Ängste vor geplanten Windkraftanlagen in Herkentrup
„Existenzen und Gesundheit würden zerstört“

Havixbeck/Hohenholte -

Die Bürgerinitiative „Gegenwind Havixbeck und Hohenholte“ hat gemeinsam mit unserer Zeitung mit den Inhabern unmittelbar betroffener Familienbetriebe gesprochen, die ihre Sorgen und Ängste wegen dieser Planungen geschildert haben. Die seit vielen Jahrzehnten ansässigen Familien sind sich einig, dass der mögliche Bau dieser Industrieanlagen ihre Existenzen zerstören würde.

Samstag, 20.06.2020, 13:00 Uhr
Vor zwei Jahren trafen sich etliche Anlieger zum ersten Mal, um auf die existenzbedrohende Lage ihrer Unternehmen aufmerksam zu machen.
Vor zwei Jahren trafen sich etliche Anlieger zum ersten Mal, um auf die existenzbedrohende Lage ihrer Unternehmen aufmerksam zu machen. Foto: Klaus de Carné

Beim Kreis Coesfeld läuft weiterhin das Verfahren zur Genehmigung von drei 200 Meter hohen Windkraftanlagen im Landschaftsschutzgebiet vor Hohenholte. Die Gemeinde Havixbeck hat ihr Einvernehmen zu diesen Planungen bereits versagt. Sie wurde jedoch durch den Kreis Coesfeld aufgefordert, über das gemeindliche Einvernehmen erneut zu entscheiden. Nach der Rechtsauffassung des Kreises wurde das Einvernehmen zu unrecht versagt. In der Ratssitzung am 25. Juni (Donnerstag) um 19 Uhr im AFG-Forum wird darüber beraten und entschieden.

Die Bürgerinitiative „Gegenwind Havixbeck und Hohenholte“ hat gemeinsam mit unserer Zeitung mit den Inhabern unmittelbar betroffener Familienbetriebe gesprochen, die ihre Sorgen und Ängste wegen dieser Planungen geschildert haben. Die seit vielen Jahrzehnten ansässigen Familien sind sich einig, dass der mögliche Bau dieser Industrieanlagen ihre Existenzen zerstören würde.

Dazu meint Melanie Veelker, Hof Veelker: „Unsere Familie wohnt mit drei Generationen (10 bis 80 Jahre alt) auf unserem Hof. Wir wären eine der von diesen Planungen am stärksten bedrohten Familien und würden in nächster Nähe zu den drei gigantischen, 200 Meter hohen Anlagen leben müssen. Gerade hat sich die Bundesregierung auf 1000 Meter Mindestabstand geeinigt. Bei uns aber sollen die Rotorblattspitzen mit Geschwindigkeiten bis zu 350 Stundenkilometern in nur 480 Meter Entfernung am Haus vorbei rasen. Wir Landbewohner fühlen uns wie Menschen zweiter Klasse.“

Hubert Veelker: „Jede der Anlagen soll noch etwa 20 Meter höher werden als der riesige WDR-Sendemast in den Baumbergen. Jeder kann sich das Ausmaß anschauen, wenn er von Hohenholte auf diesen mehr als sieben Kilometer entfernten Turm blickt. Wir hoffen sehr, dass der Landrat die Genehmigung ablehnt, da sonst ein sorgenfreies Wohnen für uns hier nicht mehr möglich wäre.“

Wilfried Frandrup-Lammertmann: „Unsere Hofstelle liegt in einer Entfernung von nur etwa 580 Metern. Unsere Familie hat Angst vor der Schallbelastung und vor den möglichen Auswirkungen des Infraschalls, den diese Anlagen aussenden. Viele Havixbecker, die sich in sicherer Entfernung wähnen, würden wohl sagen: Hätten wir dieses Ausmaß geahnt, dann hätten wir uns dem Protest frühzeitig angeschlossen.“

Uta  Mormann , Pferdehof Mormann: „Meine Familie betreibt unseren Hof seit Generationen. Ich lebe hier mit meinem Mann, unseren Kindern und weiteren Familienmitgliedern. Die Aufrechterhaltung unseres touristischen Angebots würde durch den Bau dieser Anlagen in nur 600 Meter Entfernung unmöglich gemacht. Es ist hinreichend bekannt, wie empfindlich Pferde auf derartige Industrieanlagen reagieren. Was glauben sie, wie Eltern entscheiden, wenn sie die Wahl haben: Ponyurlaub für die Kinder auf einem Hof in naturnaher Umgebung oder direkt neben derartigen Windkraftmonstern?“

Franz SchulzeSchleithoff, Ponyhof Schleithoff: „Seit mehr als 50 Jahren bietet unsere Familie hier am Standort Reittourismus in vielfältiger Form an, mit rund 8000 Übernachtungen pro Jahr. Unsere Gäste kommen aus allen Teilen der Welt, um in unserer naturnahen Umgebung geführte Ausritte in die Münsterländer Parklandschaft zu unternehmen und hier ihren Urlaub zu verbringen. Die übermächtige Präsenz dieser 200 Meter hohen Anlagen würde die ländliche Idylle, von der unser Familienunternehmen lebt, nachhaltig zerstören.“

Heinrich Schleinersen, Schleinershof: „Unsere Familie führt in Herkentrup seit Generationen eine Hofstelle mit Pensionspferden und Gästezimmern für naturnahen Landurlaub. Unsere Betriebsgrundlage ist die Schönheit der noch intakten Landschaft. All diese Voraussetzungen würden durch die geplanten Anlagen vernichtet. Die Vielzahl an Einwendungen gegen die Planungen zeigt, wie wenig Akzeptanz es für die monströsen Anlagen gibt. Wir appellieren an alle Ratsmitglieder, das gemeindliche Einvernehmen weiterhin zu versagen und damit Gesundheit, Existenzen und Lebensqualität zu sichern. Bestimmt werden sich viele Havixbecker an dieser Entscheidung orientieren, wenn sie zur Kommunalwahl gehen.“

Heinrich Schleinerjr.: „Unser Hof liegt nur etwa 550 Meter von einer der geplanten Anlagen entfernt. Kürzlich wurde durch Professor Vahl von der Uniklinik Mainz nachgewiesen, wie sehr Infraschall die Leistung des Herzmuskels beeinträchtigt. Diese Befunde müssen von der Politik ernst genommen werden, damit die Menschen nicht dauerhaft diesem Infraschall ausgesetzt werden. Die mögliche Errichtung dieser gigantischen Windkraftanlagen bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust der bäuerlichen Kulturlandschaft und die Umwandlung unserer Heimat in ein Industriegebiet.“

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