Auftakt zu neuer Gesprächsreihe
Stromausfall ließ Grüne zittern

Havixbeck -

Erst war der Strom weg, dann beleuchteten die Grünen und ihre Gäste das Thema Nachhaltigkeit. Zum Auftakt der Reihe „Hey Havixbeck. Wie wollen wir leben?“ stellte sich Bürgermeisterkandidat Jörn Möltgen vor.

Freitag, 06.03.2020, 19:13 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 19:20 Uhr
Jörn Möltgen, Bürgermeisterkandidat der Grünen, konnte sich über ein volles Haus zum Auftakt der Gesprächsreihe „Hey Havixbeck. Wie wollen wir leben?“ freuen.
Jörn Möltgen, Bürgermeisterkandidat der Grünen, konnte sich über ein volles Haus zum Auftakt der Gesprächsreihe „Hey Havixbeck. Wie wollen wir leben?“ freuen. Foto: Bündnis 90/Die Grünen Havixbeck

„Was nun!?“, fragten sich Jörn Möltgen und der Ortsverband Bündnis90/ Die Grünen Havixbeck 15 Minuten vor Beginn ihrer Auftaktveranstaltung zu der Reihe „Hey Havixbeck. Wie wollen wir leben?“

Ein Stromausfall in der Hauptstraße forderte Entscheidungen: Die Veranstaltung auf einen anderen Tag verlegen? Der Saal im Restaurant Apollon füllte sich mit Neugierigen. Erstmals wollte sich der Grüne Bürgermeisterkandidat Jörn Möltgen bei einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen. Also: Absagen war keine Option. Aber bei Kerzenlicht die Frage „Wie wollen wir leben?“ zu diskutieren, hätte der Diskussion dann doch einen falschen Anstrich verliehen, kommentierte Jörn Möltgen die skurrile Situation. Möltgen: „Aber so wurde immerhin unsere Abhängigkeit von einer verlässlichen Energieversorgung nochmal deutlicher.“ Geplant war ohnehin, nach dem Film in Kleingruppen über drängende Fragen der Nachhaltigkeit in Havixbeck zu debattieren.

Punkt 19.30 Uhr löste sich die Spannung: Der Strom kam zurück, und der Film konnte wie geplant vor vollem Hause gezeigt werden. Karin de Miguel Wessendorfs Film stellte Initiativen aus ganz Europa vor, die zum Beispiel ihre Energieversorgung in einer regionalen Lieferkette organisieren. Andere Initiativen vermeiden aktiv Plastikmüll oder unterlaufen das Wachstumsdiktat der Wirtschaft durch die Reparatur gebrauchter Waren. Wieder andere schaffen sich in ihrem Umfeld Alternativen zur Mobilität mit dem Auto und verzichten auf Inlandsflüge.

60 Personen hatten sich im Saal versammelt und waren sich weitgehend einig: Die dargestellten Lebensentwürfe zeigten sehr konsequent, wie durch Eigenleistung der persönliche CO-Ausstoß gesenkt werden kann. Wilfried Brüggemann, Ratsherr der Grünen und Organisator des Abends, stellte dazu einen Selbstversuch vor und verwies darauf, dass die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ unter www.fussabdruck.de/fussabdrucktest/#/start/index/ kostenlos den ökologischen Fußabdruck für jedermann errechnet.

Ob diese einzelnen, persönlichen Maßnahmen ausreichen werden, den dramatischen Herausforderungen des Ressourcenverbrauchs und Klimawandels im notwendigen Zeitrahmen zu begegnen, wurde allerdings auch kritisch hinterfragt, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen.

Nach einer Pause ging es dann in Kleingruppen weiter: Was brauchen wir in Havixbeck in der Situation von Klimawandel, Plastikvermüllung, zunehmender Flächenversiegelung und Verkehrschaos? Welche Wege trägt die Bevölkerung mit? In den Gruppen „Energie“, „Wohnen“, „Verkehr“ und „Ressourcenverbrauch und lokales Wirtschaften“ hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihre eigenen Ideen zum Klimaschutz für ein gelingendes Miteinander hier im Ort zu teilen.

Besonders im Bereich Energieeinsparung zeigten sich die Teilnehmer bereit, sich persönlich zu engagieren. Allerdings müsse sich das Energiesparen für sie auch lohnen, so eine mehrfach geäußerte Meinung.

Dabei zeigte sich, dass längst nicht alle wissen, welche Maßnahmen in ihrem Haushalt sich zum Energiesparen eignen. Fraktionssprecher Friedhelm Höfener verwies darauf, dass diese Kommunikationsaufgabe zur Stellenbeschreibung eines Klimamanagers gehöre. Den aber wolle eine Mehrheit im Rat so nicht länger finanzieren. Es bleibe fraglich, ob die neu geschaffene Halbtagsstelle im Bauamt solche Aufklärungsarbeit leisten könne.

Die Kleingruppe zu nachhaltigem Bauen und Wohnen fokussierte sich auf die Entwicklung des neuen Baugebietes südlich Münsterstraße. Aufgrund der Nähe zum Bahnhof könne man sich vorstellen, Teilbereiche autofrei zu gestalten. Generationenübergreifende Wohnformen in dichterer Bauweise beugten dem Flächenfraß vor und entsprächen eher dem Lebenskonzept von jüngeren wie älteren kinderlosen Haushalten. Lange wurde diskutiert, wie der Wohnraum in Havixbeck nach den jüngsten Preisexplosionen bei den Grundstücken bezahlbar gehalten werden könne. Dringend sei es erforderlich, sozialen Wohnraum zu schaffen.

Jörn Möltgen hörte zu, gab Impulse aus seiner Erfahrung als Städteplaner, moderierte souverän und wird die Anregungen der Anwesenden über die Fraktion weiter in die Beratungen des Gemeinderates mit einbringen, heißt es abschließend.

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