Protest gegen 240 Meter hohe Anlagen in Bösensell
Der Gegenwind frischt auf

Bösensell/Havixbeck -

Der Widerstand gegen die geplanten Windkraftanlagen in Bösensell wird stärker und formiert sich. Dazu kooperieren die Gegner der Anlagen auch über Gemeindegrenzen hinweg, darunter auch von den Nachbarn aus Havixbeck.

Donnerstag, 20.08.2020, 21:11 Uhr aktualisiert: 21.08.2020, 11:30 Uhr
Groß war die Resonanz auf die Einladung der Interessengemeinschaft "Gegenwind Bösensell".
Groß war die Resonanz auf die Einladung der Interessengemeinschaft "Gegenwind Bösensell". Foto: di

Der Gegenwind frischt auf – und er bläst von allen Seiten. Denn: Die Pläne eines Investors, in Bösensell zwei Windkraftanlagen zu errichten, treffen auf erheblichen Widerstand. Und der formiert sich, wie sich auf einer sehr gut besuchten Versammlung zeigte, zu der die Interessengemeinschaft „Gegenwind Bösensell“ am Mittwochabend in die Bauerschaft Alvingheide eingeladen hatte. Nur ein paar Hundert Meter entfernt vom anvisierten Standort der Rotoren wurden die Kräfte gebündelt.

Initiativen bündeln Kräfte

Die Initiativen „Gegenwind Ottmarsbocholt“ und „Gegenwind Bösensell“ verstärken ihren Austausch und wollen einen engen Schulterschluss aller Windkraft-Gegner in ganz Senden herbeiführen. Sie kooperieren aber auch mit Partnern in Havixbeck (an deren Gemeindegrenze die geplanten Anlagen in der Alvingheide liegen würden) sowie Nottuln und Roxel, mit denen Pläne abgestimmt werden sollen. Wobei Andreas Braem, der als Moderator aus dem Kreis der Initiative fungierte, betonte, dass nicht Windkraft generell abgelehnt oder gar der Klimawandel geleugnet werde, sondern sich der Widerstand an dem Standort entzündet. Zumal es die geplanten Anlagen auf eine Gesamthöhe (Rotorspitze) von 240 Metern bringen.

Zu den Rednern in Bösensell zählten Ralf Boiko (l. Bürgerinitiative Gegenwind Ottmarsbocholt) und Altbürgermeister Alfred Holz.

Zu den Rednern in Bösensell zählten Ralf Boiko (l. Bürgerinitiative Gegenwind Ottmarsbocholt) und Altbürgermeister Alfred Holz. Foto: di

Die Ausgangslage, sich gegen diese Aussicht zu wehren, und mögliche Szenarien schilderte Altbürgermeister Alfred Holz . Er schlug einen Bogen: 21 Jahre zurück, als Windkraft im Baugesetzbuch unter die privilegierten Vorhaben im Außenbereich aufgenommen wurde, und bis zur Gegenwart – der Tatsache, dass die Gemeinde Senden ihr gemeindliches Einvernehmen für die Investorenpläne in der Alvingheide versagen will. Diese Haltung war am Tag der Versammlung durch die Veröffentlichung der Vorlage für die nächste Sitzung des Gemeindeentwicklungssauschusses (GEA), der am Donnerstag (27. August) um 17 Uhr in der Halle Vollmer zusammenkommt, bekannt geworden. Holz warnte vor der Erwartung, dass damit die Pläne des Investors zum Scheitern verdammt seien. „Dessen muss man sich bewusst sein“, betonte der ehemalige Rathaus-Chef. Der Antrag auf Genehmigung der Anlagen werde beim Kreis geprüft – analog zu anderen Bauanträgen. Das gemeindliche Einvernehmen könne von Coesfeld „ersetzt“ werden. Beim Ringen der Betreiberfirma Westwind, in Bösensell zum Zuge zu kommen, so Holz, werde der bislang gültige Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2003 hinzugezogen. Sollte der einer heutigen rechtlichen Überprüfung nicht Stand halten, könne die Gemeinde die Ansiedlung kaum mehr steuern – obwohl gerade dies durch die bereits vor Jahren eingeleitete, aber nicht abgeschlossene Änderung des FNP mit seinen Konzentrationszonen im gesamten Gemeindegebiet erreicht werden sollte.

Nicht alle Politiker beziehen Position

Die Gegenwind-Initiative, die unterstrich, dass die Versammlung „keine politische Veranstaltung ist“, gab gleichwohl anwesenden Mandatsträgern die Gelegenheit das Wort zu ergreifen. Michael Wilfling (FDP) machte für seine Ablehnung der Windkraft Bedenken der Wirtschaftlichkeit, technische Gründe und Belastungen (die mehrfach genannt wurden) wie Lärm, Schattenwurf und Infraschall geltend. Dr. Axel Hengstermann und Markus Klaus (beide CDU) hoben vor allem darauf ab, dass für Bösensell keine bauliche Entwicklung blockiert werden dürfe. Jürgen Hensel, SPD-Mitglied im Umweltausschuss, pochte indes darauf, dass im Sinne der Energiewende Windkraftanlagen realisiert werden müssen. Dazu seien in einem langen Verfahren einvernehmlich Zielgebiete herauskristallisiert worden. „Jetzt muss man auch mal zum Ende kommen“, so Hensel. Der Vorsitzende des Umweltausschusses, Rolf Wiederkehr (Grüne), nutze die wiederholte Aufforderung an die Politiker, sich vor den Bürgern zu äußern, hingegen nicht. Von den WN dazu befragt, sagte Wiederkehr: Er habe sich erst einmal die Argumente in der Versammlung anhören und nicht eine Einzelposition vertreten wollen, ohne sich mit der Fraktion abzustimmen.

Für die BI „Gegenwind Ottmarsbocholt“ mahnte Ralf Boiko, die „Fehler“, die im Gebiet Aldenhövel/Ottmarsbocholt gemacht wurden, nicht zu wiederholen. Die Bürger dürften „nicht erst wach werden, wenn die Anlage schon da steht“.

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