Fahrradfahren und Corona-Krise In der Corona-Krise entdecken Menschen die Freude an der Bewegung In der Corona-Krise entdecken Menschen die Freude an der Bewegung
Vom Glück, herumzufahren Vom Glück, herumzufahren Vom Glück, herumzufahren

HavixbeckDrensteinfurtDrensteinfurt -

Viele Branchen leiden unter der Corona-Pandemie. Auch die Fahrradgeschäfte waren anfangs betroffen. Zuletzt konnten sie aber wieder Boden gutmachen. Die Inhaber der beiden Havixbecker Unternehmen freuen sich jedenfalls, dass viele Menschen wieder in den Sattel steigen.

In der Corona-Krise waren es Toilettenpapier und Nudeln, die zeitweise vergriffen waren – derzeit sind es Fahrräder, die schwer zu haben sind. In einer Zeit, wo man nur begrenzt Reisen darf, haben die Menschen das Radfahren wieder entdeckt. Zwei Fahrradgeschäfte berichten.

In der Corona-Krise waren es Toilettenpapier und Nudeln, die zeitweise vergriffen waren – derzeit sind es Fahrräder, die schwer zu haben sind. In einer Zeit, wo man nur begrenzt Reisen darf, haben die Menschen das Radfahren wieder entdeckt. Zwei Fahrradgeschäfte berichten.

Dienstag, 28.07.2020, 07:14 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 17:06 Uhr
Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Fahrrad als Sportgerät und Fortbewegungsmittel entdeckt.
Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Fahrrad als Sportgerät und Fortbewegungsmittel entdeckt. Foto: Imago

In der Corona-Krise waren es Toilettenpapier und Nudeln, die zeitweise vergriffen waren – derzeit sind es mancherorts Fahrräder, die schwer zu haben sind. In einer Zeit, wo man nur begrenzt reisen darf, haben die Menschen das Radfahren wieder entdeckt. Zwei Fahrradgeschäfte berichten.

Corona ändert alles. Just in dem Moment, als die Menschen begannen, die guten sportlichen Frühjahrsvorsätze umzusetzen, kam das Virus. Die Körperumfänge entwickelten sich konträr zum Wirtschaftswachstum, alle blieben aus Angst vor Ansteckung zu Hause, depressive Verstimmungen und körperliche Unbeweglichkeit sorgten bei den Krankenkassen für Nervosität. Völlig unbegründet, wie man heute weiß – die Menschen fingen aus eigenem Antrieb heraus an, Hanteln zu stemmen, zu joggen und die allermeisten begrüßten den Sommer auf dem Fahrrad.

Nur kurz war die Zeit, in der die Zweiradhändler wegen der unsicheren Gefährdungslage schließen mussten, danach hatten sie Mühe, die Nachfrage zu bedienen.

„Unsere Werkstatt durften wir weiter betreiben, denn sie zählte zum so genannten Grundbedarf“, erzählt Jan-Christopher Hensmann vom Havixbecker Fahrradgeschäft Radkult an der Hauptstraße 45, dessen vier Werkstatt-Mitarbeiter (Hensmann: „Ab August werden es fünf sein, denn wir haben einen weiteren Auszubildenden eingestellt“) viel zu tun hatten.

Längst ist auch der Verkauf wieder angelaufen. Die Nachfrage sei seitdem extrem. „Wir können es gar nicht an einzelnen Artikeln festmachen. Nachgefragt werden Fahrräder in allen Preisklassen: E-Bikes, Trekking-Bikes, aber auch Zubehör wie Helme und auch Sättel“, berichtet Hensmann, der sich seinen eigenen Reim darauf gemacht hat: „Die Leute können in dieser Corona-Zeit halt nicht so viel machen und haben das Fahrrad wieder für sich entdeckt. Sie sind an der frischen Luft und die Ansteckungsgefahr ist gering.“

Lieferengpässe hat es bisher bei Radkult kaum gegeben. „Klar, die Sättel der Firma Selle Royal etwa, die in Italien produziert werden, sind momentan nicht zu bekommen. Doch das sind Einzelfälle. Insgesamt haben wir eigentlich das meiste vorrätig, da wir seit sechs Jahren in Havixbeck am Markt sind, jährlich ein gutes Wachstum hatten und entsprechend auch für 2020 mehr geordert hatten“, so Hensmann.

Am meisten verkauft er inzwischen E-Bikes. Konnte er im Vorjahr noch zwei, drei Modelle benennen, die am besten verkauft wurden, hat sich das inzwischen gewandelt: „Alles wird gekauft. Am beliebtesten sind aber natürlich weiterhin Tiefeinsteiger mit Rücktrittsbremse und bequeme Tourenräder. Aber auch sportliche Räder mit E-Antrieb sind stark nachgefragt.“ Auffällig sei auch, dass die E-Bike-Fahrer immer jünger würden. „Das liegt sicherlich auch daran, dass immer mehr Arbeitgeber das Dienstrad-Leasing für sich entdeckt haben.“

Insgesamt ist Hensmann sehr zufrieden. Und er ist demütig. „Ich bis mir durchaus bewusst, dass die Corona-Pandemie andere Branchen um ein Vielfaches härter getroffen hat.“

