Kulturforum Arte: Kabarett mit Robert Griess
Kritik, die richtig knallt

Havixbeck -

Tabus gibt es nicht, kein Satz ist zu gewagt: Aber die Kritik von Robert Griess sitzt. Das Kulturforum Arte hatte den Kabarettisten aus Köln eingeladen.

Dienstag, 15.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 17:04 Uhr
Der Kabarettist Robert Griess aus Köln unterhielt das Havixbecker Publikum mit seinem Programm „Hauptsache, es knallt!“.
Der Kabarettist Robert Griess aus Köln unterhielt das Havixbecker Publikum mit seinem Programm „Hauptsache, es knallt!“. Foto: Kerstin Adass

Dass einem Mann mit Donald-Trump-Maske lautstark zugejubelt wird, ist – zumindest außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika – eine Seltenheit. Wenn sich unter dieser Maske jedoch Robert Griess versteckt, der auf der Terrasse des Baumberger-Sandstein-Museums sein neues Kabarettprogramm vorstellt, ist die Begeisterung durchaus nachvollziehbar. Der vom Kulturforum Arte eingeladene Kölner unterhielt sein Havixbecker Publikum am Freitagabend mit „Hauptsache, es knallt!“.

„Das ist meine Alltagsmaske“, erklärte Robert Griess mit Verweis auf die „Visage“ des US-Präsidenten. Als Abschreckung funktioniere diese wirklich gut: „Die Leute halten sofort viel Abstand.“ Das Land der Freiheit wurde von Griess nicht nur humorvoll verspottet, sondern auch ernsthaft kritisiert. Vor allem das Problem der Waffengewalt sprach der Kabarettist an: „In Amerika meinen viele Männer, ihre psychischen Probleme mit Waffen lösen zu können.“

Doch nicht nur für die Vereinigten Staaten „knallte“ es. Beim Thema der Falschinformationen weitete Robert Griess seinen Fokus auf Deutschland aus: „Auch hier gab und gibt es Fake News. Man nannte das früher die BILD-Zeitung. Oder den Wetterbericht.“ Für seine gesellschaftskritische Satire erntete er viele Lacher, für Bemerkungen wie „Jeder, der für Geld arbeitet, arbeitet für jemanden, der sein Geld für sich arbeiten lässt“ zustimmendes Nicken und viel Beifall.

Griess thematisierte in seinem Programm Kapitalismus, Gleichberechtigung, Verschwörungstheorien, Donald Trump, die Deutsche Bahn, Krankenschwestern, Kleinkünstler, Bundesminister mit saarländischen Wurzeln (unter ihnen Peter Altmaier, „das Gollum aus dem Saarland“), Rassismus, Karneval, Virologen und Theologen – kurzum alles, was den Durchschnittsdeutschen in seinem Alltag beschäftigt. Keine Aussagen waren für Robert Griess zu gewagt oder gar tabu.

Besonders eine Reihe von Quarantäne-Tagebucheinträgen, ausdrucksstark vorgetragen mit einem weißen Bettlaken als Requisit, sorgte für allgemeine Erheiterung. Während es am ersten Tag noch „Entschleunigung ist schön“ hieß, schlug die gute Stimmung im Haushalt des Verfassers schnell um: „14. Tag: Pizza im Backofen vergessen. Trotzdem gegessen. 31. Tag: Doch noch aufgestanden. Zähne getrunken. Tee geputzt.“

Auch mit seiner Verwandlung in den fiktiven, auf eine sehr eigene Art liebenswürdigen Hartz-IV-Empfänger „Stapper“ bewies Robert Griess einmal mehr seinen Facettenreichtum. Müsste man sich jedoch für die charmanteste Idee des Kabarettisten entscheiden, um sie internationalen Strippenziehern vorzuschlagen, würde es vermutlich folgende sein: „Wir sollten die Welt noch einmal neu aufteilen. Aber dieses Mal nach Themenparks.“

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