Michael Blümel und Carsten Bender auf Burg Hülshoff
Beim Lesen drauflos zeichnen

Havixbeck -

Anlässlich des Erscheinens der Publikation „federlesen.“ war Michael Blümel aus Bad Mergentheim zusammen mit dem münsteraner Schauspieler Carsten Bender auf Burg Hülshoff zu Gast.

Montag, 05.10.2020, 06:41 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 17:43 Uhr
Während Schauspieler Carsten Bender (l.) Texte las, zeichnete Michael Blümel kreativ und sehr spontan an seinen Bildern.
Während Schauspieler Carsten Bender (l.) Texte las, zeichnete Michael Blümel kreativ und sehr spontan an seinen Bildern. Foto: Kerstin Adass

„Es ist nicht eins zu eins – hier eine Blume, da ein Bäumchen. Das hier sind Reaktionen, es ist expressiv.“ So fasste Michael Blümel am Freitagabend seinen kreativen Arbeitsprozess zusammen. Anlässlich des Erscheinens seiner Publikation „federlesen.“ war der Künstler aus Bad Mergentheim zusammen mit dem münsteraner Schauspieler Carsten Bender auf Burg Hülshoff zu Gast. Vor einem coronabedingt kleinen Publikum trug Carsten Bender ausgewählte Texte der Annette von Droste-Hülshoff vor, während Michael Blümel sich daneben mit Pinsel und Stift an einer Staffelei auslebte. Claudia Ehlert, eine der Herausgeberinnen von „federlesen.“, moderierte zusammen mit Jochen Grywatsch den Abend und freute sich über das dargebotene Zusammenspiel von Literatur und Kunst: „Das mit dem Live-Zeichnen kann ja auch schrecklich schief gehen.“

Michael Blümel, der sich für seine Werke von literarischen Größen aus vielen Zeiten und Genres inspirieren lässt, zeichnet schon seit 1996 auch vor Publikum. Auf Anfrage seines damaligen Deutschlehrers schuf er in einer Unterrichtsstunde mehrere Zeichnungen zu expressionistischer Lyrik. Seine erste Bekanntschaft mit der Droste machte Blümel zu seiner Schulzeit. Zusammen mit einem Klassenkameraden tobte er sich zeichnerisch auf der obligatorischen reclam-Ausgabe der „Judenbuche“ aus.

Mittlerweile beschäftigt sich der Künstler und Illustrator freiwillig mit den Texten von Annette von Droste-Hülshoff. In einem französischen Ferienhäuschen, das er nur zum Einkaufen verließ, vertiefte Michael Blümel sich in die Biografie der Dichterin. Als ihm beim Zeichnen das Papier ausging, griff er kurzerhand zu Buchseiten – eine Vorgehensweise, die bei ihm heute noch zum Einsatz kommt: „Den Stift habe ich ja immer dabei. Manchmal zeichne ich schon beim Lesen drauflos.“

Während Carsten Bender melodisch, ernsthaft und voller Intensität eine Auswahl an weniger bekannten Droste-Gedichten vortrug, schuf Michael Blümel in halsbrecherischem Tempo ein Werk nach dem anderen. Seine Zeichnungen waren unbestreitbar abstrakt und doch so lebendig, dass sie eine gewisse Selbstverständlichkeit ausstrahlten. Von Ermüdung fehlte jede Spur; der Künstler entwickelte beim Zeichnen ständig neue Rhythmen. Mit dem Tuschepinsel in der einen und einem Stift in der anderen Hand brachte Blümel zu „Die Jagd“ große schwarze Kleckse und geschwungene Linien zu Papier, die sich innerhalb weniger Augenblicke zu einem Kunstwerk zusammenfügten. Bei der Rezitation von „Der Weiher“ huschte seine Hand zwischenzeitlich so sanft hin und her, dass die Farbe wie aus dem Nichts auf dem Blatt aufzutauchen schien.

Während einer Fragerunde mit dem Publikum betonte der Künstler, wie wichtig die Atmosphäre beim Live-Zeichnen sei. „Einmal war ich zum Zeichnen in einer Kneipe und die Leute dort hatten keine Lust“, erinnerte er sich. „Das war wirklich ein schlimmes Erlebnis.“ Die Stimmung auf Burg Hülshoff war jedoch ausgesprochen gut und wurde von der Dynamik zwischen den beiden sympathischen und bodenständigen Künstlern weiter gefördert. „Du kannst sehr bildstark lesen“, lobte Blümel Carsten Bender. Beide bewiesen, wie gut sie mit Situationen bei künstlerischen Präsentationen umgehen können. Lächelnd versicherte Michael Blümel den Anwesenden abschließend: „Es ist unglaublich anstrengend, aber befriedigend.“

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