Anne-Frank-Gesamtschule: Schulleiter Dr. Torsten Habbel im Interview
Schule gelingt in Zeiten von Corona

Havixbeck -

Wie läuft es in Zeiten von Corona an der Anne-Frank-Gesamtschule? Darüber äußerte sich jetzt Schulleiter Dr. Torsten Habbel in einem Interview.

Dienstag, 26.05.2020, 07:22 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 07:30 Uhr
Schulleiter Dr. Torsten Habbel freut sich über viele motivierte Schülerinnen und Schüler.
Schulleiter Dr. Torsten Habbel freut sich über viele motivierte Schülerinnen und Schüler. Foto: Johannes Oetz

Am 29. Juni beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien. Bis dahin wird an der Anne-Frank-Gesamtschule noch eine Menge passieren. Darüber und über den Schulalltag in Corona-Zeiten sprach unser Redakteur Johannes Oetz mit Schulleiter Dr. Torsten Habbel .

Hallo, Herr Dr. Habbel. Wie läuft das Abi und der Zehnerabschluss?

Dr. Habbel: Am Montag wurde die letzte Abiturklausur geschrieben. Da alle Abiturienten gesund waren, muss keiner nachschreiben. Heute und morgen sind die mündlichen Abiturprüfungen – und damit sind die Prüfungen abgeschlossen. Jetzt werden die Klausuren nachgesehen. Unter Umständen kann es Nachprüfungen geben. Die Zehnerabschlussklausuren sind bereits in der letzten Woche abgeschlossen worden. Nun erhalten die Zehner die Möglichkeit, sich auch in den anderen Fächern, die nicht im Präsenzunterricht unterrichtet wurden, zu verbessern.

Waren die Schüler gut vorbereitet?

Dr. Habbel: Ich bin beeindruckt von dem Wunsch der Schülerinnen und Schüler, wieder in „ihre“ Schule zu kommen. Bisher waren alle sehr diszipliniert. Die Lehrerinnen und Lehrer haben mir berichtet, dass ihre Schüler sehr fleißig waren und gut vorbereitet in die Prüfungen gegangen sind. Ich habe auch großen Respekt vor meinen Kollegen, die sich mit viel Engagement auf die völlig neue Situation eingelassen haben und mit viel Empathie ihre Schüler auf die Prüfungen vorbereitet haben.

Welche Altersklassen wurden bisher unterrichtet?

Dr. Habbel: Bisher lag der Schwerpunkt des Präsenzunterrichts auf den Abschlussklassen, also den Zehnern, den Abiturienten und der Q1, die nächstes Jahr ins Abitur geht. Da die Schüler gut vorbereitet in die Prüfung gehen wollten, kamen sie mit hoher Motivation in die Schule. Nach den mündlichen Abiturprüfungen kommen auch alle weiteren Schüler in einem rollierenden System in die Schule. Dann dürfen auch an den Billerbecker Standort die 5er und 6er zur Schule. Da ich von vielen weiß, wie sehr sie sich auf Schule freuen, gehe ich davon aus, dass bis zu den Sommerferien all die Schüler, die gesund sind, gerne kommen werden. Allerdings gehört es zum Hygieneplan, dass alle, die sich krank fühlen und Symptome haben, die mit der Corona-Erkrankung einhergehen, nicht zur Schule kommen dürfen.

Und wie sieht es mit der Lehrerschaft aus?

Dr. Habbel: Bisher haben rund 60 Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülern gearbeitet. Wenn möglich, konnten sie ihren Unterricht fortsetzen oder erteilten – da die Klassen halbiert sind – den Unterricht des Fachlehrers in der Parallelgruppe. Hier sind viele Absprachen nötig, die über den normalen Unterricht weit hinausgehen. Aber auch die Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe nicht vor Ort in der Schule sein können, nehmen ihre Aufgaben sehr gewissenhaft wahr. Sie unterrichten ihre Schüler digital oder bereiten den Präsenzunterricht für ihre Kollegen vor, die sie in der Schule vertreten. Eltern wie Schüler geben mir positive Rückmeldungen – und wenn etwas nicht so gut klappt, steuern wir nach. Ich bin sehr beeindruckt von der Energie aller, die in Schule engagiert sind.

