Aus Mexiko nach Havixbeck
Selbstständig werden und die Welt sehen

Havixbeck -

Die erste Hälfte ihres Auslandsjahres verbrachte sie in Landau in der Pfalz. Nun ist Pamela Cruz Isid seit gut einer Woche in Havixbeck. Die Vermittlung zur Gastfamilie Lampen erfolgte recht spontan.

Sonntag, 22.03.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 12:40 Uhr
Bei einem Spaziergang durch Havixbeck stellte Gastmutter Kornelia Lampen der Mexikanerin Pamela Cruz Isidro Sehenswertes im Ortskern vor.
Bei einem Spaziergang durch Havixbeck stellte Gastmutter Kornelia Lampen der Mexikanerin Pamela Cruz Isidro Sehenswertes im Ortskern vor. Foto: Kerstin Adass

„Der Winter in Deutschland ist ganz anders als in Mexiko. Keine Bäume, keine Farben, keine Sonne. Und an vielen Tagen ist es so dunkel!“, berichtet Pamela Cruz Isidro von ihren Erfahrungen mit den deutschen Jahreszeiten. Seit einem halben Jahr lebt die 19-Jährige in Deutschland und absolviert hier einen Freiwilligendienst.

Die erste Hälfte ihres Auslandsjahres verbrachte sie in Landau in der Pfalz. Nun ist Pamela seit gut einer Woche in Havixbeck, wo sie bis zum Sommer bleiben wird. Zum Glück habe sie ihr Visum bis zum August verlängern können, erzählt Pamela.

Auch Kornelia und Michael Lampen, Pamelas Gasteltern, haben sich mit dem Thema Visum beschäftigt. Ihre Tochter Ann-Christin Lampen absolviert wie Pamela derzeit einen einjährigen Freiwilligendienst im Ausland, der von der Organisation ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. organisiert wird. „Wir aus Deutschland haben es verhältnismäßig leicht, ein Visum zu bekommen“, erläuterte Kornelia Lampen. Die beiden hatten sich für die Zeitspanne, in der Ann-Christin in Neuseeland lebt, bei ICJA als Gastgeber beworben. Zunächst wurde ihnen eine Freiwillige aus Kenia zugeteilt, die jedoch kein Visum erhielt – die Vermittlung von Pamela Cruz Isidro an Familie Lampen geschah daher relativ spontan. „Das war schon spannend. Wir wussten ja vorher gar nicht viel über Pamela“, erinnert sich Kornelia Lampen.

Pamela, die fließend Spanisch und Englisch spricht, stammt aus der Stadt Orizaba im mexikanischen Bundesstaat Veracruz. Nach ihrem Schulabschluss im Jahr 2018 arbeitete sie für ein Jahr in der Bäckerei ihrer Familie, wo sie eigene Torten herstellte und verkaufte. Ein Jahr im Ausland war für Pamela und ihre Familie eine Selbstverständlichkeit. Auch ihre älteren Brüder hatten nach der Schule einen Freiwilligendienst absolviert. „Meine Mutter sagte zu mir: Du solltest selbstständig werden und etwas von der Welt sehen“, lacht die sympathische junge Frau. Für die nächsten Monate wird sie in einer Kita in Münster-Roxel arbeiten.

Von ICJA erhält die Mexikanerin außerdem ein Taschengeld – „aber nicht zu viel“, grinst sie. Der Umgang mit dem Geld sei ihr im ersten Monat in Deutschland noch schwergefallen. Ihre Freunde und ihre Familie, mit denen sie größtenteils engen Kontakt hält, fehlen ihr. Besonders im Alltag werden die Unterschiede zwischen Deutschland und Mexiko deutlich. „Das Essen in Mexiko ist ganz anders“, meint Pamela. Außerdem sei es einfacher, in ihrem Heimatland Bekanntschaften zu schließen, erzählt sie. „Die Menschen sind dort sehr offen.“

Sowohl Pamela als auch ihre Gasteltern freuen sich, dass die Vermittlung durch die Freiwilligenorganisation so gut funktioniert hat. Michael Lampen bedauert die fehlende Bereitschaft vieler Familien, Freiwillige bei sich aufzunehmen: „Organisationen wie ICJA haben im Moment Probleme, Gastfamilien zu finden.“ „Ich habe gesehen, wie gut es Ann-Christin in Neuseeland geht“, sagte Kornelia Lampen. „Das wollte ich jemandem aus einem anderen Land auch ermöglichen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7338753?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F162%2F
Nachrichten-Ticker