Führung des Freundeskreises der St.-Dionysius-Kirche
Kirchhofsburg bot einst Schutz

Havixbeck -

Zwei Vorgängerbauten hat die Pfarrkirche St. Dionysius Havixbeck in früherer Zeit gehabt. Das erfuhren die Teilnehmer einer Führung zur Baugeschichte und zum Kirchraum im Wandel der Zeiten, die der Freundeskreis der St.-Dionysius-Kirche zum Patronatsfest angeboten hat.

Mittwoch, 14.10.2020, 06:00 Uhr
Zur Baugeschichte von St. Dionysius und zum Kirchenraum im Wandel der Zeiten informierte Friedhelm Brockhausen während der Führung des Freundeskreises der Pfarrkirche.
Zur Baugeschichte von St. Dionysius und zum Kirchenraum im Wandel der Zeiten informierte Friedhelm Brockhausen während der Führung des Freundeskreises der Pfarrkirche. Foto: Freundeskreis St. Dionysius

Es ist bereits zur Tradition geworden, dass der Freundeskreis der St.-Dionysius-Pfarrkirche zum Patronatsfest zu einer besonderen Kirchenführung einlädt. Zum Thema „Kirchbaugeschichte und der Kirchenraum im Wandel der Zeiten“ trafen sich jetzt zwölf Interessierte, die den detaillierten und kenntnisreichen Ausführungen von Friedhelm Brockhausen, dem Geschäftsführer des Freundeskreises, folgten.

Die heutige Pfarrkirche wurde in der Zeit zwischen 1310 bis 1335 errichtet. Sie steht auf dem Fundament einer romanischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert, die aber auch schon eine Vorgängerin ersetzte. Historiker gehen davon aus, dass der Grundherr des Schulzenhofes Havixbeck bereits um 900 hier eine Eigenkirche errichten ließ, um die sich später dann ein Ortskern und das gesamte Kirchspiel entwickelten.

„Im Mittelalter war die Kirche mit dem Kirchplatz eine wehrhafte Anlage, eine Kirchhofsburg, in der die Einwohner Schutz finden konnten“, so Friedhelm Brockhausen. Der Kirchhof, der auch Friedhof und Begräbnisstätte war, war ummauert und mit einem Graben umgeben. Ein Rest der Mauer ist noch an der Nordseite zur Gaststätte Kemper hin zu sehen.

Zu der romanischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert gehört der massive Westturm mit den rundbogigen, romanischen Schalllöchern. Erst mit dem Bau der gotischen Kirche wurde der Turm erhöht und erhielt ein gotisches Abschlussgeschoss, dessen Turmhelm nach dem großen Brand von 1690 erneuert werden musste.

Besucher betraten die Kirche durch das gewölbte Eingangsgeschoss, die heutige Turmkapelle. Über Jahrhunderte ausgetretene Mauertreppen führen im Innern des Turmes in ein gewölbtes Obergeschoss, einer zweiten Turmkapelle, die heute durch das Orgelwerk zugestellt ist. Zu diesem Obergeschoss führte einst eine Außentreppe, die dem Erbprovisor des Hauses Havixbeck vorbehalten war. Von der romanischen Kirche zeugen ebenfalls noch die eckigen Wandpfeiler des Chorbogens, der das Kirchenschiff vom Chorraum trennt.

Im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts wurde die heutige Kirche im damals für Westfalen typischen Stil der Hallenkirche errichtet. Das Südportal war der frühere Haupteingang. Von dort aus erschließt sich am besten die Schönheit des Raumes mit den wohl abgewogenen Proportionen des quadratischen Raumes, berichtet Brockhausen.

Das Langhaus gliedert sich in drei Schiffe und drei Joche. Der weite Pfeilerstand und die verhältnismäßig hohe Pfeilerzone schaffen einen formschönen Raum. Der Chorraum mit Sakramentsnische an der Nordwand ist nach der Fertigstellung der Halle im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts gebaut worden. Auszumachen ist das an seiner Ausmalung im Gewölbe, die stilistisch dieser Zeit angehört.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde nördlich des Chores die Sakristei angebaut, die 1972 um eine Messdienersakristei erweitert wurde. Seit dem 15. Jahrhundert wurden an der Architektur der Kirche keine Veränderungen mehr vorgenommen, auch nicht nach den großen Ortsbränden von 1559 und 1690, die teilweise Turm und Langhaus zerstörten.

Veränderungen gab es indes in der Ausstattung und Innenraumgestaltung, denn der Kirchenraum ist kein Raum wie jeder andere. Kirchenräume sind Träger von Bedeutungen. Hinter der Gestaltung des Raums und der Gegenstände stehen programmatische Absichten, wie Brockhausen den Teilnehmern zu vermitteln wusste. So wies er schon auf das Thema der Kirchenführung im kommenden Jahr hin: „Die Liturgie als Bauherrin des Kirchenraumes“.

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