Vortrag zu 111 Jahren Eisenbahn-Geschichte
Raub auf der Baumbergebahn

Havixbeck -

Eisenbahnenthusiasten schreiben seit drei Jahren an einem Buch über die Geschichte der Baumbergebahn. Einige Geschichten und Anekdoten zur 111 Jahre alten Eisenbahnstrecke vom Niederrhein nach Münster gab Heribert Lülf beim Vortragsabend des Heimatvereins preis.

Samstag, 19.10.2019, 06:00 Uhr
Interessantes und Amüsantes aus 111 Jahren Baumbergebahn berichtete Heribert Lülf (2.v.l.) im Haus Sudhues. Vom Vorstand des Heimatvereins begrüßten (v.l.) Birgit Schulze Havixbeck, Friedhelm Brockhausen und Brigitta Grosche den Eisenbahnfachmann.
Interessantes und Amüsantes aus 111 Jahren Baumbergebahn berichtete Heribert Lülf (2.v.l.) im Haus Sudhues. Vom Vorstand des Heimatvereins begrüßten (v.l.) Birgit Schulze Havixbeck, Friedhelm Brockhausen und Brigitta Grosche den Eisenbahnfachmann. Foto: Kerstin Adass

„Er ist von Anfang an Eisenbahnfreak gewesen.“ So stellte Friedhelm Brockhausen, Vorsitzender des Heimatvereins Havixbeck, den Gastreferenten Heribert Lülf vor. Der gebürtige Havixbecker ließ am Mittwochabend im Haus Sud­hues alle Interessierten an seiner Leidenschaft teilhaben, indem er, unterstützt von Karten und Bildern auf einer Leinwand, die Geschichte der Baumberge-Regionalbahn erzählte.

Unter der Leitfrage „Welche Bedeutung hatte die Bahn für das Münsterland?“ hat Heribert Lülf innerhalb der vergangenen drei Jahre zusammen mit zwei weiteren Eisenbahnenthusiasten Stück für Stück die Ursprünge der Strecke, die nach der Fertigstellung 1908 von Empel am Niederrhein bis nach Münster verlief, rekonstruiert.

Passend zum 111-jährigen Bestehen der Bahnstrecke in diesem Jahr sollte eigentlich das Buch mit dem Titel „Abgeschnitten vom Weltverkehr“ erscheinen, doch die große Menge an zu verarbeitenden Informationen machte den Autoren einen Strich durch die Rechnung. „Wir hatten gehofft, dass wir heute schon Bücher signieren können. Aber das ist dann der Plan für nächstes Jahr“, erzählte Heribert Lülf. Zum Erscheinen des Buches möchte er dann auch die Geschichte der Baumbergebahn, die er bisher nur zur Hälfte vorgestellt hat, in einem zweiten Vortrag vervollständigen.

„Wir können uns heute überhaupt nicht mehr vorstellen, wie immobil man in so einem ‚Kaff‘ wie Havixbeck früher war. Man musste einfach bleiben, wo man war“, berichtete Lülf von der unzureichenden Infrastruktur um die Jahrhundertwende. Ein Zuhörer kommentierte das Foto einer ungepflasterten Havixbecker Straße aus dem frühen 20. Jahrhundert humorig mit dem Wort „Barfußgang“.

Während Heribert Lülf mit unzähligen Anekdoten sein Wissen über Geschichte, Gemeinden und Geografie des Münsterlandes im Bezug auf die Eisenbahn vermittelte, lauschten die Zuhörer ihm voller Neugier.

Lülf selbst sei schon seit den Anfängen des Heimatvereins dessen Mitglied, erzählte Friedhelm Brockhausen. „Sieht man mir aber gar nicht an, oder?“, erwiderte der „Eisenbahner“, wie er sich selbst bezeichnete, schmunzelnd.

Zur Baumbergebahn, die noch bis in die 1950er-Jahre mit höchstens 30 Stundenkilometern durch das Münsterland fuhr, erzählte Heribert Lülf am Ende seines Vortrags noch eine abenteuerliche Begebenheit:

Im Rahmen eines organisierten Eisenbahnraubs entwendete ein 32-jähriger Ladearbeiter im Zeitraum von zwei bis drei Jahren Waren aus Güterzügen. Zusammen mit einigen Helfern transportierte er wertvolle Stoffballen und sogar eine Waschmaschine zum Verkauf weiter – natürlich mit der Bahn. Als der Raub im Jahr 1950 aufgedeckt wurde, hatte sich bereits Diebesgut im Wert von 160 000 Mark angehäuft.

Diese und viele weitere Anekdoten hat Heribert Lülf während der Recherche zu seinem Buch gesammelt. Die Suche nach alten Dokumenten und Geschichten führte ihn und seine Mitautoren nicht nur in Stadt- und Gemeindearchive, sondern vor allem auch zu Privatpersonen, weshalb er viele neue Bekanntschaften schließen konnte. „Allein deshalb hat sich das Projekt schon gelohnt“, lächelte Lülf.

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