Stift Tilbeck: Herausforderung Corona-Alltag
Zusammenhalt ist gewachsen

Havixbeck -

Die Werkstatt der Stift Tilbeck GmbH ist für Mitarbeiter und beschäftige ein ganz besonderer Ort. Groß ist die Freude, das Stück für Stück der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte.

Sonntag, 30.08.2020, 21:55 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 18:42 Uhr
In der Tilbecker Werkstatt sind an den Arbeitsplätzen Trennwände aus Plexiglas aufgestellt worden.
In der Tilbecker Werkstatt sind an den Arbeitsplätzen Trennwände aus Plexiglas aufgestellt worden. Foto: Stift Tilbeck

Die Pandemie hält alle immer noch in Atem. Eine ungewisse Zeit, die es so gut wie möglich zu meistern gilt. Auch die Stift Tilbeck GmbH schaut auf die kommenden Zeiten, in denen wieder mehr möglich ist, sie aber bei jedem Schritt die Verantwortung für die Menschen in ihrer Einrichtung im Blick haben muss. „Das ist ein ständiges Abwägen und Herantasten an die Lockerungen unter Berücksichtigung politischer Entscheidungen, die sich in der praktischen Umsetzung häufig als Herausforderung erweisen“, berichtet das Stift Tilbeck.

Seit nunmehr einer Woche ist die Werkstatt der Stift Tilbeck GmbH wieder geöffnet, und das heißt, dass nun viele Menschen mit Behinderung nach langer Zeit endlich wieder an ihren Arbeitsplatz dürfen. Die Freude darüber ist groß. Endlich darf wieder gearbeitet werden, man trifft Freunde und Kollegen und eine Normalität kehrt wieder ein, die dem Alltag vor Corona gleicht. Und doch ist Vieles ganz anders: Arbeitsplätze sind mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt, vor dem Eintritt in die Werkstatt werden Hände desinfiziert, Fieber gemessen und der Mund-Nasenschutz gewechselt. Auch die Begrüßung fällt nun recht karg aus, anstatt der freudigen Umarmungen nickt man sich zu, wirft ein „Hallo“ in den Raum oder winkt. Regeln, so sagen es die Mitarbeitenden in der Werkstatt, an die man immer wieder erinnern muss.

Claus Tenbrinck, für die operative Koordination der Produktion in der Tilbecker Werkstatt verantwortlich, steht an einem der Desinfektionsmittelspender.

Claus Tenbrinck, für die operative Koordination der Produktion in der Tilbecker Werkstatt verantwortlich, steht an einem der Desinfektionsmittelspender. Foto: Stift Tilbeck

Doch wie sah die Situation vor fünf Monaten zu Beginn der Pandemie, aus? Durch den Lockdown und die Schließung der Werkstatt standen auch die Mitarbeitenden der Werkstatt vor verschiedenen Problemen.

Claus Tenbrinck, der seit März für die operative Koordination der Produktion in der Tilbecker Werkstatt verantwortlich ist und somit zwei Wochen vor dem Ausbruch der Pandemie erst im Dienst war, musste neben seiner Einarbeitung in die neue Stelle auch noch die Schließung der Werkstatt mit der Frage, wie geht es jetzt weiter, mitorganisieren. Eine Situation, vor der viele im März standen, die aber durch die besonderen Bedingungen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen eine große Herausforderung bedeutete.

Tenbrinck berichtet, dass keine Zeit für einen Stillstand war, denn die Schließung der Werkstatt bedeutete „für uns, dass wir Kommunikation mit dem Kunden betreiben mussten, um zum einen über die Schließung zu informieren und um natürlich mit den Kunden und den Kollegen abzustimmen, was geliefert werden kann, was im Prozess ist und wie die Kapazität für Neubestellungen ist.“

Nachdem das geklärt war, musste die Produktion weitergehen und alle Aufträge konnten in dieser Zeit bearbeitet werden. Und da die Menschen mit Behinderungen nicht da sein durften, gingen die Mitarbeitenden der Werkstatt ans Werk. Ein Teil der Mitarbeitenden hat somit Aufgaben für die Produktion übernommen und ein anderer Teil in den Wohnbereichen unterstützt. „Das war mal eine ganz anderen Perspektive, zu schauen, was unsere Beschäftigten hier den ganzen Tag machen und vor allem auch leisten, davor ziehe ich wirklich den Hut!“, berichten Beate Rehorst und Andrea Lülf aus dem Sozialen Dienst.

„Die Kunden haben sich gefreut, dass wir weitergearbeitet haben“, berichtet Tenbrinck und schmunzelt noch über eine Situation, als die Gruppenleiter gemeinsam mit der Leitung der Tilbecker Werkstätten und den Produktionsleitern am Tisch gesessen haben, um Ventile zusammenzustecken.

In den Wohneinrichtungen der Menschen mit Behinderungen wurden „Homeoffice“-Arbeitsplätze eingerichtet, dazu wurden die passenden Werkzeuge und kleinere Maschinen in die Gruppen verteilt, ebenso das Material gebracht und die fertigen Teile schließlich wieder abgeholt.

Doris Holtmann hat mit Kolleginnen „bestimmt 10 000 Masken genäht“.

Doris Holtmann hat mit Kolleginnen „bestimmt 10 000 Masken genäht“. Foto: Stift Tilbeck

Doris Holtmann leitet eine Arbeitsgruppe in der Tilbecker Werkstatt und baut mit ihrer Gruppe Gepäckträger, sie ist aber auch ausgebildete Näherin und hat für einige Wochen ihren Job gewechselt, wofür sie in die Werkstatt nach Nottuln (WENO) gegangen ist, in der es eine größere Nähabteilung gibt. Gemeinsam mit Kolleginnen hat sie in dieser Zeit „bestimmt 10 000 Masken genäht“.

Vor einer großen Herausforderung sehen sich alle Mitarbeitenden in den Tilbecker Werkstätten nun, da endlich wieder alle Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt sein dürfen. Seit dem 14. Mai kommen schrittweise die Beschäftigten wieder zurück in die Werkstatt. Um das zu gewährleisten, haben die Mitarbeitenden in der Werkstatt ein umfangreiches Hygienekonzept aufgestellt, an das sich alle halten müssen. Andrea Lülf vom Sozialen Dienst ist froh um das Konzept der schrittweisen Wiederkehr: „Im Mai war schon die erste Gruppe wieder da und ich glaube, die Gruppe war wie eine Lotsengruppe, die uns gezeigt hat, wie unser Konzept funktioniert und an welchen Stellen wir nachbessern müssen. Wir haben eine große Verantwortung gegenüber unseren Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen oder ihrer Behinderung zur Risikogruppe gehören.“

Auch Doris Holtmann und Claus Tenbrinck freuen sich über die Rückkehr der Beschäftigten, es ist wieder etwas los und alle freuen sich auf die Arbeit und die Strukturen, die der Tag nun wiederhat. „Jeder achtet auf jeden und richtig gut ist, dass man sofort angesprochen wird, wenn man z.B. mal vergessen hat, den Mund-Nasenschutz überzuziehen und das ist auch gut so“, fügt Claus Tenbrinck hinzu.

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