Gemeinde Saerbeck ist Vorreiter bei der Energiewende
Vorzeigeprojekt auch touristisch wertvoll

Havixbeck -

Bereits bevor die 7000-Einwohner-Gemeinde 2011 das ehemalige Munitionsdepot in der Größe von etwa 90 Hektar übernehmen konnte, erstellte sie ein integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept.

Donnerstag, 20.02.2020, 16:40 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 17:28 Uhr
2. Wirtschafts- und Klimagespräche der CDU mit (v.l.) Thorsten Webering (CDU-Bürgermeisterkandidat und Fraktionsvorsitzender), Jens Gülker (Volksbank Baumberge und Vorstand der Bürger-Energie-Baumberge), Christoph Pape (Niederlassungsleiter Volksbank), Bernd Willebrandt (CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Saerbeck), Andreas Kleefisch (Sachkundiger Bürger der CDU).
2. Wirtschafts- und Klimagespräche der CDU mit (v.l.) Thorsten Webering (CDU-Bürgermeisterkandidat und Fraktionsvorsitzender), Jens Gülker (Volksbank Baumberge und Vorstand der Bürger-Energie-Baumberge), Christoph Pape (Niederlassungsleiter Volksbank), Bernd Willebrandt (CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Saerbeck), Andreas Kleefisch (Sachkundiger Bürger der CDU). Foto: Ulla Wolanewitz

Sie darf sich mit Fug und Recht als Vorreiter der lokalen Energiewende bezeichnen: Die Klimakommune Saerbeck. Sie ist ein gutes Beispiel, das beweist wie Klimaschutz und Wirtschaft gewinnbringend miteinander vereinbar sind. „Mittlerweile erzeugen wir dreimal so viel Strom aus Sonne, Wind und Biomasse wie wir im Ort verbrauchen“, erklärte Bernd Willebrandt . Der CDU-Gemeindeverband Havixbeck hatte den CDU-Fraktionschef aus Saerbeck am Mittwochabend zum „2. Havixbecker Wirtschafts- und Klimagespräch“ eingeladen.

Die Kommune hinter der Landebahn vom FMO und im Mittelpunkt des Kreises Steinfurt hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 in punkto Energieversorgung komplett autark zu sein. „Wahrscheinlich schaffen wir es auch früher“, erklärte der Referent. Wobei weniger die Energieproduktion, sondern vielmehr die Speichermöglichkeiten das Problem sei.

Bereits bevor die 7000-Einwohner-Gemeinde 2011 das ehemalige Munitionsdepot in der Größe von etwa 90 Hektar übernehmen konnte, erstellte sie ein integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept. 150 Maßnahmen wurden konzipiert, sieben Handlungsfelder und drei Leitprojekte definiert. „Vor allen Dingen haben wir von Anfang an die Bürger mit ins Boot geholt und eine Eigenbeteiligung durch die Gründung einer Bürgergenossenschaft ermöglicht“, so Willebrandt. „Es macht einen großen Unterschied, ob man auf die Windkraftanlage eines Investors schaut oder auf eine, in die man selber investiert hat.“

Gestartet wurde mit der Umrüstung im Bestand, so dass 75 Prozent aller kommunalen Dachflächen mit Solaranlagen ausgestattet wurden, dessen Pächter die Bürgergenossenschaft ist. Seit 2010 befindet sich in der alten Dorfschule die Heizzentrale mit zwei Pelletöfen, die zahlreiche öffentliche Gebäude im nahen Umfeld versorgt, was jährlich ein Plus von 50 000 Euro einbringt.

„Es rechnet sich also auch wirtschaftlich“, betonte Willebrandt. Auf dem Bunkergelände entstand eine Photovoltaikanlage mit 24 000 Platten. Sieben Windkraftanlagen und zwei Biomasse-Anlagen wurden zudem in diesem Bioenergiepark gebaut, der sich 1,5 Kilometer Entfernung von der Bebauung befindet. Auf dem Gelände existieren mittlerweile mehrere außerschulische Lernstandorte und ein Cafébetrieb. Die Besucherzahl hat mit 100.000 die Sechsstelligkeit erreicht, so dass dieses Vorzeigeprojekt auch touristisch wertvoll ist. Interessant auch: Das Investitionsvolumen von 70 Millionen Euro, wobei Willebrandt ausdrücklich betonte, dass „hier weder Steuergelder noch Haushaltsmittel reingeflossen sind.“ Jetzt da der Bio-Energiepark fast zu Ende entwickelt ist, wollen sich die Engagierten der Verkehrswende widmen, weil wir „als kleiner Ort im ländlichen Raum nicht abgehängt werden wollen.“ An innovativen und kreativen Kräften scheint es in Saerbeck nicht zu mangeln. Nebenbei stellte Willebrandt die restaurierte Windmühle vor, die aufgebockt wurde, um darunter ein neues Feuerwehrgerätehaus unterzubringen.

Bevor es in die offene Diskussion ging, stellten Jens Gülker, Volksbank Baumberge und Vorstand der Bürger-Energie-Baumberge eG und Christoph Pape, Niederlassungsleiter der Volksbank Havixbeck, die Vorteile und Möglichkeiten einer Genossenschaft transparent vor.

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