DLRG Havixbeck
„Man bekommt ganz viel zurück“

Havixbeck -

Ein Verein kann nur funktionieren, wenn sich die Mitglieder auch engagieren. Das tun oft nur wenige – wir haben mit zwei jungen Menschen gesprochen. Nicola Daldrup und Daniel Possenriede sind echte Ehrenamtler

Dienstag, 31.12.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 13:12 Uhr
Nicola Daldrup und Daniel Possenriede, die jüngsten Vorstandsmitglieder der DLRG Ortsgruppe Havixbeck, engagieren sich mit viel Freude für das Ehrenamt und sehen dabei gern mal über manch anstrengende Momente hinweg.
Nicola Daldrup und Daniel Possenriede, die jüngsten Vorstandsmitglieder der DLRG Ortsgruppe Havixbeck, engagieren sich mit viel Freude für das Ehrenamt und sehen dabei gern mal über manch anstrengende Momente hinweg. Foto: Ina Geske

Ein Verein lebt von seinen Mitgliedern, aber vor allem vom Engagement einiger weniger für ein funktionierendes und attraktives Vereinsleben. Dieses Engagement ist oft ehrenamtlich – wie zum Beispiel bei der DLRG-Ortsgruppe Havixbeck, in der traditionell Einsatzkräfte sowie Vorstandsmitglieder aus der Jugendgruppe heraus gebildet werden.

Nicola Daldrup (22) und Daniel Possenriede (20) sind „lebende“ Beweise, wie aus einem einfachen Interesse am Schwimmsport ein Leben für das Ehrenamt mit hohem persönlichem Einsatz werden kann. „Ich bin über eine Freundin, mit der ich auch an der Schwimm-AG der Anne-Frank-Gesamtschule, die von der DLRG betreut wurde, teilgenommen habe, an den Verein herangeführt worden“, erinnert sich Nicola Daldrup, die 2010 relativ früh als Quereinsteigerin Mitglied in der Ortsgruppe wurde. Zuvor war sie regelmäßig zum Schwimmen zum in den Baumbergen gelegenen Gut Holtmann gefahren. Nachdem Nicola Daldrup den üblichen Werdegang durch die Trainingsgruppen drei bis fünf absolviert hatte, fühlte sie sich 2013 bereit, selbst eine Trainingsgruppe sowie Schwimmkurse zu leiten.

Bereits ein Jahr darauf ließ sie sich in den Jugendvorstand wählen, um aktiv im Ressort „Kindergruppenarbeit“ (KiGA) Veranstaltungen wie das beliebte Pfingstlager, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern mitzugestalten. „Guck dir das doch mal an“, war der knackige Satz, der Nicola in das Amt lockte und sie bis heute, wenn auch inzwischen im Ressort „Wirtschaft und Finanzen“, dort hält.

Die gebürtige Billerbeckerin musste auch einen Interessenkonflikt durchstehen, der viele Jugendliche trifft. Irgendwann stand die Entscheidung an, ein Hobby für das andere an den Nagel zu hängen, um Freizeitstress zu vermeiden. Mit ihrer Entscheidung hatte die junge Frau allerdings noch mehr Zeit für die DLRG-Ortsgruppe und trat 2014 der „Aktiven Gruppe“ bei.

„Egal, ob jung oder alt, dick oder dünn – alle stehen bei den Aktiven zusammen. Ich würde gern ein Teil dieser Gemeinschaft sein“, schrieb sie bereits in ihre Bewerbung zur Aufnahme in die Gruppe. Ihre Meinung bestätigte sich in der Arbeit im Wasserrettungsdienst im Havixbecker Freibad sowie am Schönberger Strand in der bereits fünften Saison, aber auch bei den verschiedenen anderen Veranstaltungen. „Man kommt in einer solchen Gruppe mit komplett unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen in Kontakt, die man vielleicht außerhalb des Vereins nicht kennenlernen würde. Das Miteinander von Jung und Alt ist toll“, zeigt sich Nicola Daldrup immer noch begeistert, auch wenn sie inzwischen einige Kehrseiten des Ehrenamtes kennenlernen durfte. Seit diesem Jahr ist sie als Leiterin Ausbildung zusätzlich noch Mitglied im Ortsgruppenvorstand und absolviert neben ihrem Studium der „Angewandten Pflanzenbiologie“ mindestens 450 Stunden im Jahr für die Jugend- sowie restliche Ortsgruppe. Seit dem Erhalt des „Lehrscheins“, für den sie viele Stunden während ihrer Ausbildung zur Gärtnerin in Fachrichtung Baumschule aufwendete, leitet sie trotz viel Fahrerei zwischen ihrem Studienort Osnabrück und Havixbeck die höchsten Trainingsgruppen mit ihrem Trainerteam. „Es motiviert weiterzumachen und dran zu bleiben, wenn man beim Training Gelerntes in der Realität anwenden kann. Da kann man sogar noch spät nachts unterwegs sein und im Notfall sofort die notwendigen Schritte zur Ersten Hilfe abrufen“, macht Nicola Daldrup klar, warum sie gerne so viel Zeit für ihr Hobby opfert. „Man kann hier coole Sachen lernen und das möchte ich gerne weitergeben.“

