Kopfschütteln über Kassenbonpflicht
Kleine Zettel – große Wirkung

Havixbeck -

Für Diskussionen und Kopfschütteln an den Ladentheken in Havixbeck sorgt die seit dem 1. Januar geltende Kassenbonpflicht. Die meisten Kunden verzichten auf die Mitnahme des Zettelchens, was wiederum bei den Händlern für volle Papierkörbe sorgt.

Mittwoch, 15.01.2020, 18:04 Uhr
Marion Schmidt vom Backhaus Jankord hat Hunderte Kassenbons gesammelt. Die Kunden möchten keine mitnehmen.Marion Schmidt vom Backhaus Jankord hat Hunderte Kassenbons gesammelt. Die Kunden möchten keine mitnehmen. So auch im Presse-Lotto-Geschäft von Dietmar Wilkens (r.).
Marion Schmidt vom Backhaus Jankord hat Hunderte Kassenbons gesammelt. Die Kunden möchten keine mitnehmen.Marion Schmidt vom Backhaus Jankord hat Hunderte Kassenbons gesammelt. Die Kunden möchten keine mitnehmen. So auch im Presse-Lotto-Geschäft von Dietmar Wilkens (r.). Foto: Klaus de Carné

Kleine Zettel, große Wirkung: Die umstrittene Kassenbonpflicht auch für kleine Beträge etwa beim Bäcker oder im Kiosk sorgt quer durchs Land für Diskussionen und Kopfschütteln an der Ladentheke. Seit dem 1. Januar 2020 müssen Einzelhändler und Gastwirte bei jedem Verkauf einen Kassenbon ausdrucken.

„Es ist ganz selten der Fall, dass ein Kunde explizit nach einem Bon fragt. Jetzt fragen wir jeden, ob er einen mitnehmen möchte. Die meisten winken ab und finden die Lösung einfach nur dumm“, erklärt Marion Schmidt , Filialleiterin im Backhaus Jankord in Havixbeck. Der Papierbon werde automatisch ausgedruckt und wandere in die Mülltonne. Berge von Bons hat Schmidt in den letzten Tagen gesammelt. Die dürfen aber nicht in die Papiertonne, sondern müssen in die Restmülltone, weil es Thermopapier ist. „Wir haben ausgerechnet, dass unsere Filialen Bons mit einer Länge von 350 Kilometern im Jahr ausdrucken“, erklärt Carsten Strecker , Jankord-Geschäftsführer. Bei der hohen Nachfrage sei das Thermopapier um das Doppelte teurer geworden, hat er bereits festgestellt.

In der Baumberg-Apotheke muss Filialleiterin Cordula Stetskamp sicherstellen, dass die nicht mitgenommenen Bons datenschutzkonform vernichtet werden.

In der Baumberg-Apotheke muss Filialleiterin Cordula Stetskamp sicherstellen, dass die nicht mitgenommenen Bons datenschutzkonform vernichtet werden. Foto: Klaus de Carné

Für die Baumberg-Apotheke sind die Kassenvorgänge nicht neu. Der Ablauf habe sich nicht geändert. Aber der Ausdruck jedes einzelnen Bons sei schon neu und führe auch zu Verunsicherung vieler Kunden. „Der Personaleinsatz ist bei uns viel höher, weil wir die nicht mitgenommenen Bons extra sammeln müssen und vor allem wegen der Kundendaten täglich schreddern müssen“, berichtet Filialleiterin Cordula Stetskamp von den Neuerungen. Dies sei wieder einmal zusätzlicher Personaleinsatz, der nicht bezahlt würde. Außerdem könne das Finanzamt jederzeit alles einsehen. Alles sei gespeichert und überprüfbar. Da könne nicht geschummelt werden. Etliche Kunden hätten eine Kundenkarte, darauf sei alles festgehalten. Die Mitnahme von einzelnen Bons sei die Ausnahme.

Dietmar Wilkens ist bei der Suche nach umweltfreundlicherem Bonpapier bereits fündig geworden.

Dietmar Wilkens ist bei der Suche nach umweltfreundlicherem Bonpapier bereits fündig geworden. Foto: Klaus de Carné

Bei Schreibwaren Aupers hat sich nichts geändert, erklärt Pito Aupers. „Bei uns wollten die Kunden immer schon Quittungen und Kassenzettel, um den Bürobedarf dokumentieren zu können“, so Pito Aupers. Sie findet es aber nicht nachhaltig, dass jetzt Thermopapier zum Einsatz käme, das nicht umweltschonend sei. Dies sei der falsche Schritt. Der Umweltgedanke würde überhaupt nicht berücksichtigt. „Es lebe die Bürokratie.“ Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis.

Weinhändler Axel Füssmann kennt es nicht anders, als dass seine Registrierkasse automatisch einen Kassenbon ausdruckt. Oft wolle der Kunden aber diesen Beleg nicht. „Das sind bestimmt 80 Prozent der Kunden, die darauf verzichten. Ich muss das Teil dann vernichten“, erklärt der Weinhändler. Der Kunde entscheide, was er möchte. Dieses Verfahren habe bei ihm nie zur Debatte gestanden. „Ich fertige jeden Abend einen Kassenbericht an und den kann das Finanzamt gerne einsehen. Ich kann alles erklären“, so der Weinhändler, der zu viel Bürokratie ablehnt. Er müsse noch Zeit haben, erstmal das Geld zu verdienen.

Die Kasse von Axel Füssmann registriert die Einnahmen und spukt Bons aus.

Die Kasse von Axel Füssmann registriert die Einnahmen und spukt Bons aus. Foto: Klaus de Carné

„Das ist doch völliger Quatsch“, meint eine Kundin im Presse-Lotto-Laden von Dietmar Wilkens. Der Kunde finde es einfach blöd, weiß der Inhaber des Geschäfts zu berichten und sehe den Nutzen nicht. „Ich habe mich damit abgefunden und kann nichts daran ändern. In anderen Ländern ist es schon längst der Alltag“, meint Wilkens. Für ihn sind die Thermobons Umweltfrevel. Wilkens hat sich aber schon erkundigt und das Angebot von Ökobons gefunden. Das sei sein Ding für die Zukunft. Er sammelt die kleinen Papierzettel in einer Kiste und vernichtet sie alle paar Tage. Das digitale Bezahlen wäre für ihn auch ein Weg, aber so weit sei man in Deutschland noch nicht.

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