Baumberger Sandstein-Museum
Brillantes Spiel von Markus Kiefer

Havixbeck -

Die bitterböse Kafka-Satire „Ein Bericht für eine Akademie“ ist auch heute noch aktuell. Schauspieler Markus Kiefer präsentierte das Kafka-Werk überaus fesselnd.

Sonntag, 02.02.2020, 17:54 Uhr
Brillant verkörperte Markus Kiefer für das Publikum das zerrissene Wesen des Affen Rotpeter. Der Schauspieler hätte im Baumberger Sandstein-Museum mehr Zuschauer verdient.
Brillant verkörperte Markus Kiefer für das Publikum das zerrissene Wesen des Affen Rotpeter. Der Schauspieler hätte im Baumberger Sandstein-Museum mehr Zuschauer verdient. Foto: Marita Strothe

„Es hat mir gut getan“, bedankte sich am Schluss Schauspieler Markus Kiefer bei seinem Publikum für dessen konzentriertes Zuhören. Dabei konnte das gar nicht anders, so faszinierend war Kiefers Darstellung des Affen Rotpeter. Mit „Ein Bericht für eine Akademie” erlebten die Besucher am Samstagabend eine gelungene Premiere des vom Kulturforum Arte veranstalteten Theaterabends im Baumberger Sandstein-Museum. Dort konnte Vorsitzende Helga Wienhausen rund 30 Zuschauer begrüßen, die zum Solostück nach der Erzählung von Franz Kafka gekommen waren. 1917 geschrieben, sei diese bitterböse Kafka-Satire auch heute noch „ganz aktuell“, betonte Wienhausen.

„Hohe Herren von der Akademie! Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Vorleben einzureichen.“ In diesem Sinne könne er den Wunsch nicht erfüllen, begann Markus Kiefer als ehemaliger Affe Rotpeter seinen Bericht über die Menschwerdung innerhalb der letzten fünf Jahre. Schließlich: „Ihr Affentum meine Herren, sofern Sie etwas derartiges hinter sich haben, kann Ihnen nicht ferner sein als mir das meine.“

Rotpeter erzählte, wie er vom Schimpansen zum Menschen wurde, da dies der einzige Ausweg gewesen sei, aus dem Käfig herauszukommen. Mit der Durchschnittsbildung eines Europäers habe er zumindest eine scheinbare Freiheit erlangt.

Die Zuhörer konnten mit der Kreatur fühlen, die in einer vergitterten Holzkiste auf einem Hagenbeckschen Dampfer ihrem neuen Leben entgegenfuhr. Die Gefangenschaft als ausweglose Situation, verbunden mit dem Wunsch nach Freiheit. Die arme Kreatur beobachtet bei der Suche nach einem Ausweg die Menschen genau und entschließt sich zur Transformation zum Menschen. Dabei muss sie einigen Widerwillen, etwa beim Schnapstrinken, überwinden. Und immer wieder differenzierte Affe Rotpeter zwischen „Freiheit“ und dem „getäuschten Gefühl der Freiheit“ und stellte den Menschen mit genauer Beobachtung als Krone der Schöpfung in Frage. Brillant verkörperte Markus Kiefer für das Publikum dieses zerrissene Wesen. Dafür hätte er zweifellos mehr Zuschauer verdient.

Anfang April wird der Schauspieler mit einem anderen Stück wieder den Theaterabend im Baumberger Sandstein-Museum bestreiten, verriet Witold Wylezol, Betreiber des Museumscafés und zudem Kulturmanager von Arte.

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