Daniel Possenriede, der seit 2018 Jugendvorsitzender in der DLRG-Ortsgruppe ist, kann sich noch genau daran erinnern, wie er 2007 im Rettungssportverein angekommen war. „Ein Nachbar und Freund hat mich irgendwann einfach mal mitgenommen. Daraufhin bin ich relativ schnell von einer Trainingsgruppe zur nächsten gekommen“, weiß der junge Mann, der nebenbei noch leidenschaftlich Handball spielt, zu berichten. Viele Jahre lang hat er an Veranstaltungen als Trainingskind teilgenommen. Doch das war dem Havixbecker nicht genug. „Freunde von mir waren bereits im Jugendvorstand und dann wollte ich da auch rein. Ich wollte Aktionen selber mitgestalten“, erinnert Possenriede sich. „Ich habe mich schon als Kind hingesetzt und aufgeschrieben was ich im Pfingstlager toll fand und was nicht.“ So ließ er sich 2014 in den Jugendvorstand wählen, leitete Trainings- sowie Schwimmkurse und arbeitete eng mit Nicola Daldrup im Ressort KiGA zusammen. Seit 2015 ist der junge Rettungsschwimmer auch Mitglied der „Aktiven Gruppe“ und somit im Wasserrettungs- sowie Sanitätsdienst tätig.

Bei der Bewerbung in diese qualifizierte Gruppe stellte er heraus, er wolle sich im Rettungsschwimmen weiterbilden und gerne weiterhin aktiv in der DLRG arbeiten. Dies lässt sich inzwischen erfolgreich bestätigen. Seinen Einsatz weitete er 2017 auf den Wasserrettungsdienst an der Ostseeküste aus. Über 400 Stunden im Jahr sind inzwischen mindestens für die ehrenamtliche Arbeit im Verein verplant, denn neben der aktiven Arbeit im Stammverband fordert die Jugendgruppe einiges an freier Zeit ein. „Damals wollte keiner den Posten übernehmen. Und ich dachte, ich hätte viel Zeit“, erinnert sich Daniel Possenriede mit einem Lachen daran, wie er an den Jugendvorsitz gekommen war. Dennoch bereut er die Entscheidung nicht. Zusätzlich hat Possenriede seit diesem Jahr einen Beisitzerposten im Bezirksjugendausschuss der DLRG Bezirk Kreis Coesfeld inne. Derzeit sei er in freudiger Erwartung auf einen Medizinstudienplatz und nutzt die Zeit nach dem Abitur zur Ausbildung zum Rettungssanitäter.

„Wir machen unsere Aufgaben gern. Da zählen die vielen Arbeitsstunden für das Ehrenamt nicht“, sind sich Nicola Daldrup und Daniel Possenriede, die sich über den Verein kennen gelernt haben, einig. Leider fehle es immer mehr an engagiertem Nachwuchs, der auch bereit sei, sich aktiver einzusetzen. „Das liegt wahrscheinlich an der Resonanz der Leute. Viele freuen sich, wenn sich das Ehrenamt engagiert, aber sie honorieren den Aufwand, der hinter der Arbeit steckt, nicht“, kennen die beiden jungen Menschen, die sich auch als Schnittstelle zwischen der Jugendgruppe und dem Stammverband sehen, den Grund warum immer mehr Menschen kein Ehrenamt mehr ausüben wollen. „Es ist manchmal sehr zeitaufwendig. Aber je mehr Leute dabei sind, desto weniger Arbeit ist es für alle“, hoffen die beiden jungen Vorstandsmitglieder in Zukunft mehr engagierten Nachwuchs begrüßen zu dürfen.

Im Verein und im Ehrenamt lerne man viele Menschen kennen, mit denen oft Freundschaften geschlossen würden. Und in vielen Fällen gingen die Freundschaften auch über die Grenzen des Vereins hinaus und man würde gemeinsam viel Freizeit in anderen Bereichen verbringen. „Die DLRG-Ortsgruppe ist ein toller Verein für alle – nicht nur für Havixbecker. Und für jeden gibt es einen Platz und eine Aufgabe. Auch Quereinsteiger sind willkommen“, sind beide überzeugt.

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