Studium in Kolumbien
Erlebnisse in einer offenen Kultur

Havixbeck -

Ein Jahr hat Jakob Hepke aus Havixbeck jetzt an der Universität in Medellin in Kolumbien studiert. In einem Bericht fasst er einige Eindrücke zusammen.

Freitag, 03.01.2020, 10:17 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 10:20 Uhr
Während seines Studiums nutzte Jakob Hepke auch die Gelegenheit, einige landschaftlichen Glanzpunkte in der Region zu erkunden.
Während seines Studiums nutzte Jakob Hepke auch die Gelegenheit, einige landschaftlichen Glanzpunkte in der Region zu erkunden. Foto: privat

Nachdem ich 2015 in Münster mein Abitur gemacht habe und dann in Augsburg Erziehungswissenschaft studierte, habe ich nun zwei Auslandssemester in Kolumbien absolviert. Ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache und tropisches Klima haben mich inspiriert, diese Reise anzutreten.

Beim Bewerbungsverfahren habe ich den letzten freien Platz an der Universität EAFIT in Medellín bekommen und werde außerdem mit einem Stipendium unterstützt. So landete ich vor gut einem Jahr in Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien.

Rückblickend war ich zum Beginn meiner Reise ziemlich blauäugig unterwegs. In Deutschland und auch bei anderen Reisen habe ich mich an jedem Ort und zu jeder Tageszeit sicher gefühlt. Mit diesem Gefühl lebte ich dann zuerst auch in Medellín, der Stadt in Kolumbien, in der ich studiere. Doch es kam immer wieder vor, dass mich Leute gewarnt haben, besser nicht durch ein bestimmtes Viertel zu gehen. Wirklich ernst genommen habe ich diese Ratschläge nie.

Jakob Hepke aus Havixbeck (2. von links) hat sich in Kolumbien für den Tierschutz engagiert.

Jakob Hepke aus Havixbeck (2. von links) hat sich in Kolumbien für den Tierschutz engagiert. Foto: privat

Das ging so lange weiter bis ich das Museo de la Memoria besuchte. Dort begriff ich, dass es nicht immer nur leere Warnungen gewesen waren. Medellín war 1991 die gefährlichste Stadt der Welt und hat eine traurige Geschichte der Gewalt hinter sich, der viele Menschen zum Opfer fielen. Die Umstände haben sich seit dem gebessert, doch die Zeiten sind noch immer nicht vorbei. Zu dem Zeitpunkt meines Museumsbesuches wurden 2019 schon über 100 Menschen in Medellín Opfer von Mord und Gewalt – und es war gerade einmal März.

Von dort an war mir erstmal recht mulmig zu Mute, als ich mit meinem Mountainbike durch die Straßen der Stadt fuhr. Doch schnell merkte ich, dass mein Blickwinkel der Bedrohung vielem nicht gerecht wird. Die Menschen, die Kultur und das Land haben so viel zu bieten und es gibt so viel zu Entdecken. Von paradiesischen Stränden an der Karibikküste, über 5000 Meter hohe Berge, Urwald mit riesigen Bäumen, Affen und Tukanen, bis hin zu einer offenen Kultur, von der ich immer wieder erstaunt bin. Fast bei jeder Fahrradtour lerne ich jemanden kennen und wir drehen am Ende die Runde zusammen. Besonders liebe ich die tropischen Früchte die vor Ort wachsen. Es gibt Mango, Papaya und Ananas oder solche von denen ich noch nie gehört hatte, wie die Stachelannone oder die Guave.

In meinem täglichen Leben in Kolumbien lerne für die Uni, fahre viel Fahrrad, entdecke die Stadt und das Land. Was mich aber wahrscheinlich am meisten einnimmt, ist der Tierrechtsaktivismus. Ich lebe nun seit über fünf Jahren vegan, am Anfang aus gesundheitlicher Motivation, später kamen für mich ethische Gründe dazu.

Zu Beginn habe ich den Veganismus als persönliche Entscheidung angesehen. Was andere um mich herum gemacht haben, hatte für mich keine besondere Bedeutung.

Doch mit der Zeit ist mir immer bewusster geworden, dass die Entscheidung, welches Essen wir zu uns nehmen, weitreichende Auswirkungen hat, die über unser eigenes Leben hinausgehen. Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Thema wurde mir klar, welcher Zusammenhang zwischen dem Konsum tierischer Lebensmittel und dem Klimawandel besteht. Ich war zuvor der Meinung, dass wir mit Elektroautos, Fahrrädern und erneuerbaren Energien die Erderwärmung stoppen könnten. Doch tatsächlich sind fossile Brennstoffe nur ein Teil des Problems. Eine Studie der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UN aus dem Jahr 2006, zeigt dass die Tierindustrie für 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich ist. Das ist mehr als der komplette Transportsektor – alle Autos, Laster, Züge, Schiffe und Flugzeuge zusammengenommen. Wenn alle Menschen eine pflanzenbasierte Ernährung übernehmen würden, bräuchten wir global 76 Prozent weniger Ackerland, so eine Oxfordstudie aus dem Jahr 2018. Dieses Land könnten wir nutzen, um zum Beispiel wilde Wälder aufzuforsten, was etwa helfen würde COin Sauerstoff umzuwandeln.

Auch aus einer gesundheitlichen Perspektive wissen wir, dass eine vegane Ernährung viele Vorteile bietet. Die größte Gesundheitsorganisation der USA, die American Dietetic Association, hat schon 2009 offiziell Stellung zu einer pflanzlichen Ernährungsweise bezogen. Demnach ist sie, richtig umgesetzt, für Menschen in allen Lebensphasen angemessen.

In Deutschland sind schon seit vielen Jahren landesweit Gruppen aktiv, die sich für das Tierwohl einsetzen und die Bedingungen der Tierindustrie sichtbar machen wollen. Die Anzahl dieser Gruppen steigt kontinuierlich, in Deutschland und weltweit. Auch in Medellín gibt es solche Gruppen, in mehreren davon bin ich aktiv. Wir zeigen Dokumentarfilme zu dem Thema oder besuchen Schlachthöfe, um uns der Realität mit den eigenen Augen bewusst zu werden oder zeigen auf der Straße Videos der Tierindustrie und sprechen mit den Leuten darüber. Wir glauben, dass die meisten Menschen, wenn sie sich über diese Realität im Klaren wären, täglich andere Entscheidungen treffen würden.

Oft ist es einfacher im Leben bei vertrauten Gewohnheiten zu bleiben, als Veränderungen anzutreten. Ich war selbst ein absoluter Fleischliebhaber und hätte nie gedacht darauf verzichten zu können. Doch wenn ich heute zurückblicke, sehe ich es als eine der besten Entscheidungen in meinem bisherigen Leben an. Wenn die Wissenschaft sich einig ist, dass wir mit unserer Ernährung dazu beitragen können den Klimawandel zu stoppen, viele gesundheitliche Vorteile genießen und unzählige Tierleben retten, was hält uns dann noch davon ab Veränderungen vorzunehmen?

Ich blicke auf eine Zeit voller verschiedener Ereignisse zurück und bin dankbar für alles, was ich erlebt habe. Danach werde ich noch für drei Monate durch Südamerika reisen und freue mich schon jetzt nach Deutschland und zu meiner Familie zurückzukehren.

Zum Thema

Jakob Hepke ist in Havixbeck aufgewachsen. Der Bericht schildert Erfahrungen aus seinem Studium in Kolumbien. Daneben enthält er persönliche Einordnungen des 23-Jährigen. Voraussichtlich im März 2020 kehrt Hepke nach Deutschland zurück.

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