Wie klappt es mit der Hygiene-Disziplin?

Dr. Habbel: Wir haben einen Hygieneplan aufgestellt, der immer wieder den veränderten Gegebenheiten angepasst wurde. Die Schüler haben sich diszipliniert verhalten. Sie wissen, wo sie ihre Pausen in vorgegebenen Bereichen verbringen dürfen, wie sie in die Klassen zu gehen haben und wann sie einen Mundschutz zu tragen haben. Im Unterricht selbst gab es keine Probleme.

Wird es eigentlich eine Abi-Feier geben?

Dr. Habbel: Es wird leider keine Abiturfeier in dem üblichen Rahmen geben. Das bedauern wir alle sehr! Denn wenn man neun Jahre auf eine Schule geht, möchte man sich gut voneinander verabschieden können. Die Abiturienten haben sich von all den vielen Vorschriften aber nicht entmutigen lassen und Ideen für eine den Hygienevorschriften angepasste Abifeier gesammelt. Bisher ist geplant, dass wir nur mit den Abiturienten und den Leistungskurslehrern am 19. Juni eine kleine Feier machen können. Von den Eltern wünschen sich die Abiturienten eine Videoansprache. Wir überlegen aber noch gemeinsam weiter.

Wann kommen die nächsten Schüler?

Dr. Habbel: Es gibt einen allgemeinen Übersichtsplan, an dem sich alle orientieren können. Er befindet sich – wie viele weitere aktuelle Informationen – auf unserer Homepage. Die Q1 wird bis zu den Sommerferien jeden Tag kommen, da sie der nächste Abschlussjahrgang sind. Alle anderen Schüler kommen fünf bis sechsmal in die Schule. Das hört sich wenig an, ist aber – im Vergleich zu allen mir bekannten Schulen in der Umgebung – sehr viel. Es ist unser Ziel, dass die Schüler wieder in der Schule sein können und mit ihren Mitschülern wie Lehrern gemeinsam und vor Ort lernen können.

Diese Lockerungen schlägt der Bund zum 6. Juni vor

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  • Eine Beschlussvorlage aus Angela Merkels Kanzleramt wird am Montag in einer Telefonschalte zwischen Bund und den Staatskanzleichefs der Länder diskutiert. Grundsätzlich sollen die Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verbindlich in Kraft bleiben. Vorgesehen sind jedoch einige Lockerungen ab dem 6. Juni:

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  • Mindestabstand: In der Öffentlichkeit soll weiterhin der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden.

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  • Auch die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes soll in bestimmten öffentlichen Bereichen weiter gelten. Abstands- und Hygieneregeln müssten „so lange in das Alltagsleben integriert bleiben, wie die Pandemie nicht durch einen Impfstoff oder ein Heilmittel überwunden ist“, heißt es in dem Papier.

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  • Verschärfungen möglich: Wo es die Infektionszahlen erfordern, sollten weitergehende Kontaktbeschränkungen erlassen werden.

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  • Private Treffen: Maximal zehn Menschen oder Angehörige zweier Haushalte sollen sich in der Öffentlichkeit oder zu Hause treffen dürfen. Hygiene- und Abstandsregeln seien weiter zu beachten.

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  • Sind die Räume zu Hause zu klein, sollten sich nur so viele Personen versammeln, dass die Schutzregeln eingehalten werden können. Der Raum sollte ausreichend gelüftet werden. Wegen des deutlich geringeren Infektionsrisikos sollte man sich aber nach Möglichkeit im Freien verabreden.

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  • Der Personenkreis, mit dem man Kontakt hat, sollte möglichst klein und konstant gehalten werden. Das gelte vor allem für Kinder, bei denen die Schutzmaßnahmen oft nicht konsequent umgesetzt werden könnten.

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  • Veranstaltungen und Versammlungen mit eigenem Hygienekonzept seien separat zu betrachten.

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