Freibadbesuch leidet unter Corona und dem Wetter
Eine ganz ungewöhnliche Saison

Havixbeck -

600 Besucher könnten inzwischen wieder das Freibad in Havixbeck besuchen. Doch selbst an Spitzentagen kommen lediglich knapp 400. Schuld ist neben der Corona-Pandemie auch das Wetter.

Freitag, 31.07.2020, 06:50 Uhr
Das Havixbecker Freibad in Corona-Zeiten und bei durchwachsenem Wetter. Da ist für Georg Börger (hinten) und seinen Mitarbeiter Hashem Hadi die Besucherzahl bedauerlich überschaubar.
Das Havixbecker Freibad in Corona-Zeiten und bei durchwachsenem Wetter. Da ist für Georg Börger (hinten) und seinen Mitarbeiter Hashem Hadi die Besucherzahl bedauerlich überschaubar. Foto: Frank Vogel

„Ja, es ist schon ein bisschen komisch für uns.“ Georg Börger , Betriebsleiter im Havixbecker Freibad, kann sich an diesem Nachmittag ganz entspannt unterhalten. Im Nichtschwimmerbecken tollen drei Jugendliche herum, im Schwimmerbecken ziehen zwei Stammgäste im 24 Grad warmen Wasser ihre Bahnen. Diese Saison ist nicht nur wegen der Corona-Krise ungewöhnlich. Sie leidet auch unter dem durchwachsenen Wetter. „Wenn wir am Ende auf 15 000 Badegäste kommen, dann wäre ich schon froh.“ In normalen Jahren ist der Schwimmmeister erst bei 30 000 Gästen zufrieden.

Dabei könnten bis zu 600 Besucher ins Freibad kommen. Am Anfang der Saison unter Corona-Bedingungen hatte die Grenze noch bei 400 Personen gelegen. Aber als sich die neuen Regeln – wie online anmelden, Mund-Nasen-Bedeckung beim Reinkommen tragen, Abstand wahren – eingespielt hatten und es gut lief, da wurde sie auf 600 Personen hochgesetzt. „Die haben wir aber noch nicht erreicht, an warmen Tagen haben wir schon mal an der 400er-Grenze gekratzt, das war es aber auch schon“, berichtet Georg Börger.

Anruf beim Bäderteam möglich

Was gut war: Auch an den besucherstärkeren Schönwettertagen bildeten sich keine langen Schlangen. Viele Gäste haben die Formulare, die man zur Nachverfolgung bei etwaigen Ansteckungen ausfüllen muss, schon zu Hause heruntergeladen und die notwendigen Daten eingetragen. Um Gedränge zwischen hereinkommenden und gehenden Gästen zu vermeiden, hat das Bäderteam ein mobiles Kassenhäuschen aufgestellt, an dem die Gäste mit der Endzeit ausgetragen werden. Besetzt werden die Kassen mit den Damen der Mensa, die wegen der Schulausfälle noch Stunden übrig hatten, oder jetzt mit Aushilfen.

Diese Lockerungen der Corona-Regeln gelten seit dem 15. Juli

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  • Lockerungen ab Mittwoch

    In Nordrhein-Westfalen werden die Corona-Regeln an diesem Mittwoch wieder etwas gelockert. Das wird vor allem die Menschen freuen, die ein großes Fest feiern wollen. 

    Foto: Jens Kalaene
  • Erleichterungen bei Festen und Feiern

    Private Feste aus einem besonderen Anlass wie zum Beispiel Geburtstage, Taufen, Hochzeiten und Abschlussfeiern sind nun mit 150 Gästen erlaubt, also deutlich mehr als die bisherigen 50.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Maskenpflicht und Abstandsregeln bleiben

    Trotz dieser Lockerung gelten die drei Grundregeln weiter: Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen und die Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten sicherstellen.

    Foto: Boris Roessler
  • Mehr Möglichkeiten beim Sport 

    Beim Kontaktsport in der Halle sind statt der bisher 10 dann 30 Teilnehmer erlaubt. Zuschauen dürfen bei Sportveranstaltungen 300 statt der bisher 100.