Mit der Firma Bike Sport Michael Günther gibt es noch ein weiteres Fahrrad-Fachgeschäft in Havixbeck. Im Ladenlokal an der Hohenholter Straße 24 erwartet die Kunden eine große Auswahl an E-Bikes, Rennräder, Gravel- und Mountainbikes. Inhaber Michael Günther musste zu Beginn der Pandemie durch die Schließung seines Geschäftes starke Einnahmeverluste hinnehmen: „Ich habe zwar noch keine genauen Zahlen vorliegen, doch inzwischen haben wir die Verluste wieder einigermaßen aufgefangen.“

Gerade bei den Rädern und Ersatzteilen, die nicht in Deutschland produziert würden, sei es auch bei ihm zu Lieferengpässen gekommen. „Und weil gleichzeitig die Nachfrage stark gestiegen ist, können einige bereits bestellte Räder leider erst gegen Ende des Jahres ausgeliefert werden.“ Auch Michael Günther hat beobachtet, dass die E-Bike-Fahrer immer jünger werden. Das habe aber nichts damit zu tun, dass die Menschen immer unsportlicher würden. Günther: „Ich glaube vielmehr, dass die E-Bikes immer sportlicher werden und damit auch jüngere Gruppen ansprechen.“

Corona ändert alles. Just in dem Moment, als die Menschen begannen, die guten sportlichen Frühjahrsvorsätze umzusetzen, kam das Virus. Die Körperumfänge entwickelten sich konträr zum Wirtschaftswachstum, alle blieben aus Angst vor Ansteckung zu Hause, depressive Verstimmungen und körperliche Unbeweglichkeit sorgten bei den Krankenkassen für Nervosität. Völlig unbegründet, wie man heute weiß – die Menschen fingen aus eigenem Antrieb heraus an, Hanteln zu stemmen, zu joggen, zu wandern, und die allermeisten begrüßten den heranbrechenden Sommer auf dem Fahrrad.

Viele Händler stehen komplett leer

Nur kurz war die Zeit, in der die Zweiradhändler wegen der unsicheren Gefährdungslage schließen mussten, danach hatten sie Mühe, die Nachfrage zu bedienen.

„Dadurch, dass die Lieferketten vor allem aus Italien und China unterbrochen sind, stehen viele Händler komplett leer“, sagt Marc Mürmann. „Wir hatten Glück, dass wir so eingekauft haben, dass wir derzeit noch alle Anfragen bedienen können.“ In der Mitte des Jahres erwartet er sogar noch eine weitere Lieferung.

Erst zu Beginn des Jahres zog er mit seinem Betrieb in die neuen Hallen an der Konrad-Adenauer-Straße. Eine große Einweihungsfeier und eine Fahrradmesse waren geplant. Corona machte ihm dabei einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Einige schlaflose Nächte, das räumt er ein, habe ihm die Situation bereitet. „Das Virus hat uns im Frühjahr schon ordentlich eingebremst“, blickt er zurück. Nach wenigen Wochen durfte er seine Werkstatt wieder öffnen. Die Leute kamen und ließen ihre Räder wieder fahrbereit machen. „Viele sind offenbar wieder auf den Geschmack gekommen“, sagt er.

Käufer nehmen weite Fahrten auf sich

Vier Mitarbeiter beschäftigt er in der Werkstatt. Diese haben mit Beginn dieser Zeit gut zu tun. Längst ist auch der Verkauf wieder angelaufen. Die Absatzzahlen seien nicht „exorbitant gestiegen“, wie Mürmann sagt. Er merke aber, dass Kunden aus dem Emsland, aus Dinslaken und sogar aus Stuttgart bei ihm kaufen. „Offenbar sind Fahrräder nicht überall mehr verfügbar.“ Das Problem könnte die zweite Saisonhälfte werden, wie er befürchtet. Zwar sei bei einigen Herstellern die Produktion wieder angelaufen, man müsse aber abwarten, wie sich die Nachfrage entwickelt. „Es wäre schon sehr ärgerlich, wenn Tretlager oder eine Gangschaltung fehlt – dann kann das Rad ja nicht verkauft werden.“

Die Feier zur Neueröffnung am neuen Standort sei indes nur eine Frage der Zeit. „Ich habe da was im Kopf. Wenn alles glatt läuft, dann holen wir das im Frühjahr 2021 nach. So ein Anlass muss einfach gefeiert werden“, sagt er.

