung und die Attraktivität der kommunalen Infrastruktur sind von hoher Bedeutung für die weitere Entwicklung.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6898753?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F162%2F
Nazi-Ehrengrab auf Lauheide entfernt
Gras ist über jene Stelle gewachsen, auf der sich das Ehrenkreuz für Fritz Schmidt befand.
Nachrichten-Ticker