Volkstrauertag
Mahnung für die Lebenden

Havixbeck -

„Weil die Toten schweigen, beginnt alles wieder von vorn“, zitierte Bürgermeister Klaus Gromöller den französischen Philosophen Gabriel Marcel bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag. Mit diesem Satz begründete er die Feierlichkeiten, die der Erinnerung, aber auch der Mahnung dienten.

Montag, 18.11.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 18.11.2019, 17:24 Uhr
Der Opfer von Krieg und Gewalt wurde am Volkstrauertag gedacht. Am Ehren- und Mahnmal wurden Kränze niedergelegt. Die Ansprache hielt der Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (kl. Bild).
Der Opfer von Krieg und Gewalt wurde am Volkstrauertag gedacht. Am Ehren- und Mahnmal wurden Kränze niedergelegt. Die Ansprache hielt der Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (kl. Bild). Foto: Kerstin Adass

Organisiert wurde die Veranstaltung, die nach den Gottesdiensten im Forum der Anne-Frank-Gesamtschule ( AFG ) stattfand, vom Heimatverein Havixbeck. Auch ein Ensemble des Jugendorchesters war vertreten und begleitete die Feier musikalisch.

„Ich freue mich, dass wir dieses Format gefunden haben, bei dem viele verschiedene Gruppen aus Havixbeck beteiligt sind und so das Gedenken am Leben erhalten“, begrüßte Gromöller die Teilnehmer. Friedhelm Brockhausen, Vorsitzender des Heimatvereins, nannte einige Daten zur Geschichte des Volkstrauertages, der sich zusammen mit der deutschen Gesellschaft über viele Jahrzehnte gewandelt hat.

Dies war auch eines der Themen, über die Gastredner Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer in seiner Rede sprach. Der ehemalige Professor der Universität Münster berichtete von der Heroisierung des Kriegstodes besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch Denkmäler und zeremonielle Gedenkfeiern wie den „Heldentag“, der unter dem nationalsozialistischen Regime stattfand, entwickelte sich in Deutschland ein politischer Totenkult.

Öffentliches Gedenken sei, erzählte Thamer, vor dem Ersten Weltkrieg nur Kaisern, Königen und anderen mächtigen Personen vorbehalten gewesen. Durch die zunehmend öffentliche Trauer um gefallene Soldaten habe sich auch die Frage „Wie ist der Soldatentod zu rechtfertigen?“ gestellt.

Heute beobachtet Thamer eine größere Distanz zum ausschließlich heroischen Gedenken. Der Grund dafür liege in im „fortgeschrittenen Bewusstsein in der Gesellschaft“. „Inzwischen ist die Erinnerung an die beiden Weltkriege verblasst. Trotzdem bleibt das Gedenken der Mittelpunkt des Volkstrauertages, denn die Toten dürfen nicht vergessen werden“, betonte der Havixbecker.

Nach der Gedenkfeier begaben sich die Teilnehmer zum Ehrenmal an der Schulstraße. Dort erfolgte die andächtige Kranzniederlegung. Als die gemeinsam gesungene Nationalhymne erklang, wurde noch einmal verdeutlicht, was Prof. Dr. Thamer schon in seiner Rede gesagt hatte: „Die Gefallenen sind für etwas gestorben. Ihr Tod ist eine Mahnung für die Lebenden.“

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