Ähnlich schildert die Lage Annette Dortmann, die das gleichnamige Fahrradgeschäft an der Schützenstraße mit ihrem Mann Norbert führt. Sie allerdings nimmt eine stark gestiegene Nachfrage wahr – vor allem nach E-Bikes und Pedelecs. „Es gibt einige Modelle, die sind bereits vergriffen und auch erst im Herbst, ab September oder Oktober, wieder lieferbar“, sagt sie. „Wir haben derzeit weder die Kapazitäten in der Werkstatt, noch die Ersatzteile, um alle Kunden so zufriedenzustellen, wie wir das gerne möchten.“

Auch Zweirad Dortmann startete mit der Öffnung der Werkstatt. Dann begann der Run auf die Fahrräder. „Die Kreuzfahrt, die ausgefallen ist, haben die Leute in die Räder investiert“, sagt die Geschäftsinhaberin scherzhaft. Viele nutzen ihre freie Zeit und den stornierten Urlaub, um aufs Rad zu steigen. Annette Dortmann weiß um ihr Glück: „Anders als andere profitiert unsere Branche davon, dass Reisen nur eingeschränkt möglich ist. Wir dürfen uns da durchaus glücklich schätzen.“

Drei Fragen an: David Eisenberger (Zweirad-Industrie-Verband)

 

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Corona ändert alles. Just in dem Moment, als die Menschen begannen, die guten sportlichen Frühjahrsvorsätze umzusetzen, kam das Virus. Die Körperumfänge entwickelten sich konträr zum Wirtschaftswachstum, alle blieben aus Angst vor Ansteckung zu Hause, depressive Verstimmungen und körperliche Unbeweglichkeit sorgten bei den Krankenkassen für Nervosität. Völlig unbegründet, wie man heute weiß – die Menschen fingen aus eigenem Antrieb heraus an, Hanteln zu stemmen, zu joggen, zu wandern, und die allermeisten begrüßten den heranbrechenden Sommer auf dem Fahrrad.

Viele Händler stehen komplett leer

Nur kurz war die Zeit, in der die Zweiradhändler wegen der unsicheren Gefährdungslage schließen mussten, danach hatten sie Mühe, die Nachfrage zu bedienen.

„Dadurch, dass die Lieferketten vor allem aus Italien und China unterbrochen sind, stehen viele Händler komplett leer“, sagt Marc Mürmann. „Wir hatten Glück, dass wir so eingekauft haben, dass wir derzeit noch alle Anfragen bedienen können.“ In der Mitte des Jahres erwartet er sogar noch eine weitere Lieferung.

Erst zu Beginn des Jahres zog er mit seinem Betrieb in die neuen Hallen an der Konrad-Adenauer-Straße. Eine große Einweihungsfeier und eine Fahrradmesse waren geplant. Corona machte ihm dabei einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Einige schlaflose Nächte, das räumt er ein, habe ihm die Situation bereitet. „Das Virus hat uns im Frühjahr schon ordentlich eingebremst“, blickt er zurück. Nach wenigen Wochen durfte er seine Werkstatt wieder öffnen. Die Leute kamen und ließen ihre Räder wieder fahrbereit machen. „Viele sind offenbar wieder auf den Geschmack gekommen“, sagt er.

Käufer nehmen weite Fahrten auf sich

Vier Mitarbeiter beschäftigt er in der Werkstatt. Diese haben mit Beginn dieser Zeit gut zu tun. Längst ist auch der Verkauf wieder angelaufen. Die Absatzzahlen seien nicht „exorbitant gestiegen“, wie Mürmann sagt. Er merke aber, dass Kunden aus dem Emsland, aus Dinslaken und sogar aus Stuttgart bei ihm kaufen. „Offenbar sind Fahrräder nicht überall mehr verfügbar.“ Das Problem könnte die zweite Saisonhälfte werden, wie er befürchtet. Zwar sei bei einigen Herstellern die Produktion wieder angelaufen, man müsse aber abwarten, wie sich die Nachfrage entwickelt. „Es wäre schon sehr ärgerlich, wenn Tretlager oder eine Gangschaltung fehlt – dann kann das Rad ja nicht verkauft werden.“

Die Feier zur Neueröffnung am neuen Standort sei indes nur eine Frage der Zeit. „Ich habe da was im Kopf. Wenn alles glatt läuft, dann holen wir das im Frühjahr 2021 nach. So ein Anlass muss einfach gefeiert werden“, sagt er.

Ähnlich schildert die Lage Annette Dortmann, die das gleichnamige Fahrradgeschäft an der Schützenstraße mit ihrem Mann Norbert führt. Sie allerdings nimmt eine stark gestiegene Nachfrage wahr – vor allem nach E-Bikes und Pedelecs. „Es gibt einige Modelle, die sind bereits vergriffen und auch erst im Herbst, ab September oder Oktober, wieder lieferbar“, sagt sie. „Wir haben derzeit weder die Kapazitäten in der Werkstatt, noch die Ersatzteile, um alle Kunden so zufriedenzustellen, wie wir das gerne möchten.“

Auch Zweirad Dortmann startete mit der Öffnung der Werkstatt. Dann begann der Run auf die Fahrräder. „Die Kreuzfahrt, die ausgefallen ist, haben die Leute in die Räder investiert“, sagt die Geschäftsinhaberin scherzhaft. Viele nutzen ihre freie Zeit und den stornierten Urlaub, um aufs Rad zu steigen. Annette Dortmann weiß um ihr Glück: „Anders als andere profitiert unsere Branche davon, dass Reisen nur eingeschränkt möglich ist. Wir dürfen uns da durchaus glücklich schätzen.“

Drei Fragen an: David Eisenberger (Zweirad-Industrie-Verband)

 

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