Serie: „Abgeschnitten vom Weltverkehr“
Erfolgsgeschichte Baumbergebahn

Havixbeck -

Die Bürgerinnen und Bürger sind ihrer Baumbergebahn sehr verbunden. Das ist ein Garant dafür, dass deren Geschichte zuletzt sehr erfolgreich war. Heribert Lülf, Richard Vespermann und Heinz Peirick erzählen davon.

Mittwoch, 13.05.2020, 06:32 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 14:06 Uhr
Moderne Bahn auf historischer Strecke (aufgenommen bei Havixbeck). „So geht Nahverkehr heute“, schreiben Heribert Lülf, Heinz Peirick und Richard Vespermann dazu.
Moderne Bahn auf historischer Strecke (aufgenommen bei Havixbeck). „So geht Nahverkehr heute“, schreiben Heribert Lülf, Heinz Peirick und Richard Vespermann dazu. Foto: Richard Vespermann

Die Baumbergebahn verbindet Havixbeck mit Münster in der einen sowie Billerbeck und Coesfeld in der anderen Richtung. Doch in ihren Ursprüngen führte die Eisenbahnlinie noch über Coesfeld hinaus bis Empel-Rees am Niederrhein. Die Geschichte dieser Nebenbahn haben Heribert Lülf, Richard Vespermann Heinz Peirick in einem Buch niedergeschrieben. In einer Reihe mit unserer Zeitung geben die Autoren einen kleinen Abriss.

 

Als 1976 auch die Strecke Coesfeld-Münster in einem „betriebswirtschaftlich optimalen Netz der Bundesbahn “ nicht mehr auftauchte, formierte sich der Widerstand. Und das Engagement der Gremien und auch der Bürger für ihre Bahn sollte sich auszahlen.

Zunächst wurde 1982 ein angenäherter Stundentakt mit 13 Zugpaaren eingeführt. 1988 erreichte das Land NRW eine Bestandsgarantie für erst einmal zehn Jahre. Die Bahnreform im Jahre 1994 brachte dann die endgültige Wende. Den Bundesländern wurde die Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr übertragen. Planung, Organisation und Ausgestaltung des Nahverkehrs lagen ab jetzt in Verantwortung des neu gründeten Zweckverbandes Schienenpersonenverkehr Münsterland.

Ziele des Verbandes sind der Erhalt der bestehenden Strecken, der zielgerichtete Ausbau des Schiennetzes, die Beschleunigung des Verkehrs, die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltepunkten sowie die Reaktivierung stillgelegter beziehungsweise nur noch im Güterverkehr genutzter Strecken.

Die Baumbergebahn hat von der Kehrtwende in der Verkehrspolitik eindeutig profitiert. Die Streckengeschwindigkeit konnte abschnittsweise auf 100 km/h erhöht werden. 2012 erfolgte der Anschluss an das elek­tronische Stellwerk in Coesfeld. Bereits seit 2001 verkehren moderne Talent-Triebwagen von DB Regio NRW. Am Schulzentrum in Coesfeld, in Roxel und Mecklenbeck wurden neue Haltepunkte gebaut. Die Bahnhöfe in Coesfeld, Billerbeck und Havixbeck erhielten neue Bahnsteige.

Zuletzt verkehrten montags bis freitags 28 Zugpaare zwischen Coesfeld und Münster, 14 davon bis zum Zentrum Münster-Nord. Von 5 bis 9 Uhr und von 13 bis 19 Uhr fahren die Züge im Halbstundentakt. An den Wochenenden verkehren die Züge bis weit nach Mitternacht. Den jüngsten Zahlen zufolge nutzen 4300 Fahrgäste an Werktagen die Baumbergebahn – und von Jahr zu Jahr werden es mehr.

Unter dem Motto „Mit Volldampf in die Zukunft“ konnte 2008 das 100-jährige Jubiläum der Strecke gefeiert werden. Gerade die Verbundenheit der Menschen mit „ihrer“ Baumbergebahn ist sicher außergewöhnlich! Im westlichen Münsterland hat die Eisenbahn diese Bedeutung nicht beziehungsweise nicht mehr. Wer sich noch an den bereits von 46 Jahren eingestellten Personenverkehr erinnern kann, denkt an Vorkriegstriebwagen, ausgedünnte Fahrpläne und endlos lange Fahrtzeiten.

Immer drängender stellt sich aber die Frage, was eine Region attraktiv macht für Jung und Alt, für Familien, Auszubildende, Studierende und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine moderne Region ein modernes Verkehrsmittel braucht. Niemand wird das westliche Münsterland zu seinem Lebens- und Arbeitsmittelpunkt wählen, weil es schöne Radwege und ein Linienbusnetz gibt. Gefragt sind vielmehr schnelle, moderne und attraktive Bahnverbindungen.

Eine im Auftrag des Landes NRW erstellte Machbarkeitsstudie prognostizierte bei einer Reaktivierung der Strecke Bocholt-Borken-Coesfeld 6800 Fahrgäste pro Tag. Allein durch die hohen Investitionskosten konnte – zunächst – kein positiver Kosten-Nutzen-Faktor ermittelt werden.

Während die Befürworter eines Radschnellweges auf der Trasse schon Morgenluft wittern, hat die Veröffentlichung der Studie zu vielfältigen Reaktionen und Aktionen in der Region geführt.

Und so werden es die kommenden Jahre erweisen, ob der Titel des Buches „Abgeschnitten vom Weltverkehr“ eine aktuelle Zustandsbeschreibung für eine ganze Region oder doch nur eine Reminiszenz an die Vergangenheit ist.

 

Heribert Lülf, Heinz Peirick, Richard Vespermann: „Abgeschnitten vom Weltverkehr“ – Die Geschichte der Strecke Empel – Bocholt – Borken – Coesfeld – Münster. 132 Seiten, circa 180 Abbildungen, ISBN 978-3-946594-18-5, 26,80 Euro. Erhältlich im Buchhandel.

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