KulturGUT: „Theater in der Kreide“
Brecht-Stück bleibt Mahnung

Havixbeck -

Bertold Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ hat nichts an seiner Bedeutung verloren. Das zeigte das „Theater in der Kreide“. Mit einer überzeugenden Darbietung boten die Schauspieler reichlich Stoff zum Nachdenken.

Sonntag, 29.09.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 30.09.2019, 17:56 Uhr
Das „Theater in der Kreide“ zeigte Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ (v.l.): Petra Schulte, Sevim Ates, Norbert Kauschitz und Kolja Eicker.
Das „Theater in der Kreide“ zeigte Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ (v.l.): Petra Schulte, Sevim Ates, Norbert Kauschitz und Kolja Eicker. Foto: Kerstin Adass

Voller Erwartung blickte das Publikum am Samstagabend auf die dunkle Bühne im Foyer der Baumberge-Grundschule. Doch statt einer Regung auf der Bühne erklangen von hinten plötzlich die Anfangstöne von „ Bella Ciao “. Sekunden später marschierte das Duo „Contraviento“ mit Trommel und Gitarre durch den Saal. Das Publikum zögerte nicht und stimmte bereitwillig in den Refrain mit ein.

Nach dem musikalischen Auftakt durch Isabel Lipthay und Martin Firgau schwenkte der Scheinwerfer auf die Bühne und erleuchtete dort die Anfangsszene aus Bertolt Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“. Um an das Ende des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) vor 80 Jahren zu erinnern, führte das „Theater in der Kreide“ aus Münster das thematisch auch heute noch relevante Stück nun auch in Havixbeck auf.

„Beim Vorverkauf wurden nur vier Karten verkauft“, erzählte Andrea Toloczyki vom Verein KulturGUT Havixbeck. Ein Blick auf die gut gefüllte Aula der Grundschule zeigte aber, dass die Sorgen der Veranstalter nicht bestätigt wurden. Das Publikum lauschte aufmerksam und spendete sowohl für das Musikerduo als auch für das Theaterensemble oft Beifall. „Für die Schauspieler und Sänger ist das hier eine Herzensangelegenheit“, versicherte Toloczyki.

Schon in der ersten Szene erhielt der Zuschauer einen Einblick in den Familienalltag im Bürgerkrieg. Petra Schulte und Kolja Eicker stellten als Teresa und José Carrar auf überzeugende Weise die spannungsgeladene Mutter-Sohn-Dynamik dar. Während José sich oft am Fenster des spärlich eingerichteten Raumes befand, um Ausschau nach seinem zum Fischfang ausgefahrenen Bruder zu halten, stand seine Mutter meist im Zen­trum der Bühne. Ihre Arbeit am Küchentisch, der durch Fischernetze an der Wand dahinter eingerahmt wurde, erinnerte zeitweise fast an einen Gottesdienst.

Durch das Kommen und Gehen verschiedener Figuren wechselten zwar die Gesprächskonstellationen, doch das Thema blieb meist dasselbe. Egal ob Teresa Carrars Bruder, ihr jüngerer Sohn oder der Padre des Dorfes, jeder hatte seine eigene Meinung zum Krieg zwischen den spanischen Republikanern und den Nationalisten.

Petra Schulte trat als Frau Carrar nach dem Tod ihres Mannes im Krieg einerseits streng und bestimmt als neues Oberhaupt des Hauses auf, zerriss aber auch aufopfernd eines ihrer wenigen Kleidungsstücke, um die Schusswunde eines Nachbarn zu verbinden. Die vielen Facetten der Protagonistin wurden besonders zum Ende hin noch einmal deutlich: Auf die Nachricht, ihr ältester Sohn sei von Soldaten erschossen worden, griff sie selbst zu den Gewehren ihres Mannes, die mit ihrer Gewaltsymbolik das ganze Stück hindurch präsent waren. Aus der zunächst neu­tralen Teresa Carrar wurde eine tragische Kämpferin, deren Geschichte noch heute von den Grausamkeiten des Krieges zeugt und eine Mahnung bleibt.

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