Havixbecker Günter Darpe wirkte bei Heimatprojekten in Bayern mit
Wertvoller und wichtiger Zeitzeuge

Havixbeck -

Das Interesse, erlebte Geschichte(n) für nachfolgende Generationen zu bewahren, motivierte Günter Darpe, seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Auf diese Weise wirkte der Havixbecker, der am 5. Januar verstarb, auch an heimatgeschichtlichen Projekten mit.

Montag, 01.03.2021, 05:47 Uhr
Von 1943 bis 1945 lebte Günter Darpe als Kind mit seiner Mutter und Großmutter auf dem Bruckerhof in Bergkirchen in Bayern. Den Hof und die Landwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr.
Von 1943 bis 1945 lebte Günter Darpe als Kind mit seiner Mutter und Großmutter auf dem Bruckerhof in Bergkirchen in Bayern. Den Hof und die Landwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr. Foto: Sammlung Hubert Eberl

Für seine Kinder, Enkel und Urenkel hat Günter Darpe seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Aus dem ursprünglich privaten Projekt wurde im Laufe der Zeit aber mehr. Als Zeitzeuge wirkte der Havixbecker unter anderem an heimatgeschichtlichen Projekten im bayerischen Bergkirchen mit. Am 5. Januar dieses Jahres verstarb Günter Darpe im Alter von 85 Jahren.

„Für mich als leidenschaftlichen Heimatforscher ist Günter Darpe zu einem wertvollen Zeitzeugen geworden“, erinnert sich Hubert Eberl aus Bergkirchen im Landkreis Dachau in Bayern. „Ich habe von keinem einzigen noch lebenden Bergkirchner derart umfangreiche und stimmige Schilderungen aus der Zeit von 1943 bis 1945 erhalten. Günter Darpe war in seiner Bergkirchner Zeit zwischen acht und zehn Jahre alt.“

Überwiegend per Whats­App, gelegentlich auch per E-Mail, hielten die beiden Männer aus Bayern und Nordrhein-Westfalen über Jahre Kontakt. Das Interesse, erlebte Geschichte(n) für nachfolgende Generationen zu bewahren, motivierte beide.

Günter Darpe hat in Bergkirchen von 1943 bis 1945 mit seiner Mutter und Großmutter auf einem Bauernhof, dem Bruckerhof, gelebt. Münster, wo die Familie ursprünglich herkam, war damals schon durch Luftangriffe bedroht. „Aber auch andere Gründe zwangen die alleinerziehende Mutter mit Sohn Günter und der Großmutter Zuflucht in Bergkirchen zu suchen“, berichtet Hubert Eberl.

Günter Darpe (1935-2021) schrieb seine Lebenserinnerungen für die Nachwelt auf.

Günter Darpe (1935-2021) schrieb seine Lebenserinnerungen für die Nachwelt auf. Foto: privat

Als der Heimatforscher die Lebenserinnerungen des Havixbeckers aus dessen Zeit in Bayern las, war er erstaunt, wie genau er sich an Begebenheiten und Namen, die zum Teil auch durch andere Quellen belegt sind, erinnern konnte. „Sehr anschaulich hat er zum Beispiel den Konflikt zwischen dem damaligen Hauptlehrer, ein überzeugter Nazi, und dem örtlichen Pfarrer geschildert. Darunter hatten insbesondere die Schüler, zu denen auch er gehörte, zu leiden“, so Hubert Eberl.

Miterlebt hat Günter Darpe in Bergkirchen das Ende des Zweiten Weltkriegs. Eindrücklich schildert er in seinen Erinnerungen, wie die Amerikaner das Dorf einnahmen.

Auch bei einigen Audioprojekten, in denen Darpe seine Erlebnisse schildern konnte, hat er mitgewirkt. Diese sind veröffentlicht auf den Webseiten der „Klingenden Landkarte“ (kl.xss.de). „Bei einem kurzen Besuch 2019 in Havixbeck durfte ich meinen ‚Brieffreund‘ Günter Darpe auch noch persönlich kennenlernen“, berichtet Hubert Eberl. „Obwohl er Bergkirchen, den Bruckerhof, nach 1945 nur zwei Mal, zuletzt vor circa 30 Jahren, besucht hat, ist er durch seine Lebenserinnerungen, die zum Teil auch in der örtlichen lokalen Presse, den Dachauer Nachrichten, veröffentlicht worden sind, sehr bekannt geworden.“

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Bergkirchen

In seine Lebenserinnerungen schildert Günter Darpe, wie am Ende des Zweiten Weltkriegs die Amerikaner Bergkirchen eingenommen haben: „Im Frühjahr 1945 war der Krieg zu Ende. Die Amerikaner wollten auch unser Dorf einnehmen. Ich wusste nicht, wodurch bekannt war, dass zum Zeichen der kampflosen Aufgabe eine weiße Fahne an jedem Haus ausgehängt werden musste. Jedenfalls hing auch aus unserem Haus ein weißes Betttuch aus einem der oberen Fenster auf der Frontseite des Hauses heraus, die zur Dorfmitte gerichtet war. Das konnten die Amis aber nicht sehen, da sie von der vorbeiführenden Landstraße von außen auf das Dorf zukamen, also auf die Rückseite unseres Hauses zu, wo kein weißes Tuch hing. Also machten sie kurzen Prozess, brachten einen Panzer in Stellung und schossen eine Granate auf uns. Die schlug in das Scheunendach ein und riss ein riesiges Loch hinein. Nun wurde hastig ein weißes Betttuch, gut sichtbar, aus einemder oberen Fenster auf der Hausrückseite herausgehängt. Kurz darauf kamen die schwer bewaffneten Amis mit vorgehaltenen Waffen ins Haus und durchsuchten alle Räume, Keller, Dachboden, Ställe und Scheunen nach deutschen Soldaten und Waffen. Da sah ich erstmals schwarze Menschen und hatte mächtig Angst vor denen. Aber wir Kinder hatten uns bald daran gewöhnt und nutzten manches auch schamlos aus. Beispielsweise fragten uns die Amis aus einem Jeep heraus, wo junge Frauenwohnen. Dann haben wir erstmal Schokolade verlangt und auch bekommen, sie dann auf einen abgelegenen Hof in Bibereck verwiesen, wo nur zwei sehr alte Leute lebten. Sofort fuhren die los – wir waren aber weg, bevor die Amis enttäuscht und wütend zurückkamen.“

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