    Foto: Christina Pohler
  • Hygienekonzept ab 300 Leuten

    Bei Kultur und sonstigen Veranstaltungen muss ein Hygienekonzept erst bei 300 Teilnehmern vorgelegt werden und nicht mehr schon bei 100

    Foto: Oliver Berg
  • Änderungen in der Coronaeinreiseverordnung

    Änderungen gibt es in der Coronaeinreiseverordnung für Beschäftigte aus kritischen Infrastrukturen: Wer aus dem Sommerurlaub oder vom Verwandtschaftsbesuch aus Corona-Risikogebieten zurückkommt, ist nicht mehr automatisch von der Quarantänepflicht ausgenommen. Er ist das nur nach einem negativen Test. 

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Es ist ein zusätzlicher Aufwand. Genau wie das regelmäßige Reinigen und Desinfizieren der kleinen Familienumkleiden, um das sich Georg Börger und seine Mitarbeiter Volker Mucks, Sonja Tillmann, Hashem Hadi und Azubi Nesim Cingöz kümmern. Diese kleinen Umkleiden, die das Team scherzhaft „Kartoffelkisten“ nennt, dürfen benutzt werden, die Sammelumkleiden nicht, genauso wenig die warmen Duschen im Sanitärgebäude. „Wir könnten diese Duschen inzwischen sogar wieder in Betrieb nehmen“, sagt Georg Börger, aber da die Raumsituation sehr beengt ist, sei das Risiko zu groß. Aber die meisten Gäste kommen mit den kalten Duschen im Zugang zu den Becken zurecht. „Die Älteren besser als die Jungen“, lacht Börger.

Apropos: die Älteren. Wer als Seniorin oder Senior mit der Online-Anmeldung nichts anfangen kann, der darf auch beim Bäderteam anrufen. „Wir füllen das Formular dann schon aus, und wenn der Gast kommt, braucht er nur noch zu unterschreiben.“ Die älteren Stammkunden greifen auf diese Möglichkeit gerne zurück.

Laufkundschaft fehlt

Deren Zahl indes ist überschaubar. „Normalerweise haben wir um die 60 Stammgäste, im Moment sind es 30 bis 35“, berichtet Georg Börger. Da habe mancher auch einfach Angst, sich zu infizieren, weiß er. Ähnlich ist das wohl auch bei der DLRG, die ihre Trainingsaktivitäten auf das Training der Aktiven reduziert hat. Wo sich sonst um die 20 Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer fit halten, sind es zurzeit sechs bis acht Leute, beobachtet Georg Börger.

Fehlen tut auch die Laufkundschaft. Gäste, die einfach mal vorbeikommen, oder Gäste, die von außerhalb kommen. In den westlichen Stadtteilen Münsters wird das Havixbecker Freibad wegen seines familiären Charakters geschätzt. Wenn diese Auswärtigen kommen und sich vorher nicht online angemeldet haben, ist das Bäderteam nicht kleinlich und schickt die Gäste nicht nach Hause. Solange die Massen nicht ins Bad drängen, geht einiges.

Die Gäste, die da sind, sind zufrieden. Das Bäderteam ist es nicht. „Wir würden gerne mehr machen. Schade, dass nur so wenige Gäste kommen. Platz genug haben wir hier, um den geforderten Abstand einhalten zu können. Und die Gäste sind auch rücksichtsvoll und achten auf diese Vorgaben.“ Trotzdem: So richtig will die Saison nicht in die Gänge kommen. Und nächstes Jahr? „Ich hoffe, dass es dann wieder normal läuft“, so Georg Börger. „Aber sicher sein kann man sich leider nicht.“

Regeln für den Freibadbesuch

Auf der Homepage des Havixbecker Freibads hat das Bäderteam einige Regeln aufgeführt, die beim Besuch zu beachten sind: Zeitgleich dürfen sich nur maximal 600 Badegäste im Freibad aufhalten, um die Abstandsregel einhalten zu können. Diese gilt sowohl in den Schwimmbecken wie auch auf der Wiese und beim Anstehen vor dem Eingang und dem Kiosk. Weil die Sammelumkleiden nicht geöffnet werden dürfen, ist es vorteilhaft, bereits umgezogen ins Schwimmbad zu kommen.

Geschlossen bleiben die Warmduschen im Sanitärgebäude, zur Verfügung stehen den Besuchern nur die Brausen an den Durchschreitebecken. Aus hygienischen Gründen werden keine Liegen oder Strandkörbe zur Verfügung gestellt. Damit die 600-Badegäste-Regel eingehalten werden kann, ist eine Online-Anmeldung über die Homepage notwendig. Dort kann die aktuelle Besucherzahl jederzeit eingesehen werden, und das Kontaktformular kann heruntergeladen und bereits zu Hause ausgefüllt werden.

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