Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten
Respektvoll, fair und aufschlussreich

Havixbeck -

Bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion stellten sich die drei Havixbecker Bürgermeisterkandidaten Ludger Messing (SPD), Jörn Möltgen (Grüne) und Thorsten Webering (CDU) auch den Fragen des Publikums.

Montag, 17.08.2020, 19:01 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 18:48 Uhr
Freuten sich auf die sehr gut besuchte öffentliche Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl (v.l.): Ludger Messing (SPD), Pfarrer Dr. Oliver Kösters (Ökumenischer Arbeitskreis), Jörn Möltgen (Grüne), Moderator Stefan Werding, Thorsten Webering (CDU) und Udo Sistermann (Ökumenischer Arbeitskreis).
Freuten sich auf die sehr gut besuchte öffentliche Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl (v.l.): Ludger Messing (SPD), Pfarrer Dr. Oliver Kösters (Ökumenischer Arbeitskreis), Jörn Möltgen (Grüne), Moderator Stefan Werding, Thorsten Webering (CDU) und Udo Sistermann (Ökumenischer Arbeitskreis). Foto: Frank Vogel

In dieser Form war es eine Premiere für Havixbeck. Der Ökumenische Arbeitskreis hatte die drei Bürgermeisterkandidaten Ludger Messing (SPD), Jörn Möltgen (Grüne) und Thorsten Webering ( CDU ) zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion unter Corona-Bedingungen ins Forum der Anne-Frank-Gesamtschule eingeladen. Und die Drei waren gerne gekommen, wie sie übereinstimmend bekannten. Denn die Pandemie hat den gewohnten Wahlkampf, bei dem die persönliche Begegnung mit den Bürgerinnen und Bürgern eine entscheidende Rolle spielt, weitgehend verhindert.

Und auch die Podiumsdiskussion am Freitagabend war nur mit einem Hygienekonzept möglich, das der Arbeitskreis entwickelt hatte. Dass sich die Mühe gelohnt hat, zeigte das volle Forum (plus Zuschauer, die den Abend am Lautsprecher vor dem Gebäude live mitverfolgten) und der Beifall des Publikums am Ende der Veranstaltung. Er war der Dank an den Arbeitskreis, für den Pfarrer Dr. Oliver Kösters Udo Sistermann und Vinzenz Mersmann besonders hervorhob. Der Beifall galt aber auch WN-Redakteur Stefan Werding, der die Kandidaten souverän und humorvoll befragte, und natürlich den Kandidaten, die respektvoll und fair miteinander umgingen.

Thorsten Webering, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat, sieht Havixbeck sehr gut aufgestellt. Er sei stolz, „dass meine Kinder hier aufwachsen können“. Natürlich müsse bei den Kitas nachgebessert werden, sollten aus den Provisorien feste Einrichtungen werden, sollen weitere Plätze entstehen, da seien die Planungen auf dem Weg. Gerade Sozialpolitik sei in Havixbeck etwas, bei dem die Parteien an einem Strang zögen, betonte er. Bei der Gemeindeentwicklung strebe er ein Verkehrskonzept an mit einem Mix aus der geplanten Veloroute, dem Bahnhof als Mobilitätsknotenpunkt, mit Fahrradboxen, E-Rad-Ladestation und einem optimierten Busverkehr. Das neue Wohngebiet an der Münsterstraße wolle man als Klimaquartier entwickeln. Die kritische Anmerkung aus dem Publikum, dass die CDU bei der Klimapolitik sehr schwankend sei, konterte Webering: „Wir sind eine neue Mannschaft, und uns ist das wichtig.“

Jörn Möltgen hatte weitere Bausteine für ein Verkehrskonzept, On-demand-Linien mit auf Abruf fahrenden Kleinbussen, eine Mitfahrer-App und Lastenräder. Eine weitere, seiner Meinung nach bessere Veloroute über die Herkentruper Straße müsse es geben (Thorsten Webering fand die geplante über die Münsterstraße ausreichend, Ludger Messing plädierte für den zusätzlichen Ausbau der Verbindung über Hohenholte). An der Münsterstraße sollte ein „energetisch neutrales Baugebiet“ entstehen. Geförderten Wohnraum müsse es geben, auch Grundstücke, bei deren Vergabe Kriterien wie die ehrenamtliche Tätigkeit und nicht nur das Geld zähle. Unter dem Stichwort „Bürgerkommune“ wünsche er sich eine kontinuierliche Bürgerbeteiligung bei gemeindlichen Planungsprozessen. Das koste doch viel zu viel Zeit, kritisierte ein Zuhörer. Nein, so Möltgen, das glaube er nicht. Und wenn, dann werde das überwogen durch eine größere Akzeptanz aus der beteiligten Bürgerschaft, was im späteren Verlauf des Prozesses dann auch beschleunigen könne.

Beim Thema Verkehr erklärte Ludger Messing, dass er mit der SPD seit 40 Jahren die Osttangente fordere, „und ich freue mich, dass es jetzt endlich doch noch was werden könnte“. Fahrradstraßen mit Vorrang für Radler seien auch in Havixbeck möglich, der Bahnhof müsse ausgebaut werden, er könne sich auch einen Kulturraum in dem vorhandenen Schuppen vorstellen, das Möbelmagazin müsse man dann natürlich adäquat an anderer Stelle unterbringen. Auch den bezahlbaren Wohnraum fordere seine Partei nicht erst für das zukünftige Wohngebiet an der Münsterstraße, sondern seit vielen Jahren. Damit ist sie inzwischen allerdings nicht mehr alleine. „Die anderen haben das jetzt auch gemerkt.“ Für ihn seien auch dreigeschossige Gebäude denkbar, dass das gleichbedeutend mit einem sozialen Brennpunkt sei, halte er für „Quatsch“.

Beim Thema Anne-Frank-Gesamtschule gab es nur eine Meinung unter den Kandidaten: Sie muss auf jeden Fall gehalten und gestärkt werden. Auch Jörn Möltgen, dem aus dem Publikum vorgehalten wurde, dass seine Grünen-Fraktion in Münster in Roxel eine Gesamtschule einrichten wolle, was die AFG bedrohe, bekannte sich dazu. Er persönlich habe Roxel immer für den falschen Standort gehalten, sei seiner Partei aber öffentlich nicht in den Rücken gefallen.

Überzeugt zeigten sich alle drei Kandidaten auch davon, dass sie eine Verwaltung führen können, verwiesen auf ihre zum Teil jahrelange Erfahrung. Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten sich ein Bild machen, nicht nur über die Inhalte, sondern auch über das Auftreten und die Überzeugungskraft der Kandidaten. Wie sagte Stefan Werding am Ende augenzwinkernd: „Wenn Sie jetzt noch nicht wissen, wen Sie wählen sollen, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.“

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