Film von Angelika Schlüter gezeigt
Das Glück aus dem Augenblick schöpfen

Havixbeck -

Zeitzeugnisse sind Gold wert. Haben sie doch die Kraft, ihre Betrachter zu verzaubern wie funkelnde Diamanten. Der Hommage von Angelika Schlüter an „Señora Pawlowsky“ wohnt zweifelsohne diese Strahlkraft inne.

Montag, 28.10.2019, 18:00 Uhr
Ihren Dokumentarfilm über Señora Pawlowsky zeigte Künstlerin Angelika Schlüter im Sandstein-Museum.
Ihren Dokumentarfilm über Señora Pawlowsky zeigte Künstlerin Angelika Schlüter im Sandstein-Museum. Foto: Ulla Wolanewitz

Zeitzeugnisse sind Gold wert. Haben sie doch die Kraft, ihre Betrachter zu verzaubern wie funkelnde Diamanten. Der Hommage von Angelika Schlüter an „Señora Pawlowsky“ wohnt zweifelsohne diese Strahlkraft inne. Umso wichtiger ist es, diese Biografien festzuhalten, wenn es sich dabei um betagte Protagonistinnen handelt, die mit ihren Lebensgeschichten einerseits ein Buch füllen könnten, anderseits aber auch wissen, dass der längste Teil ihres Lebens bereits hinter ihnen liegt.

„Es ist an der Zeit. Ich habe mein Leben gelebt. Aber ich bin auch nicht versessen darauf, langsam zu sterben“, sagt die damals 90-jährige Helga Pawlowsky in dem Film, der im Baumberger-Sandstein-Museum vorgestellt wurde. Die Aufnahmen liegen mittlerweile drei Jahre zurück. Am 3. Oktober verstarb die faszinierenden „Grande Dame“ im Alter von fast 93 Jahren.

Zurück zum Anfang: „Wir haben uns auf dem 50. Geburtstag ihrer Nichte, meiner Freundin, in Spanien kennengelernt“, erklärte die Regisseurin. „Wir fühlten uns sofort magnetisch angezogen und haben den ganzen Abend miteinander geredet.“ Der Grundstein für eine neue Freundschaft war gelegt.

Señora Pawlowsky, die in einer 160-Seelen-Gemeinde in den Pyrenäen lebte, lud die Künstlerin zu sich ein: „Es gibt Wein und Käse. Wenn du etwas anderes möchtest, musst du kochen.“ Und die Havixbeckerin nahm dieses Angebot an. Bei diesem Besuch entwickelte sie die Idee zum Film.

Wahrhaftig, sie ist ebenso bezaubernd wie herzerfrischend die Grande Dame und es ist eine große Freude, ihrer Vita zu lauschen. Ja, sie kam aus betuchtem Hause, wuchs sie doch in einer Kieler Bankiersfamilie in Barcelona auf, wo sie 1943 immerhin ihr Abitur ablegte. Auch, wenn sie es mit ihrem strengen, dominanten Vater nicht immer leicht hatte, war sie doch mit einer großen Portion Selbstbewusstsein und Eigensinn für das Leben ausgestattet.

Ihre große Liebe, den Russen George Pawlowsky, heiratete sie erst als sie bereits fünf Kinder mit ihm hatte. Was allerdings auch damit zusammenhing, dass er einen abgelaufenen lettischen Pass hatte, der in den Wirren der 1940er-Jahre nur unter großen Schwierigkeiten hätte verlängert werden können. Ihren offenen Weltgeist beschreibt die Protagonistin so: „Ich fühle mich frei von einer Nationalität. Ich bin ein Mensch und damit hat sich´s. Meine eigene Welt ist die Familie, mit Menschen, die mich verstehen!“ Glücklich schätzte sie sich, weil „ich immer gute Menschen um mich herum hatte, aus aller Welt.“

Mit 36 Jahren wurde sie allerdings bereits Witwe, aber „ich hatte zwei Geliebte und mit einem eine weitere Tochter bekommen“, gesteht sie freimütig, denn ihre Empfehlung lautet: „Das muss man lernen: Aus dem Augenblick, Glück zu schöpfen!“

Nachdem sie viele Jahre als Übersetzerin Patentschriften und Gutachten bearbeitete, zog sie mit 60 Jahren nach Adahuesca und widmete sie sich in ihrer Arbeit der Literatur. Mit insgesamt 25 Büchern bereichert sie den Literaturbetrieb und übersetzte viele namhafte Autoren wie Martin Suter und George Grosz.

Lob auch an die Regisseurin für die gute Auswahl der entsprechenden Filmmusik. Dafür hatte sie den Akkordeonisten Piotr Rangno und Lasse Kiesow ins Produktionsteam geholt. Fazit: Absolut sehenswert!

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