50 Jahre Ständiges Diakonat
„Das erste Gesicht der Kirche im Alltag“

Havixbeck -

„Die Diakone sind auch laut Papst Franziskus das erste Gesicht der Kirche im Alltag“, sagt Joachim König, „ihr Dienst stärkt und ermutigt andere Menschen.“ Er ist verantwortlich für die Diakonenausbildung.

Sonntag, 05.04.2020, 13:43 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 19:50 Uhr
Über die Bedeutung des Amts des Ständigen Diakons tauschten sich Jochen König (l.) und Hugo Goeke aus.
Über die Bedeutung des Amts des Ständigen Diakons tauschten sich Jochen König (l.) und Hugo Goeke aus. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Anke Lucht

Wer etwas über die 50-jährige Geschichte des Ständigen Diakonats im Bistum Münster wissen will, sollte mit ihnen sprechen: Dr. Hugo Goeke und Joachim König . Während Goeke nach Einführung des Ständigen Diakonats der erste Verantwortliche für die Diakonenausbildung im Bistum war, ist König heute für diese Aufgabe zuständig.

Der 88-jährige Goeke, der 1958 zum Priester geweiht wurde, war ab 1970 Dozent am Regionalseminar für Seelsorge und Katechese in Münster und Bischöflicher Beauftragter für Fragen des Diakonats. Ein Jahr später wurde er Leiter des Regionalseminars und 1972 der Nachfolgeeinrichtung Institut für Diakonat und pastorale Dienste (IDP) im Bistum Münster. Dort verantwortet inzwischen König die Ausbildung der Ständigen Diakone – auch er selbst ist einer.

Goeke vergleicht die Geschichte des Ständigen Diakonats mit dem Synodalen Weg, den die Kirche in Deutschland heute geht: „Auch das war damals ein synodales Ereignis und ein Weg, bis verheiratete Männer Diakone wurden.“ Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe Aufbruchsstimmung geherrscht. 1967 habe das Bistum eine erste Tagung für Interessenten veranstaltet, 1968 habe sich der erste Diakonatskreis – zunächst noch angegliedert an das Priesterseminar – gegründet. Im selben Jahr wurden die weltweit ersten Ständigen Diakone im Erzbistum Köln geweiht, 1969 folgte ein Ständiger Diakon in Münster, 1970 fünf weitere.

So habe man an einer Systematisierung und deutschlandweiten Vereinheitlichung der Ausbildung gearbeitet. Entsprechend folgte die Gründung des IDP.

Das damals Entwickelte hat im Wesentlichen bis heute Bestand. Allerdings dauert die Ausbildung heute vier statt drei Jahre. Im ersten Jahr, verdeutlicht König, geht es um „den Überblick, das Verständnis für das Amt und die Fokussierung auf die Grundvollzüge der katholischen Kirche“. Im zweiten bis vierten Jahr widme man sich den konkreten Aufgaben, die sich aus den Grundvollzügen der Verkündigung, der Liturgie (Glaubensfeier) und der Diakonie (Dienst an den Menschen) ergeben, mit dem Schwerpunkt auf der diakonischen Haltung.

Dabei sind die Ehefrauen zur Teilnahme am Programm eingeladen. „Eine Praxis, die im Bistum eine lange Tradition hat und sehr geschätzt wird“, sagt König.

Goeke hat die Ausbildung entscheidend geprägt: „Man nannte das IDP auch ,Goeke-Institut‘“, sagt König. Goeke ergänzt augenzwinkernd: „Als ich auf Bundesebene Geistlicher Beirat der Diakonatskreise war, besuchte mich ein Bischöflicher Beauftragter eines anderen Bistums – weil man ihm geraten habe, sich in Münster beim ,Papst der Diakone‘ zu informieren.“

Dieser erinnert sich, dass die ersten Diakone von der Mehrzahl der Priester als Mitbrüder gut aufgenommen wurden: „Ich habe in den Gemeinden keine größeren Probleme erlebt.“ Die Pfarrer seien froh über die Entlastung gewesen – wobei diese allerdings nicht Hauptaufgabe der Diakone sei. Vielmehr sei der Ständige Diakonat ein eigenständiges Amt mit eigenem Schwerpunkt. „Die Hinwendung zu Menschen am Rand, zu denen, die in Not sind und der Hilfe bedürfen, ist die vordringliche Aufgabe des Diakons“, betonen Goeke und König

Gerade Diakone mit Zivilberuf sollten dort, wo sie leben, im privaten Umfeld, in Beruf und Pfarrei Glaubenszeugen sein, ansprechbar für die Menschen. So sei einer der ersten Ständigen Diakone Steiger im Bergwerk gewesen und dort als Seelsorger wahrgenommen worden, erzählt Goeke. „Diakon sein dort, wo man ist, hat Vorrang vor dem diakonischen Tun in der Pfarrei“, sagt er. Die Kirche benötige viel mehr solcher „Übersetzer des Glauben“.

An diesem Merkmal des Diakonenamtes machen Goeke und König auch dessen Perspektiven fest. „Die Diakone sind auch laut Papst Franziskus das erste Gesicht der Kirche im Alltag“, sagt König, „ihr Dienst stärkt und ermutigt andere Menschen.“

Und das diskutierte Diakonat der Frau? Die Dienste an Menschen „am Rande“ – besondere Aufgabe der Diakone – leisten laut König oft Frauen. Schon deshalb dürfe die Diakoninnenweihe nicht einfach abgetan werden. Und Goeke ist eh der Ansicht: „Es wäre wohl am besten gewesen, man hätte 1970 die Weihe von Diakoninnen gleich mit ermöglicht.“

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